KonjunkturprogrammBilanz der Abwrackprämie: „Kaum mehr als ein Strohfeuer“

Autokaufprämie: Neuwagen von Mercedes stehen vor dem Werk in Sindelfingen
Neuwagen von Mercedes stehen vor dem Werk in Sindelfingenimago images / Arnulf Hettrich

Familienbonus, Hilfe für Kommunen, die Abschaffung des Soli oder eine Wiederauflage der Autokaufprämie zählen zu den Vorschlägen, mit denen die deutsche Wirtschaft wieder an Fahrt aufnehmen könnte. Welche es in das geplante Konjunkturpaket der Bundesregierung schaffen, berät der Koalitionsausschuss am Dienstagnachmittag im Kanzleramt. Vor allem die Kaufprämie für Autos dürfte bei dem Treffen für Zündstoff sorgen. Denn ob und vor allem an wen die Prämien gezahlt werden sollen, ist ein Streitpunkt zwischen den Regierungsparteien. Das Wirtschaftsministerium plant nach Medienberichten auch Prämien für Verbrennungsmotoren, die SPD lehnt das ab. Eine endgültige Entscheidung soll der Gipfel bringen.

Schon in der Finanzkrise von 2009 setzte Deutschland auf Kaufprämie für Autos. Der Erfolg der sogenannten „Abwrackprämie“ hielt sich allerdings in Grenzen. „Kaum mehr als ein Strohfeuer“, titelt am Montag die aktuelle Evaluation der Dresdener Niederlassung des ifo-Instituts. Die Übersichtsstudie hat 15 datengestützte Studien zu den Effekten der Konjunkturmaßnahme für Deutschland, die USA, Spanien und weitere Länder ausgewertet. Ihr Fazit: Mittelfristig wurden kaum mehr Autos verkauft. „Die Abwrackprämien haben in der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 zumindest kurzzeitig den Autoabsatz belebt, das ist sicher belegt“, sagt Studienleiter Felix Rösel. „Auf die Party folgte jedoch der Kater.“

Angesichts der Verhandlungen rund um die Maßnahme hat sich Capital die Abwrackprämie aus der Finanz- und Wirtschaftskrise 2009 noch einmal angesehen und die wichtigsten Zahlen zur Konjunkturspritze von damals zusammengetragen:

#1 Zwei Millionen Prämien-Nutzer

5 Mrd. Euro stellte der deutsche Staat für die Prämie bereit. Potentielle Autokäufer sollten 2500 Euro erhalten. Rund zwei Millionen Menschen nutzten die Umweltprämie und legten sich ein neues Auto zu. Ursprünglich sollten als Anreiz für den Autokauf nur 1,5 Mrd. Euro fließen, angesichts der Flut an Anträgen stockte die Regierung aber nochmals auf. Das machte sich auch in den Verkaufszahlen bemerkbar. Mit 3,8 Millionen verkauften PKW galt 2009 als bisheriges Rekordjahr der Branche. Zum Vergleich: Zwischen 2000 und 2008 lag der Wert durchschnittlich bei 3,3 Millionen Autos.

#2 Knapp zwei Drittel der Neuzulassungen waren Kleinwagen

Bei Kleinwagen fiel die pauschale Prämie besonders ins Gewicht. Ein Blick auf die Neuzulassungen für 2009 zeigt einen Anstieg von 920.965 Kleinwagen. Im Vergleich zum Vorjahr war das ein Wachstum von 65,7 Prozent. In den USA wirkte sich die Abwrackprämie durch die Nachfrage an kleineren und damit verbrauchsärmeren Fahrzeugen vorübergehend sogar positiv auf die amerikanische CO₂-Bilanz aus, zeigt die ifo-Überblickstudie. Für Deutschland und Europa lasse sich dieser Effekt allerdings nicht zeigen, heißt es weiter.

Unter den deutschen Autobauern hatte dabei vor allem VW die Nase vorn: Bei den Neuzulassungen in Deutschland legte der Wolfsburger Autobauer um knapp ein Drittel zu. Der Absatz von Wagen der oberen Mittelklasse ging dagegen um knapp 16 Prozent, der der Oberklasse um knapp 18 Prozent zurück. Vor allem Autobauer im Premiumsegment wie BMW und Daimler hatten hier das Nachsehen.

#3 Elf Prozent mehr Marktzuwachs bei ausländischen Marken

Neben VW profitierten aber vor allem ausländische Hersteller mit ihrem Kleinwagenmodellen. Fiat steigerte seinen Absatz in 2009 um 86 Prozent, dicht gefolgt  von Hyundai mit einem Absatzplus von 77 Prozent. Insgesamt erreichte der Marktanteil für ausländische Marken in dem Krisenjahr 55 Prozent – und stieg damit im Vergleich zum Vorjahr um elf Prozent an. Die Abwrackprämie zur Rettung der deutschen Autoindustrie ging damit zu großen Teilen an Hersteller im Ausland. Durch den Kauf von Autos fehlte Verbrauchern außerdem das Geld für andere Investitionen, zeigt die ifo-Untersuchung. Der Autokauf könne demnach Nebeneffekte für andere Branchen haben. „Wer den Autokauf vorzieht, hat in dem Moment weniger Geld für Möbel“, sagt  Rösel. „Das Plus der Autobranche kann deshalb schnell zum Minus anderer Sektoren werden.“

#4 2010: Einbruch der Verkaufszahlen um knapp ein Viertel

Die Prämie motivierte auch potentielle Autokäufer, die sich eigentlich erst viel später einen neuen Wagen zugelegt hätten, 2009 aber noch von der Prämie profitieren wollten. Dieser Mitnahme- und Vorzieheffekt machte sich neben Deutschland auch in den USA bemerkbar und ließ den Verkauf in den Folgejahren einbrechen. In Deutschland sackten die Verkaufszahlen nach dem Hoch in 2009 um 24 Prozent auf 2,9 Millionen Fahrzeuge im Folgejahr ab. „Unter dem Strich geben die meisten Studien keinen Hinweis, dass durch die Prämien mehr Autos verkauft werden“, so Rösel.

Infografik: Abwrackprämie: Auf das Hoch folgte der Einbruch | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista