Corona-KriseAmerikas Staatsversagen

Fast alles dicht in Orlando – auch der Freizeitpark Fun Spot mit seiner Gokart-Bahn
Fast alles dicht in Orlando – auch der Freizeitpark Fun Spot mit seiner Gokart-Bahn Zack Wittman

Der Zettel an ihrer Hotelzimmer­tür ist unmissverständlich. „Zahlen oder räumen“ steht dort in fetten Druckbuchstaben. „Frist: 3 Tage.“ Darunter gleich der Betrag der ausstehenden Miete: 2382,02 Dollar seit Anfang März. „Ich kann nicht zahlen“, sagt Barbara England. „Ich habe wegen des Virus meinen Job verloren.“ Neben ihr auf der Bettkante sitzt ihr Mann Victor Cruz und nickt stumm, auch er ist jetzt arbeitslos. Sie war in einem Fast-Food-Restaurant in der Nähe von Disney World, er Tagelöhner für Disney-nahe Gärtnereien. „Wir haben von Disney gelebt“, sagt sie. „Jetzt ist es zu.“

Hinter ihnen auf dem zweiten Bett sitzen ihre vier Kinder, im Alter von 7 bis 12, und hören den Eltern betreten zu – der Geschichte eines jähen Abstiegs. Oder eher: eines freien Falls. Der amerikanische Albtraum.

Barbara England vor dem Hotel, in dem sie lebt
Barbara England vor dem Hotel, in dem sie lebt (Foto: Z. Wittman)

Barbara England, 32, eine besonnene, herzliche Frau, ist eine von mehr als 30 Millionen neuen Arbeitslosen in den USA, und zudem hat sie das Pech, in Florida zu leben. Der Bundesstaat zahlt am wenigsten Arbeitslosengeld (maximal 275 Dollar pro Woche) und am kürzesten (maximal drei Monate); dazu hat er die Beantragung so erschwert, dass 70 Prozent der Betroffenen bisher keinen Cent bekommen. „Ich werde nicht mal die 275 Dollar erhalten, weil ich nicht lang genug angestellt war“, sagt England. „Und mein Mann als Tagelöhner schon mal gar nicht.“

Es ist ein brütend heißer Tag, in Zimmer 527 riecht es nach Essen und dem Schweiß von sechs Menschen. Barbara England und ihre ­Familie hausen in diesem zehn Quadratmeter kleinen Hotelzimmer am Highway 192, an dessen Seite sich Hotels aus den 80er-Jahren reihen. In ihnen leben dauerhaft Familien, die auf dem freien Markt keine Wohnungen bekommen. Weil sie verschuldet sind, nicht kreditwürdig oder ihre Einkommen zu klein sind.

„Trifft auf mich alles zu. Ich müsste mehr als doppelt so viel verdienen, um eine Wohnung zu mieten“, sagt Barbara England. „Unmöglich.“ Beim Fast-Food-Restaurant Popeyes hat sie zuletzt knapp 2000 Dollar monatlich bekommen. Für das Hotelzimmer, zehn Quadratmeter, zahlen sie monatlich 1400 Dollar. 140 Dollar pro Quadratmeter.

Eigentlich dürfen Mieter während der Corona-Krise nicht auf die Straße gesetzt werden. Das gilt jedoch nicht für Langzeitbewohner von Hotelzimmern wie Barbara England. „Der Besitzer schikaniert uns schon“, sagt sie. Sie erwartet täglich, dass das Räumkommando anrückt.

Ihr Anwalt Jeremy Hogan, der sie gratis vertritt, hofft, dass England noch eine Gnadenfrist erhält, wenigstens bis Juni. Er selbst stellt bereits weitere Anwälte ein und bereitet sich auf eine Flut von Kündigungen und Zwangsvollstreckungen vor, so wie er es in der Krise 2009 erlebt hat. Hunderttausende verloren damals ihre Häuser.

