BahnCapital erklärt: Wie hart trifft die Corona-Krise die Deutsche Bahn?

Die Bahn wird auf Sparschiene umsteigen müssen.Bild von Ich bin dann mal raus hier. auf Pixabay


In unserer Reihe Capital erklärt geben wir einen komprimierten Überblick zu aktuellen Wirtschaftsthemen. Diesmal: die Deutsche Bahn und der öffentliche Nahverkehr – mit Redakteurin Monika Dunkel, die bei Capital unter anderem die Transportbranche covert.


Die Fahrgastzahlen der deutschen Bahn sind während der Coronakrise bei ICE-Reisenden um 90 Prozent und im Regionalverkehr um 80 Prozent eingebrochen. Trotzdem hat die Deutsche Bahn ihre Kapazitäten, anders als Fluglinien, kaum angepasst. Warum?

Die Bahn selbst sagt, sie sei systemrelevant. Sie muss Polizisten, Pflegepersonal, Supermarktkräfte und Ärzte transportieren, diese Personengruppen sind auf die Bahn angewiesen. Trotzdem muss man sich fragen, ob es sinnvoll gewesen ist, den Betrieb in diesem Umfang aufrecht zu erhalten. Es gibt hier durchaus Kritik. Jüngst sagte der parlamentarischer Staatssekretär des Verkehrsministeriums, Enak Ferlemann, die Thematik sei eine betriebliche Angelegenheit der Bahn. Da hörte man aber auch ein kleines Fragezeichen, ob ein Betrieb in dem Umfang notwendig ist. Wären die Kapazitäten aber drastisch gekürzt worden, gäbe es wahrscheinlich Diskussionen, ob Fahrgäste zu eng zusammensitzen.

Man spricht von großen Sparmaßnahmen der Bahn. Was würden diese beinhalten?

Zu hören ist ja, dass sie in erster Linie auch erstmal Geld vom Staat bekommen. Es ist von einem Rettungspaket in Höhe von mindestens 11  Mrd. Euro die Rede, die Hälfte soll die Bahn allerdings selbst aufbringen durch Einsparungen bei Personal- und Sachkosten. Es kursiert bereits ein Konzeptpapier von Bahn, Verkehrs- und Wirtschaftsministerium, wonach der Vorstand 2020 auf Bonizahlungen verzichten, variable Vergütung bei höheren Führungspersonal angepasst und Personal abgebaut werden soll. Die Rede ist hier von rund 10.000 Angestellten. Insgesamt sollen diese Maßnahmen bis zu 2,5 Milliarden Euro einsparen. Ansonsten sind die Möglichkeiten der Bahn sehr eingeschränkt. Selbst wenn ICEs weniger ausgelastet sind müssen sie trotzdem in die Werkstatt und gewartet werden, hier gibt es viele Fixkosten im großen Umfang.

Könnten sich diese Einsparungen auch auf die Fahrpreise auswirken?

Ich glaube eher nicht. Anfang des Jahres gab es ja eine Erleichterung der Mehrwertsteuer beim Ticketkauf, damit die Bahn von mehr Menschen genutzt werden kann. Man wird wahrscheinlich Abstand davon nehmen, diese Maßnahme wieder aufzuheben in einer Zeit, die für den öffentlichen Nahverkehr aber auch für Fahrgäste finanziell sowieso schwierig ist.

Bringt Corona die Wende weg vom öffentlichen Nahverkehr und zurück zum Auto?

Es gibt einige, die das vermuten. Im ersten Moment ist das bereits passiert. Die Menschen fühlen sich in ihrem Auto sicherer als in der Bahn, wo man nah mit anderen Menschen zusammenkommt. Carantäne ist angesagt. Die erste Reaktion war aber für viele, sich erstmal gar nicht zu bewegen. Wir erlebten leere Städte. Erst jetzt kann man langsam wieder im Stau stehen. Aber generell denke ich nicht, dass das eine längerfristige Entwicklung ist. Es wird wieder dazu kommen, dass Menschen den öffentlichen Nahverkehr nutzen, wenn die Sicherheitslage eine andere ist. Das kann allerding ein bis zwei Jahre dauern.

Drängt die Krise die Klimaschutzziele in den Hintergrund?

Einiges, was jetzt an Staatshilfe versprochen wird, wird an Klimaziele geknüpft. Man wird nicht mehr wie früher eine Autoprämie einfach auszahlen, um die Autoindustrie zu schützen. Hier wird man gezielter vorgehen. Es könnte zum Beispiel eine Mobilitätsprämie geben, die eine Vielzahl von Verkehrsträgern fördert. Vor allem aber die, die umweltfreundlich sind. Auch mit den Konjunkturpaketen, die jetzt kommen, wird versucht, die Klimaziele zu verfolgen.

Wie bereits angesprochen kann es Jahre dauern, bis sich das Reiseverhalten so einstellt, wie es vor Corona war. Wie bereitet sich der Verkehrssektor darauf vor?

Die Bahn hat einige Pläne für die Zukunft geschmiedet, und mit einer Verdopplung der Fahrgäste bis 2030 gerechnet. Jetzt steht sie vor wahnsinnigen Einkommensausfälle, weil die Fahrgäste ausbleiben, hat aber trotzdem immense Fixkosten. Bei Zukunftsprojekten müssen jetzt Abstriche gemacht werden und die Deutsche Bahn muss schauen wie sie, mit Staatshilfen, über die Runden kommt. Letztendlich wird die Bahn ähnlich viel Geld benötigen wie die Lufthansa.