DatenverkehrCorona: Internet-Nutzung bricht Rekorde

Ein De-Cix-Mitarbeiter in Frankfurt öffnet einen Server-Schrank
Ein De-Cix-Mitarbeiter in Frankfurt öffnet einen Server-SchrankGetty Images

Der Datenverkehr im deutschen Internet steigt infolge der Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus massiv an. Beim De-Cix in Frankfurt, dem nach eigenen Angaben größten Internetknotenpunkt der Welt, wurde bereits eine Zunahme der Datenströme um zehn Prozent festgestellt. Man rechne allerdings mit einem Anstieg um bis zu 30 Prozent, sagte ein Sprecher: „Die Datenraten werden sehr stark durch Videostreaming, zum Beispiel Video on Demand aber auch Skype oder Whatsapp Video-Calls getrieben.“ Zudem werde offenbar auch deutlich stärker online gespielt. Schon vor einer Woche hatte das Unternehmen einen neuen Allzeit-Rekord beim Datendurchsatz verzeichnet.

De-Cix-Statistik

Viele Unternehmen hatten in den vergangenen Tagen auf Heimarbeit ihrer Mitarbeiter umgestellt, um die Zahl der Sozialkontakte mit möglichen Infizierten zu verringern. Dadurch nimmt die Zahl von datenintensiven Videokonferenzen und Video-Gesprächen zu. Die Annahme, wonach es noch zu einem weiteren Anstieg kommen werde, basiert auf den Erfahrungen in Italien, wo bereits länger Ausnahmeregeln wegen der Corona-Epidemie gelten. Der Datendurchsatz am De-Cix steigt seit Jahren stetig an, was auch an der Zunahme von Videostreaming liegt. Die derzeitige Zunahme verläuft allerdings ungewöhnlich stark und schnell.

Auch der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) geht von einer deutlich höheren Auslastung des Netzes aus. Dass es deshalb zu Problemen mit der Netzinfrastruktur kommen könnte, schließt der Verband aus. „Wenn sich derzeit Schwächen beim Datenverkehr zeigen, dann liegt das vor allem am Zugang zu Firmennetzwerken“, sagte Nick Kriegeskotte, Leiter Infrastruktur und Regulierung bei Bitkom. „Die Unternehmen müssen dafür jetzt mehr Kapazitäten bereit stellen. Das können die meisten aber auch.“ Viele Unternehmen hätten bereits Erfahrung mit Homeoffice, allerdings nicht alle – weshalb sich manche jetzt umstellen müssten.

Einen Grund dafür, bestimmte Arten der Datennutzung – wie das Streamen von Filmen – zu untersagen, sieht man bei Bitkom nicht. „Wir gehen davon aus, dass das Netz das gut verkraftet. Für die Politik gibt es keinen akuten Bedarf zu handeln“, sagte Kriegeskotte. „Es wäre allerdings wichtig, dass sich Netztechniker auch bei einem totalen Shutdown im Shutdown frei bewegen können, um mögliche Störungen rasch zu beheben.“

 


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