„Es gibt zwei Möglichkeiten“, sagt Hogan. „Wenn der Immobilienmarkt in der Krise einbricht, lassen die Banken die säumigen Hausbesitzer zunächst noch in den Häusern, weil sie sonst viel Geld verlieren. Wenn der Markt aber nicht komplett einbricht, bestehen die Banken auf Zwangsenteignungen. Weil sie damit Geld verdienen.“ An Nachsicht der Finanzinstitute glaubt er nicht. „Ich bin lang genug im Geschäft.“

So, wie die Dinge sich entwickeln, ist Orlando derzeit Ground Zero einer Krise, von der noch keiner weiß, ob sie eine Great Depression wird wie 1929 – oder nur eine Great ­Recession wie 2009. Kein anderes Land der Welt ist bisher so von Corona getroffen worden wie die USA, mit über 1,2 Millionen registrierten Krankheitsfällen schon Anfang Mai. Niemand weiß, ob die Krise nur einen weiteren Einbruch in der Geschichte Amerikas markiert – oder das vorläufige Ende der Weltmacht.

Rezession oder Depression

Das Coronavirus zeigt, wie unvorbereitet und zerrüttet, wie schwach und arm das reichste und mächtigste Land der Weltgeschichte in Wirklichkeit ist. Es entblößt ein System, in dem Regierungen seit Jahrzehnten den Sozialstaat schwächen. Dabei sah es an der Oberfläche lange so gut aus: Die Aktienkurse waren zuletzt auf Rekordhöhen gestiegen, die Arbeitslosigkeit in Rekordtiefen gesunken. Unternehmen meldeten: Gewinne, Gewinne, Gewinne. Und wenn man Präsident Trump zuhörte, waren die USA sowieso überall am besten. „Das Coronavirus brauchte gerade einmal acht Wochen, um die Gewinne von Jahren zu vernichten“, sagt die Ökonomin Janelle Jones vom Thinktank The Groundwork Collaborative. „Es zeigt, dass hinter der schillernden Fassade Amerikas ein kaputter Staat steckt.“

Mehr als 120.000 Menschen haben ihr Leben durch das Virus bereits verloren, mehr als im Vietnamkrieg. Über 30 Millionen verloren ihren Job, mehr als zu Zeiten der Großen Depression. Wie damals sieht man nun lange Schlangen vor den Essensausgabestellen von Hilfsorganisationen. Man trifft auf Menschen, die zur Arbeit gehen, obwohl sie die Symptome des Virus haben, weil sie keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall erhalten. Man trifft Leute, die ohne Job auch keine Krankenversicherung mehr haben und nun das Geld für Medikamente und Ärzte nicht aufbringen können.

Mehr als die Hälfte der Amerikaner lebten schon vor der Corona-Krise von Gehaltsscheck zu Gehaltsscheck. 40 Millionen galten schon als arm, als Trump noch mit den Kursrekorden prahlte. 87 Millionen Amerikaner haben keine Krankenversicherung oder sind unterversichert.

Warteschlange vor einer Essensausgabe in Orlando
Warteschlange vor einer Essensausgabe in Orlando (Foto: Z. Wittman)

Dagegen besitzen die reichsten ein Prozent der Amerikaner inzwischen mehr Vermögen als die unteren 90 Prozent. Drei Männern allein gehört mehr als 160 Millionen Bürgern zusammen: Jeff Bezos, Bill Gates und Warren Buffett. Seit 40 Jahren ist das Realeinkommen von Arbeiterinnen wie Barbara England kaum gestiegen, während es sich für die Reichen um 420 Prozent erhöhte.

Der Großraum Orlando, 2,5 Millionen Einwohner, galt dabei bis vor Kurzem als Floridas Boomtown. Neue Freizeitparks entstehen hier wie am Fließband: Harry Potter, ­Nintendo, Epic Universe. Die Stadt lebt fast nur vom Tourismus, von Freizeitparks und Konferenzen.­ Das Virus hat sie nun gestoppt: Disney World dicht. Universal Studios dicht. Seaworld dicht. Und damit auch die Hotels, Geschenkeläden und Res­taurants.

