Deutschland digitalAdidas - Schuhe aus dem 3D-Drucker

Roboter in der Ansbacher Speedfactory bei der Produktion von Schuhen
Roboter in der Ansbacher Speedfactory bei der Produktion von Schuhen

360 Millionen Paar Schuhe hat Adidas 2016 produziert. Ein Teil wird jetzt per 3D-Druck gefertigt.

Die Lage

Vom Entwurf eines neuen Schuhs bis zu dem Moment, in dem er verkauft wird, vergehen in der Sportartikelindustrie etwa 18 Monate. Bei einem Unternehmen wie Adidas ist die Produktion fast komplett ausgelagert – etwa 97 Prozent der Schuhe werden derzeit in Asien gefertigt. Auf neue Entwicklungen und spezifische Kundenwünsche einzugehen fällt den Herstellern daher momentan schwer.

Das Konzept

Adidas hat in diesem Sommer zusammen mit dem Kunststoffverarbeiter Oechsler die Speedfactory im fränkischen Ansbach gestartet. Dort wird auf additive Fertigung gesetzt. Ein 3D-Druck-Verfahren lässt es zu, Einzelstücke nach individuellen Kundenwünschen am Computer zu entwickeln und herzustellen. Mittelfristig könnten so pro Jahr eine Million Paar Schuhe produziert und schneller als bisher an den Kunden gebracht werden.

 

 

„Wir fangen praktisch mit einem weißen Blatt an“

Fragen an Gerd Manz, Vice President Technology Innovation, Adidas

Gerd Manz
Gerd Manz

Kommen demnächst alle Schuhe aus der Maschine?

Es geht hier bisher nur um einen kleinen Teil unserer Produktion. Für uns ist es wichtig, auf ein Bedürfnis nach Abwechslung einzugehen, das typisch für neue Konsumentengruppen ist. Deren Ungeduld zeigt sich auch daran, dass neue Apps sie rasch wieder langweilen.

Das heißt, Schuhe können in Zukunft ganz neue Formen annehmen?

Zumindest fallen Beschränkungen weg, die wir in der traditionellen Herstellung haben. Mit der additiven Fertigung fangen wir praktisch mit einem weißen Blatt an – und können ganz individuell gestalten.

Geht es nicht auch darum, den Anteil menschlicher Arbeit zu reduzieren?

Auch in der Speedfactory wird es händische Prozesse geben, die schwer zu ersetzen sind. Allerdings geht es um eine andere Art der Fabrikarbeit und neue Qualifikationen, zum Beispiel darum, Maschinen bedienen und warten zu können.


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