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Bei der Rolex TP52 World Championship messen sich die besten Segler der Welt. Am Steuer der Yachten stehen oft die Bootseigner selbst: sportbegeisterte Wirtschaftskapitäne, die aus der Regatta einen Cup der Millionäre machen
Bei der Rolex TP52 World Championship messen sich die besten Segler der Welt. Am Steuer der Yachten stehen oft die Bootseigner selbst: sportbegeisterte Wirtschaftskapitäne, die aus der Regatta einen Cup der Millionäre machenwww.vladi-private-islands.de

Wie aggressive Haie kreisen die Yachten vor der Startlinie, bringen ihr Kielwasser zum Kochen. Noch fünf Minuten, dann beginnt die neunte und letzte Wettfahrt der Rolex-TP52-Weltmeisterschaft. Es sind die wichtigsten Minuten der Regatta, dabei hat das Rennen noch gar nicht angefangen. Im Kampf um die beste Startposition schlagen die Steuermänner Haken, wenden und halsen, bedrängen den Gegner und versuchen, den Wind aus den Kohlefasersegeln der Konkurrenten zu kapern.

„Beim Start werden die Karten ausgegeben“, sagt Robert Scheidt. „In dem Moment gibt es keine Gnade, keine Freunde.“ An fünf Olympischen Spielen hat der Brasilianer teilgenommen, holte je zweimal Gold und Silber und einmal Bronze. Zweimal war er „Weltsegler des Jahres“. Jetzt führt er als Taktiker das brasilianische Team „Onda“.

Eben noch baumelten Crewmitglieder, die sogenannten Wind­spot­ter, hoch oben in den Masten, um den Atlantik vier Meilen vor der portugiesischen Küste bei Cascais nach Böen abzusuchen. Die Yachten trackten die exakte Position der beiden Motorboote, die die rund 200 Meter lange Startlinie bilden. Mit den Daten füttern sie eine speziell entwickelte App, die die Taktiker der Teams auf den Smartphones an ihren Armbinden im Sekundentakt kontrollieren wie Teenager ihre Whatsapp-Nachrichten.

Wind, Richtung, Speed, alles wird erfasst. Kameras filmen die Segeleinstellung, den Trimm, die App wertet die Daten aus. Der Wind bläst in Böen mit 25 Knoten, sechs Beaufort – das Limit für die leichten TP52-Boote mit ihren gewaltigen Segeln. Legt der Wind zu, muss abgebrochen werden. Wellen wummern wie Hammerschläge auf die steifen Karbonrümpfe. Schoten ächzen unter der tonnenschweren Last der Segel, es klingt ein bisschen wie Walgesang.