KolumneWollen Sie Boni oder gute Manager?

Lars Vollmer
Lars Vollmerlarsvollmer.com

„Deutsche Bank zahlt mehr als eine Milliarde Boni“, titelte die FAZ vor Kurzem. Darüber durfte sich dann die SPD aufregen, daraufhin musste John Cryan sich verteidigen und schließlich sah sich der Handelsblatt-Ableger Orange genötigt, zu erklären, warum die Deutsche Bank „dicke Boni zahlen muss“.

Grund der Aufregung: Die Deutsche Bank zahlt diese dicken Boni, während sie massive Verluste einfährt.

Grund meiner Aufregung: Offensichtlich hat in dieser Diskussion immer noch niemand verstanden, wo das eigentliche Problem liegt.

Der Genuss des falschen Denkens

Die öffentliche Empörung, die ausnahmslos immer aufkommt, wenn irgendein Unternehmen hohe Boni zahlt, ist nämlich vor allem moralisch begründet. Umso mehr wenn die Organisation ein negatives Gesamtergebnis vorzuweisen hat. Man empört sich also genüsslich, schimpft am Stammtisch, lamentiert die verfahrene Situation mit den Nachbarn und schreibt entrüstete Leserbriefe. Diese moralische Begründung verschafft ein wohliges Gemeinschaftsgefühl, denn schließlich sind Sie doch auch entsetzt, oder? Sie löst aber nicht das Problem.

Dieses Problem liegt nämlich nicht in der Höhe der Boni, sondern im Gehalts- und Bonussystem an sich. Sie dürfen also gerne in der öffentlichen Empörung schwelgen, so viel Sie möchten. Aber lassen Sie uns dann trotzdem nochmal über das wirkliche Problem sprechen: Das gängige Bonussystem, das sich auch die Deutsche Bank zu eigen macht, unterliegt zwei grundlegenden Denkfehlern.

  • „Leistung ist individuell“
    Nichts anderes sagt eine Bonuszahlung letztlich aus: Ein einzelner Manager, eine einzelne Führungskraft hat ihren Job gut gemacht und eine Leistung erbracht, die honoriert werden muss. Aber Leistung ist nun mal nicht individuell. Die Leistung einer komplexen Wertschöpfungsorganisation ist emergent und entsteht stets im Zusammenwirken vieler Personen. Deshalb kann und darf in meinen Augen auch das Messen und Belohnen von Leistung nicht individuell erfolgen.
  • „Boni machen die Leistung besser“
    Was auch sonst? Schließlich motivieren in Aussicht gestellte Bonuszahlungen doch ungemein und spornen zu Höchstleistungen an! Nun, jein. Boni motivieren Mitarbeiter durchaus – aber eben dazu, Wege zu finden, damit sie ihren Bonus bekommen. Selbst wenn das auf Kosten der Gesetzestreue, des Unternehmensgewinns oder der Ethik geht. Dahinter steckt kein böser Wille, sondern eine zutiefst menschliche Reaktion: Wenn wir in ein System hineingedrängt werden, versuchen wir, es uns zunutze zu machen. Das beginnt schon im Kleinen: Als Sie vor einigen Jahren vom System verpflichtet wurden, beim Arzt eine Praxisgebühr von 10 Euro zu bezahlen – nun ja, es würde mich nicht wundern, wenn viele von Ihnen im bezahlten Quartal dann nicht lange gefackelt haben, vielleicht einmal mehr zum Arzt zu gehen, wenn es irgendwo ziepte.

Menschen nutzen die Systeme, in denen sie sich bewegen. Und das ist moralisch kein bisschen verwerflich.