Interview Arifa Khan: „Die Blockchain ist eine Revolution“

Arifa Khan
Arifa Khan
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Arifa Khan war als Investmentbankerin in London tätig. Nun widmet sie sich der Blockchain-Technologie und ist einer der Köpfe hinter der Kryptowährung Ether. Capital sprach mit ihr über die Zukunftsaussichten für die Blockchain

Capital: Frau Khan würden Sie zur Zeit in Bitcoin investieren?

Arifa Khan: Ganz klar, ja!

Sie denken nicht, dass es sich hier ein Blase aufgebläht hat? Der Preis ist zwischenzeitlich um mehr als die Hälfte gefallen.

Ich denke nicht, dass hier die Anzeichen einer Blase vorliegen. Es geht doch darum, ob die Käufer im Markt an das Potenzial von Bitcoin und anderer Kryptoährungen glauben. Und das tun Sie anscheinend. Der Wert hat sich im letzten Jahr fast verzwanzigfacht. Also sind solche Kursstürze verkraftbar. Hier hat eine sprunghafte Preisregulierung stattgefunden. Dennoch glauben wir, dass die erreichte Peak noch nicht das Ende der Preisentwicklung gewesen ist. In zwei Jahren werden sie sich ärgern, dass sie nicht in Bitcoin investiert haben.

Wenn Sie die Wahl zwischen Ether, der Kryptowährung ihrer Ethereum Blockchain, und Bitcoin hätten. Welche würden Sie bevorzugen?

Aus monetären Gründen würde ich Bitcoin vorziehen. Ethereum ist ein komplexes Gebilde und längst nicht so massenkompatibel wie Bitcoin. Ethereum bietet hauptsächlich die Möglichkeit über die Blockchain bestimmte Anwendungen, die sogenannten Dapps, auszuführen. Es ist ein Plattform für Leute, die programmieren können und sich mit der Blockchain-Technologie auskennen. Unsere eigene Kryptowährung ist ein Nebenprodukt. Bitcoins sind indes mittlerweile leicht zu bekommen und für jeden Laien verfügbar. Vor allem ist der Bitcoin durch den Namen und die schiere Menge an ausgegebenen Bitcoins Branchenführer.

Kann man denn Bitcoin nicht mehr als Branchenführer ablösen?

Bitcoin hat eine sehr scharf umrissene Gestalt als Kryptowährung und wird von einigen Nutzern schon als Substitut zu konventionellen Währungen oder auch Gold gesehen. Sie haben einen sehr hohen Bekanntheitsgrad und ein Alleinstellungsmerkmal. Wir sind etwas breiter aufgestellt und können andere Anwendungen über die Blockchain laufen lassen. Das ist aber bei unserer Positionierung auf dem Markt der Kryptowährungen ein Nachteil, da unser Konzept von vielen noch als zu kompliziert empfunden und insbesondere von IT-Spezialisten genutzt wird.

Wo sehen Sie die Schwächen von Ethereum? Vor einiger Zeit gingen Ether, die Kryptowährung von Ethereum unwiderruflich verloren.

Das liegt jetzt schon eine Weile zurück und konnte auch grade gerückt werden. Das empfinde ich nicht als eine aktuelle entscheidende Schwäche. Es ist tatsächlich die anspruchsvolle Bedienung der Anwendungen, die ich kritisch sehe und die uns einer größeren Gruppe von Nutzern verschließt. Für den Mainstream ist unser Angebot, die Blockchain zu nutzen, zu komplex.

Warum gestalten Sie es nicht nutzerfreundlicher?

Die Blockchain-Technologie ist noch immer recht jung und es gibt wenige Entwickler, die das Handwerk in Perfektion beherrschen. Wir lernen mit der Zeit dazu und können auch nur mit kleinen Schritten die Benutzeroberfläche verbessern. Die Jungs, die an der Software arbeiten, sind nicht gerade die besten darin Nutzerfreundlichkeit herzustellen. Das sind absolute IT-Nerds.

Das Volumen an Kryptowährungen ist im Vergleich zum Umfang der normalen Währungen immer noch sehr überschaubar. Werden Kryptowährungen irgendwann eine echte Währungsalternative sein?