Shirley London hat bei Disney gearbeitet, als Kellnerin im deutschen Pavillon des Freizeitparks ­Epcot. Sie hat Sauerkraut und Bier serviert, 17 Jahre lang. Jetzt ist sie wie 43.000 andere Disney-Mitarbeiter in Orlando arbeitslos und fühlt sich doch privilegiert. „Wir haben noch fünf Wochen lang unseren Lohn bekommen und Krankenversicherung bis Ende des Jahres. Ich weiß, dass meine Kollegen bei Universal und Seaworld ohne all das dastehen.“

Der Tsunami kommt noch

Die Disney-Parks gelten schon immer als Gradmesser für den Zustand der US-Wirtschaft. Nach der letzten Wirtschaftskrise 2009 dauerte es zwei Jahre, bis sie sich wieder füllten. Jetzt sind sie nicht nur auf unbestimmte Zeit geschlossen, auch die Kreuzfahrtschiffe fahren nicht. Filmstarts wurden verschoben, Sportsender können keine Profi­ligen zeigen. Disneys Gewinne sind im ersten Quartal um 91 Prozent eingebrochen, das zweite Quartal dürfte katastrophal ausfallen. 100.000 Mitarbeiter in den USA sind beurlaubt, die Gehälter der Manager gekürzt. Executive Chairman Bob Iger hat auf sein Jahresgehalt von 3 Mio. Dollar verzichtet, nachdem er gerade erst 47,5 Mio. an Boni eingestrichen hat.

Jeremy Haiken, Gewerkschafts­führer, der Shirley London und 18.000 Mitarbeiter des Konzerns ­vertritt, ist mit den Verhandlungen noch zufrieden. „Seaworld hat 90 Prozent der Mitarbeiter beurlaubt, ohne Lohnfortzahlung und Krankenversicherung“, sagt er. Vor allem hätten die Disney-Mitarbeiter die Garantie, zurückkehren zu können, wenn die Lage sich bessere, sagt er.

Die Frage ist nur: Wann? Die meisten US-Unternehmen öffnen in diesen Wochen wieder ihre Werke. Aber das mag bei Boeing gehen, bei Ford und General Motors. Wer bitte will in diesem Jahr noch eine Flugreise zu Disney World buchen?

„Der eigentliche Tsunami kommt noch“, glaubt Robert Stuart, seit 25 Jahren Leiter einer christlichen Sozialeinrichtung im Zentrum von Orlando. Sie versorgt mit ihrer Suppenküche sonst die Armen und Obdachlosen der Stadt, aber jetzt kommen plötzlich viermal so viele Kunden, auch aus der Mittelschicht. „Der Absturz geht schnell“, sagt ­Stuart. „Die Menschen leben von Monat zu Monat. Aber das Schlimmste erwartet uns im Sommer: wenn Arbeitslosengeld und Soforthilfe nach drei Monaten wegfallen. Wenn Wohnungen gekündigt werden. Da kommt ein Tsunami auf uns zu.“

Im Lager von Daily Bread landen kaum noch Lebensmittelspenden
Im Lager von Daily Bread landen kaum noch Lebensmittelspenden (Foto: Z. Wittman)

Seine Suppenküche heißt Daily Bread, und bislang bekam man das übrig gebliebene Essen von Disney und Konferenzhotels, aber die sind ja zu. Dann bekamen sie es von Restaurants, aber auch die haben nicht mehr viel übrig. Schließlich lebte Daily Bread von der Restware aus Supermärkten, aber auf die hat jetzt ein Ansturm eingesetzt. „Nun schauen wir von Tag zu Tag“, sagt Stuart.

Mittags um zwölf reicht die Schlange vor der Suppenküche bis zum Ende der Straße. Aus einem schwarzen Geländewagen steigt eine Mutter mit ihren beiden Töchtern. Eine Frau im eleganten Overall, die Kinder mit Handys. Auch sie reihen sich in die Schlange ein. Greifen nach der Styroporbox mit Lasagne und etwas Obst. „Ich schäme mich nicht“, sagt Anne Keys. „Wir brauchen etwas zu Essen. Ich habe kein Geld mehr.“

„Nur wenn Trump im November die Wahl verliert und die Republikaner ihre Mehrheit im Senat, sehe ich Chancen dafür, dass sich irgendetwas ändert“

Joseph Stiglitz

Keys hatte einen Job bei der Baptisten-Kirche, verlor ihn aber, weil die Kollekte zurückging. Auch Robert Stuart musste in seiner Suppenküche Leute entlassen, so wie auch manche Krankenhäuser und Gesundheitszentren, deren Patienten wegbleiben – aus Angst vor dem Virus. Das ist das Perfide dieser Krise: Diejenigen, die jetzt helfen, müssen aus Geldnot Stellen kürzen.

