DebatteBurger King - die Franchise-Falle

Burger-King-Filiale
Das Image von Burger King ist ramponiert

Jetzt hat Burger King den Salat. Und der ist alles andere als appetitlich, nämlich abgelaufen. Seit Ende April ein Team um Enthüllungsjournalist Günter Wallraff die Zustände in Burger-King-Filialen heimlich filmte, ist ein Shitstorm über den Burgerbrater aus den USA hereingebrochen. Tausende Fast-Food-Fans in Deutschland Rufen zum Boykott von Burger King auf. Der Image-Gau ist perfekt. 

Dabei war der Eklat vorauszusehen. Bereits in der Novemberausgabe 2013 hatte „Capital“ über die Querelen hinter den Kulissen von Burger King berichtet, über die Ängste und Befürchtungen von Franchisenehmern und Investoren, die der Zentrale in Deutschland eine verfehlte Expansionsstrategie vorwerfen. Die jetzt enthüllten Missstände sind eine direkte Folge davon. Sie sind hausgemacht. Burger King steckt in der Franchise-Falle.

Andreas Bork
Deutschland-Chef Andreas Bork

Auf der Facebook-Seite von Burger-King-Deutschland versucht ein PR-Team nun den Zorn der Kunden zu besänftigen. Doch die immer wieder verwendeten Textbausteine mit Beschwichtigungen rufen nur noch größeren Ärger hervor. Auch das zweieinhalbminütige Video von Deutschland-Chef Andreas Bork, in dem er mit betretener Miene Besserung gelobt, personelle Konsequenzen verkündet und sich entschuldigt, wird als PR-Nummer verspottet. 

Was war geschehen? Der Undercover-Reporter Alexander Römer aus dem Team Wallraff hatte sich für eine RTL-Dokumentation in mehrere Burger-King-Filialen eingeschleust. Was er dort entdeckte, war widerlich: Lebensmittel wurden nach Ende des Haltbarkeitsdatums umetikettiert und als frische Ware angeboten, Mitarbeiter schrubbten erst die Toiletten und bereiteten dann in der gleichen Arbeitskleidung das Essen zu. Wen wunderte es da, dass in der Küche Darmbakterien gefunden werden konnten.

„Die Braut soll aufgehübscht werden“

 Die beanstandeten Filialen gehören zur Yi-Ko-Holding, dem größten Burger-King-Franchisenehmer in Deutschland. Im Mai 2013 hatte sich die Zentrale in München von der Burger King GmbH getrennt, in der 91 Filialen gebündelt waren. Es waren die letzten Filialen, die Burger King bis dahin noch eigenständig betrieben hatte. Seitdem sind alle 691 Burger-King-Läden in der Hand von etwa 160 Franchisenehmern. Das ist Teil einer neuen Strategie aus der Firmenzentrale in den USA. 

Im September 2010 wurde Burger King für 4 Mrd. Dollar vom New Yorker Finanzinvestor 3G Capital geschluckt – und von der Börse genommen. Kurze Zeit später stieg eine in Deutschland bekannte Größe mit ein: Der als Karstadt-Retter berühmt gewordene Nicolas Berggruen kaufte mit seiner Investmentfirma Justice 29 Prozent des Unternehmens. Dann, im Juni 2012, wurde Burger King wieder an der Börse platziert. Heute liegt der Börsenwert bereits bei über 9 Mrd. Dollar.

Gute Nachrichten? Nicht unbedingt. „Die Braut soll aufgehübscht werden“, sagt ein Anwalt, der die Branche kennt.

Und das Aufhübschen geht zulasten derer, die langfristig mit Burger King planen. „Um den Aktienkurs zu befeuern, wird das Tafelsilber versetzt.“ Filialen werden verkauft, Strukturen entschlackt, Personal und Leistungen reduziert. Eine gängige Methode bei Finanzinvestoren. So kann kurzfristig die Bilanz aufgepeppt werden. Wenn der Kurs hoch genug sei, zögen sich die Finanzjongleure aus dem Unternehmen zurück, prophezeit der Anwalt. Zurück bliebe dann ein Unternehmen, das wegen des rigiden Sparkurses kaum noch zukunftsfähig sei. Ein Gerippe.

Viele Burger-King-Franchisenehmer in Deutschland betrachten die Entwicklung der Firma darum mit Sorge. Sie haben sich langfristig an Burger King gebunden. Über 20 Jahre laufen die Verträge – und dementsprechend sind ihre Restaurants finanziert. Sie fürchten, die derzeitige Burger-King-Führung vernachlässige eine langfristige Strategie für kurzfristige Erfolge.