Mobilität10 kuriose Fakten zu Verspätungen bei der Bahn

Drei Männer stehen vor einer Anzeigentafel der Deutschen Bahn, auf der Verspätungen angezeigt werden
Die Deutsche Bahn hat ein massives Problem mit Verspätungendpa

Im Mai 2018 musste ein japanischer Bahnbetreiber öffentlich um Entschuldigung bitten. Der Grund: Ein Zug war in Tokio 25 Sekunden zu früh aus dem Bahnhof gefahren. Ein Fahrgast verpasste deshalb die Verbindung und kam sechs Minuten später als geplant am Ziel an. Ein „schwerwiegender Fehler“, entschuldigte sich der Betreiber per Pressemitteilung. Deutsche Bahnkunden können von solchen Fehlern nur träumen.

Hierzulande kam 2018 jeder vierte Fernzug zu spät. Diese Bilanz kostet die Deutsche Bahn nicht nur Entschädigungen in zweistelliger Millionenhöhe. Auch das Ansehen des Staatskonzerns leidet. Der gelobt mal wieder Besserung. Knapp 1 Mrd. Euro soll bis 2025 in Digitaltechnik investiert werden. Davon verspricht sich das bundeseigene Unternehmen bessere Pünktlichkeitswerte.

Wie unpünktlich war die Bahn 2018 wirklich und ist es vielleicht noch schlimmer als gedacht? Hier kommen zehn Fakten zur Verspätungen bei der Deutschen Bahn im vergangenen Jahr.

#1 So oft kam die Bahn 2018 zu spät

2018 waren laut der Deutschen Bahn 93,5 Prozent aller Züge pünktlich. Im Vorjahr waren es 94 Prozent. Die Bilanz erscheint auf den ersten Blick recht positiv, relativiert sich bei genauerem Hinsehen jedoch. Denn hier sind die Zahlen für Nahverkehr und Fernverkehr zusammengefasst. Im Nahverkehr (inklusive aller S-Bahnen) blieb die durchschnittliche Pünktlichkeitsquote mit 94 Prozent nahezu unverändert. Ganz anders sah es im Fernverkehr aus.

#2 Jeder vierte Fernzug zu spät

Im Fernverkehr konnte die Bahn für 2018 lediglich eine durchschnittliche Jahrespünktlichkeit von 74,9 Prozent vermelden. Anders ausgedrückt: Jeder vierte Fernzug kam zu spät. Diese Bilanz fiel noch schlechter aus als 2017. Damals waren 78,5 Prozent aller Fernzüge zu spät.

#3 So definiert die Bahn Pünktlichkeit

Bei der Statistik ist auch von Interesse, wie die Deutsche Bahn Pünktlichkeit definiert. Dazu heißt es von dem Unternehmen: „Ein Halt wird als pünktlich gewertet, wenn die planmäßige Ankunftszeit um weniger als sechs Minuten überschritten wurde.“ Hält die S-Bahn also 5:59 Minuten zu spät in einem Bahnhof, gilt der Halt in der Statistik immer noch als pünktlich. Diese Spanne ist insbesondere im Nahverkehr großzügig ausgelegt.

#4 Ausgefallen ist nicht unpünktlich

Die Bahn berücksichtigt bei ihrer Pünktlichkeitsstatistik übrigens keine ausgefallenen Verbindungen. Dasselbe gilt für Fahrten, die aus welchem Grund auch immer abgebrochen werden. Der Konzern weist darauf hin, dass diese Praxis unter europäischen Betreibern üblich ist und im Schnitt mehr als 99 Prozent der DB-Personenzüge pro Jahr ihr Ziel erreichen. „Eine theoretische Einbeziehung der wenigen ausfallenden Züge würde für die Gesamtpünktlichkeit keine wesentliche statistische Abweichung bedeuten“, betont der Konzern.

#5 Unpünktlichkeit wird für die Bahn teuer

Unpünktlichkeit ist für die Bahn nicht nur eine Frage des Prestiges. 2018 musste das Unternehmen seinen Kunden wegen Verspätungen rund 53 Mio. Euro an Entschädigungen zahlen. Im Vorjahr waren es nur knapp 35 Mio. Euro.

#6 Fahrgastrechte werden bekannter

Ein Grund für den Anstieg ist, dass immer mehr Passagiere über ihre Fahrgastrechte informiert sind und sie in Anspruch nehmen. 2,7 Millionen Bahnkunden reichten 2018 Anträge auf Entschädigung ein, ein Drittel mehr als noch 2017. Ab einer Stunde gibt es ein Viertel des Fahrpreises zurück, ab zwei Stunden steigt die Erstattung auf 50 Prozent.

#7 Gründe für Verspätungen bei der Bahn

Die Bahn führte etliche externe Gründe für die „unbefriedigende Pünktlichkeit“ im vergangenen Jahr an. Besonders „extreme Witterung“ habe zu vielen Verspätungen geführt. Dazu gehörten laut dem Unternehmen Stürme, Wintereinbrüche, starke Niederschläge sowie zwei Großbrände infolge ausgeprägter Trockenheit. Außerdem gab es im Dezember 2018 einen Warnstreik.

#8 Die Bahn räumt Probleme ein

Die Bahn sieht sich aber auch selbst in der Verantwortung. Fehlendes Personal sowie Engpässe bei der Infrastruktur und der Fahrzeugverfügbarkeit hätten zu verspäteten Zugverbindungen beigetragen. Die „Agenda für eine bessere Bahn“ soll für mehr Ressourcen in den drei Problemfeldern sorgen.

#9 Höhere Entschädigungen im Bahnverkehr

Die Zeit drängt auch für die Bahn. Denn die hohe Verspätungsrate könnte bald noch teurer werden. Das Europäische Parlament will die Fahrgastrechte verschärfen. Ab einer Stunde sollen dann statt 25 bereits 50 Prozent des Fahrpreises erstattet werden. Ab eineinhalb Stunden würden laut den Plänen 75 Prozent fällig. Ab zwei Stunden müsste die Bahn sogar den vollen Fahrpreis zurückzahlen.

#10 So pünktlich sind Züge in Japan

Zum Schluss noch mal ein Blick auf das Pendler-Paradies Japan. Dort gilt ein Zug bereits als unpünktlich, wenn er eine Minute zu spät eintrifft. Das ist dann auch Anlass für eine Durchsage des Schaffners. 2015 lag die durchschnittliche Verspätungsrate beim Hochgeschwindigkeitszug Tokaido-Shinkansen bei 54 Sekunden.