Auch Joseph Stiglitz ist wütend in diesen Tagen. Wenn man mit ihm telefoniert, redet sich der Wirtschafts­nobelpreisträger und ehemalige Chefökonom der Weltbank schnell in Rage. „Donald Trumps Missmanagement in der Covid-19-Krise lässt die USA wie ein Dritte-Welt-Land aussehen“, sagt er. Millionen Leute seien auf private Hilfe in den Essensaus­gaben angewiesen, weil der Staat so eklatant versage. „Man muss sich das mal vorstellen: Im reichsten Land der Welt sterben Menschen, weil die Sozialleistungen in den letzten Jahrzehnten zusammengestrichen wurden“, sagt Stiglitz.

Wie es dazu kommen konnte?

Das, sagt Stiglitz, habe zum Großteil mit der neoliberalen Ideenwelt der Republikaner zu tun, die den Staat so schlank wie möglich halten wollten und darauf vertrauten, dass der Markt es schon richte. „Gerade erst haben sie einen Gesetzentwurf abgelehnt, der Corona-Kranken zehn Tage lang eine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall zusprechen sollte.“ Das Gesetz hätte verhindern können, dass Kranke zur Arbeit gehen und das Virus weiterverbreiten. „Aber die Republikaner sagten, das würde einen Präzedenzfall schaffen, deshalb lehnten sie es ab. Ich weiß, dass die Großkonzerne vorher ordentlich Lobbyarbeit geleistet haben. Ich bin sprachlos vor Wut“, sagt Stiglitz.

Corona offenbare wie keine andere Krise die Systemfehler eines beinahe ungezügelten Kapitalismus, sagt Stiglitz. Sie zeige, dass der Markt eben nicht alles regle, dass er keine dringend benötigten Beatmungsgeräte und Schutzmasken beschaffe – und dass er ärmere Menschen in Zeiten einer Krise schutzlos Gefahren für die Gesundheit ausliefere.

Der amerikanische Traum, urteilt Stiglitz, sei nur noch eine hohle Illusion. In kaum einem Land sei der soziale Aufstieg so unmöglich geworden. Der US-Kapitalismus müsse deshalb grundlegend reformiert werden. In seinem gerade erschienenen Buch „Der Preis des Profits“ macht er dazu Vorschläge. „Doch nur wenn Trump im November die Wahl verliert und die Republikaner ihre Mehrheit im Senat, sehe ich Chancen dafür, dass sich irgendetwas ändert.“

Und wenn nicht? „Dann erleben wir eine Neuauflage der Großen Depression – eine Katastrophe für unser Land und die Weltwirtschaft.“

Betteln für Medizin

Michael Shawki kann sich seine Medikamente gegen Krebs nicht mehr leisten
Michael Shawki kann sich seine Medikamente gegen Krebs nicht mehr leisten (Foto: Timothy Fadek)

Für Michael Shawki, 31, ist die Katastrophe schon eingetreten. Dass es für ihn nun um Leben und Tod gehen würde, wusste er sofort, als er am 17. März entlassen wurde. Shawki hatte nun noch drei Wochen. So lange würden seine Medikamente reichen, wenn er sie rationieren würde. Die Spritzen: statt einmal die Woche nur noch alle zwei Wochen. Die Tabletten: erst zwei am Tag. Dann eine am Tag. Dann eine alle zwei Tage.

Shawki leidet seit seiner Jugend an Morbus Crohn. Vor zweieinhalb Jahren entdeckte man bei ihm Darmkrebs, er bekam eine Chemotherapie. 60 Tabletten muss er am Tag schlucken, gegen Morbus Crohn, Krebs und Angst, dazu Vitamine und Nahrungsergänzungsmittel.