Kryptowährungen haben ihr Potenzial noch nicht voll ausgeschöpft. Sie können nur spärlich in der realen Welt eingesetzt werden. Bisher gibt es viele Projekte von vielversprechenden Start-ups. Der Tag an dem sich Kryptowährungen etabliert haben, wird der Tag sein an dem sie sich zu einem Wettbewerber der Nasdaq entwickeln: Ohne Gebühren an Investmentbanken, ohne auf Investment Banker angewiesen zu sein um IPOs anzubieten, ohne auf Broker und Dealer angewiesen zu sein, um sein Geschäft aufzuziehen. All diese Mittelsmänner werden wegfallen.

Wie wird das dann aussehen?

Man geht direkt auf die jeweilige Plattform und wird investieren oder Firmenbeteiligungen anbieten oder was auch immer. Mit dem Unterschied, dass all diese Mittelsmänner wie Broker, die es heut noch gibt, nicht mehr benötigt.

Das ist also das erklärte Ziel?

Es ist nicht das erklärte Ziel, aber die Phänomene, die mit dem Erreichen des Zieles einhergehen würden. Unser vordergründiges Anliegen ist die Schaffung von Sicherheit. Die schafft man, wenn man zentralisierte Informationen verteilt und diese zum einen sicherer vor fremden Zugriffen, aber zeitgleich auch zuverlässiger in ihrer Beständigkeit macht. Die Zentralisierung von Informationen kann schlimme Folgen für die Gesellschaft haben, wenn sie sich in der Hand weniger Menschen befindet.

Wenn man Daten wie in der Blockchain auf vielen Rechnern hinterlegt, ist dann nicht auch die Gefahr größer, dass Leute auf diese Informationen einfacher zugreifen können?

Die einzige Gefahr einer Blockchain bestand in der „51-Prozent-Attacke“. Das würde bedeuten, dass 51 Prozent der Rechner von fremder Hand gesteuert würden. Dann könnten Accounts gelöscht werden, Kryptowährungen hin und her geschoben werden und das Netzwerk anderweitig manipuliert werden. Das ist aber nicht realistisch. Selbst wenn die Mehrheit die Blockchain kapert und diese missbrauchen will, sind nur eingeschränkte Zugriffe möglich, unter die zum Beispiel nicht die Löschung von Accounts fällt. Es gibt nur wenige Zugriffe, die dann möglich wären.

Welche wären das?

Man kann dann Transaktionen in der Zukunft beeinflussen. Rückwirkend gilt das nicht.

Eine Übernahme des Netzwerkes von weniger als 51 Prozent funktioniert nicht?

Nein, in dem Falle kann man überhaupt nichts anrichten.

Ist die Blockchain-Technologie die nächste technische Revolution oder nur eine Möglichkeit bestimmte IT-Anwendungen einzubetten?

Es ist eine Revolution und eine, die sehr tief gehen wird. Prozesse werden günstiger, schneller und vor allem auf direkterem Wege stattfinden.

Im Darknet wird mit Bitcoins bezahlt. Wie will man Kriminelle davon abhalten, sich mit Bitcoin zu versorgen und damit beispielsweise Waffen oder Drogen zu kaufen?

Auch dahingehend haben sich Bitcoin und die Blockchain weiterentwickelt. Früher tappte man bei der Verfolgung von Kriminellen, die mit Bitcoin zahlten, im Dunkeln. Mittlerweile gibt es Unternehmen mit Programmen, die Transaktionen über die Blockchain zurückverfolgen können. Es wurden auch schon einige Kriminelle darüber festgenommen. Und auch hier ist man noch nicht am Ende der Entwicklung angekommen. Auch diese Technologie wird sich noch verfeinern und effektiver werden.

Warum sehen Sie die Blockchain-Technologie so ausnahmslos positiv ?

Als intelligenter Mensch muss man sich fragen, wo passieren gerade Disruptionen in unserer Gesellschaft – tiefe Veränderungen die Institutionen umwälzen. Ich bin der festen Überzeugung, dass die kommenden Disruptionen durch die Blockchain eingeleitet wurden. Sie werden die Bankensysteme und ihre Mittelsmänner überflüssig machen. Diese Entwicklung wird von der Blockchain-Technologie mitgetragen. Eine Investition in Blockchain-nahe Technologien kann daher meiner Meinung nur folgerichtig sein.

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