KolumneDen Gürtel enger schnallen

Christoph Bruns
Christoph BrunsLyndon French

Die fünf Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Prognosen für den Rest des Jahres und das kommende Jahr vorgelegt. Dabei wurde zunächst kräftig zurückgerudert, denn man hatte eine wesentlich stärkere Wirtschaftserholung erwartet, als sie bislang eingetreten ist. Das magere zweite Quartal dieses Jahres machte den Forschern einen dicken Strich durch die rosige Prognoserechnung.

Für das kommende Jahr sind die Prognostiker dafür optimistischer als zuvor, denn der Pandemie induzierte Nachholeffekt verlagert sich ihnen zufolge in das Jahr 2022. Dort wird nunmehr mit einem Wirtschaftswachstum von satten 4,8 Prozent gerechnet.

Klimapolitik im Mittelpunkt

Die Wirtschaftsforschungsinstitute haben einen guten Riecher für die aktuelle Windrichtung des Zeitgeistes gezeigt, indem sie die Klimapolitik zunehmend in den Mittelpunkt ihres Forschens und Empfehlens stellen. Lobenswert war in diesem Zusammenhang der Hinweis von Professor Oliver Holtemöller vom Institut für Wirtschaftsforschung in Halle, indem er darauf verwies, dass effektive Klimapolitik nur möglich sei, indem die Gürtel enger geschnallt würden. Konsumverzicht in Deutschland tue Not, um den Verbrauch von Energie zu mindern und einen fühlbaren Beitrag zur Temperatursteuerung unseres Planeten zu leisten.

Nachdem in der letzten Woche die Wirtschaftsnobelpreise für ,natürliche Experimente‘ vergeben wurden, könnte sich Deutschland anbieten, um Konsumverzicht zu praktizieren und anschließend mit anderen ähnlich situierten Staaten, die auf Konsumverzicht pfeifen, zu vergleichen. Mit dem Argument, der Welt voranzugehen, hatten mehrere deutsche Regierungen  die Energiewende in den letzten zwei Jahrzehnten vorangetrieben.

Wissenschaftlich ist dies insofern interessant, als man nun studieren kann, wie es um Energieversorgung, Energiepreise und Emissionswerte in Deutschland und in ähnlich situierten Ländern steht. Dabei springt sogleich ins Auge, dass die Versorgungssicherheit hierzulande schwächer geworden ist, die Preise stark angestiegen sind und die Emissionsziele verfehlt wurden.

Zug längst in Richtung Verzicht unterwegs

Der angesprochene Konsumverzicht wird hauptsächlich durch Verbote (z.B. Verbot von Fleischverzehr) oder hohen Steuern (z.B. Energiesteuern) zu bewerkstelligen sein. Jedermann kann spüren, dass der Zug längst in diese Richtung unterwegs ist. Nutznießer sind vor allem der Staat und seine Institutionen, denn die Anzahl seiner Transferempfänger wird weiter zulegen. Unüberhörbar sind ja die Hinweise, dass Klimapolitik ,sozial abgefedert‘ werden müsse. Die Zahl der Bürger, die in Abhängigkeit vom Staat geraten, dürfte also weiter zunehmen.

Man wird akzeptieren müssen, dass der Zeitgeist vom ,starken Staat‘ träumt und von der Schwarmintelligenz von Märkten wenig hält. Vergessen wir aber nicht, wie der Wohlstand Deutschlands erwirtschaftet wird. Langfristig wird man nur verteilen können, was vorher erzeugt wird. Zwar nährt die Gelddruckpolitik der Notenbanken die Illusion, man könne den Wohlstand durch Schuldenmachen steigern. Die  sprunghaft angestiegene Inflation zeigt dem nüchtern blickenden Bürger jedoch, wer die Zeche für die staatlichen Undiszipliniertheiten u.a. durch Kaufkraftverlust zu bezahlen hat.


Christoph Bruns ist Fondsmanager, Vorstand und Hauptaktionär der Fondsgesellschaft Loys AG. Hier finden Sie weitere Kolumnen von Christoph Bruns