Als er noch als Manager einer kleinen Bäckereikette in Manhattan arbeitete, konnte er sich die Krankenkassen-Zuzahlung von 500 Dollar im Monat für die Medikamente noch leisten. Nun, nach der Kündigung, nicht mehr. Er gehört zu den 27 Prozent der Amerikaner ohne jede Ersparnisse, die nicht einmal eine unerwartete Zahlung von 400 Dollar aufbringen können. Heute sitzt er im vollgestellten Wohnzimmer seiner Wohngemeinschaft in Brooklyn, aus der er sich wegen Corona kaum noch rauswagt, und sagt: „Ich hatte einen guten Job und konnte mich trotzdem kaum über Wasser halten. So geht es vielen meiner Generation.“

Nachdem er sich vor zwei Wochen die letzte Spritze mit der Krebsmedikation gesetzt hatte, schrieb er verzweifelt auf Twitter: „Ich brauche eure Hilfe, ich muss Medikamente kaufen, aber habe kein Geld für die Zuzahlung, kein Essen, kein Geld für die Miete.“ 200 Dollar kamen zusammen. Jetzt sammelt er Spenden auf der Seite GoFundMe. „Ich habe dort so viele verzweifelte Inserate gelesen. Da waren Leute, die sich ihre ­Diabetes-Spritzen teilen müssen oder sich ihre Chemotherapie nicht mehr leisten können“, sagt er.

Vom Staat gab es bisher kaum Hilfe. Die Arbeitslosenstelle ist überlastet, er wartet auf den Bescheid. Einen einmaligen Stimulus-Scheck von 1200 Dollar wird er immerhin kriegen. Das Geld geht dann für die Miete drauf. Es kommt auch später als geplant, weil Donald Trump darauf bestand, dass seine Unterschrift auf die Schecks gedruckt werden sollte.

Shawki sagt, er mache sich keine Illusionen. Er wird weiter Spenden sammeln müssen, sich von Woche zu Woche hangeln, solange die Krise dauert. Und sie kann lange dauern in New York City. Es brauchte wenige Tage, die Stadt stillzulegen, es wird viel Zeit verstreichen, bis sie wieder in Gang kommt. In keiner Stadt hatte das Virus so verheerende Folgen wie in New York. Mehr als 30.000 Covid-19-Tote bis jetzt. Hunderttausende ohne Job.

Es gehört zum Mythos der Stadt, dass sie schon viele Katastrophen überstanden hat. Den 11. September, die Finanzkrise, die Haushaltskrise der 70er-Jahre – jedes Mal kämpfte sie sich zurück. Doch Corona rührt am Wesenskern New Yorks. An der schieren Masse von Menschen auf engem Raum: auf den Straßen, in der U-Bahn, in den Wolkenkratzern. Corona legt offen, wie anfällig die Metropole ist. Und schon hört man von Angestellten, die sich in kleinere und vermeintlich sicherere Städte wegbewerben wollen, wenn die Krise vorbei ist. Von Firmenchefs, die darüber nachdenken, Manhattan zu verlassen, weil sie einfach mehr Platz für ihre Angestellten brauchen in den neuen Zeiten von sozialem Abstand.

Gerade die Wahrzeichen der Stadt – Broadway, Subway, Restaurants, Museen und Theater – hat es in dieser Krise am heftigsten getroffen. 2020 sollte einen Besucherrekord bringen. Nun ist die Hälfte der Hotels geschlossen. Die Stadt schätzt, dass mehr als 180000 Kleinunternehmen pleitegehen werden. Gleichzeitig droht eine neue Immobilienkrise, Millionen haben Schwierigkeiten, ihre Miete zu bezahlen, so wie ­Michael Shawki. Für ihn wird alles davon abhängen, wann die Touristen wiederkommen. Erst dann kann er wieder auf seinen Job in der Bäckerei im Touristenzentrum Hell’s Kitchen hoffen. Wenn es die bis dahin noch gibt.

 


Der Beitrag ist in Capital 4/2020 erschienen. Interesse an Capital? Hier geht es zum Abo-Shop, wo Sie die Print-Ausgabe bestellen können. Unsere Digital-Ausgabe gibt es bei iTunes und GooglePlay