WochenrückblickUnited Airlines macht alles falsch

Reicht das Wort PR-Desaster, um den gewaltsamen Rausschmiss eines Passagiers von United Airlines zu beschreiben? Es ist wohl eher ein Super-GAU. Und das gilt nicht nur für den Rausschmiss, sondern auch für den Umgang des Unternehmens mit dem Vorfall. United Airlines-CEO Oscar Munoz drückte zunächst nur sein Bedauern über die „Umquartierung“ aus, bevor er sich zu einer Entschuldigung durchrang.

Der Schaden war da schon nicht mehr gutzumachen, das Video von der gewaltsamen „Umquartierung“ wurde rasant schnell über das Internet verbreitet. Der Fluggast hatte sich geweigert, seinen Platz in einer überbuchten Maschine zu räumen. Daraufhin zerrten ihn drei Polizisten aus dem Flugzeug.

Offenbar wurde den Verantwortlichen bei United erst nach und nach bewusst, welche Dimension der Fall hat. Neben der allgemeinen Empörung wurden Rassismusvorwürfe gegen die Airline erhoben, weil der aus dem Flugzeug gezerrte Passagier asiatischer Abstammung ist.

Auch die Investoren schreckten auf: Die Aktie brach ein. Einer der leidtragenden ist Starinvestor Warren Buffett, der sich erst vor kurzem an der Fluglinie beteiligt hatte.

Und damit nicht genug: Jetzt droht United auch noch eine Klage des betroffenen Passagiers. Dessen Anwälte beantragten die Sicherung von relevanten Dokumenten und Überwachungsvideos. Das konnte Munoz auch nicht durch eine Entschuldigung und dem Versprechen verhindern, dass so etwas nie wieder auf einem United-Flug passieren werde.

An der nicht nur bei United Airlines gängigen Überbuchungspraxis will Munoz aber festhalten. Allerdings kommen aus der Politik schon Forderungen, das Überbuchen einzuschränken. Branchenkenner raten den Fluggesellschaften, Probleme bei zu viel gebuchten Passagieren vor dem Einstieg zu regeln. Und Überbuchungen sollten nur vorgenommen werden, wenn es eine vernünftige Alternative für die Betroffenen gibt. Das war bei dem United-Flug nicht der Fall: Das nächste Flugzeug wäre erst am nächsten Tag gegangen.

Poker um Stada beendet

Stada-Hauptsitz im hessischen Bad Vilbel
Stada-Hauptsitz im hessischen Bad Vilbel
© Stada Arzneimittel AG

Das Ringen um den Arzneimittelhersteller Stada ist zu Ende: Für 5,3 Mrd. Euro haben die Beteiligungsfirmen Bain Capital und Cinven den Zuschlag erhalten. Die beiden Finanzinvestoren müssen dafür aber tiefer in die Tasche greifen: Um mehr als 450 Mio. Euro stockten sie ihr ursprüngliches Angebot auf. Die Konkurrenten von Advent und Permira mochten damit nicht mehr mitziehen. „Unsere Verhandlungsstrategie der letzten Wochen war sehr erfolgreich“, sagte Aufsichtsratschef Carl Ferdinand Oetker.

Die neuen Eigentümer wollen den Hersteller von Medikamenten wie Grippostad und Ladival unter die erste Riege der Generikahersteller weltweit führen. Das soll unter anderem durch Zukäufe gelingen. Ein Stellenabbau im großen Stil sei nicht geplant.

Die Aktie des im MDax notierten Unternehmens legte nach der Bekanntgabe der Übernahme um mehr als zwölf Prozent zu. Die Aktionäre sind es auch, die das letzte Wort in dem Fall haben, denn sie müssen der Übernahme ihren Segen geben.

Infografik: Umsatz der wertvollsten Generikahersteller weltweit | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Frühjahrsgutachten: Ökonomen sehen Handlungsbedarf

Die fünf führenden Wirtschaftsforschungsinstitute sind optimistisch für die deutsche Konjunktur. In diesem Jahr soll die Wirtschaft um 1,5 Prozent wachsen – das sind 0,1 Prozentpunkte mehr als in ihrer letzten Prognose. Für 2018 erwarten sie sogar ein Wachstum von 1,8 Prozent. Man kann also sagen, dass die deutsche Wirtschaft rund läuft.

Aber die Ökonomen sehen auch Schwachstellen. „Die Unternehmensinvestitionen nehmen in Deutschland nach wie vor verhalten zu“, heißt es in ihrem Gutachten. Die Politik wird aufgefordert die Rahmenbedingungen für private Investitionen zu verbessern.

Eingriffe seien auch notwendig, um Probleme im Zusammenhang mit der Alterung der Gesellschaft in den Griff zu bekommen. „Gerade in der Rentenversicherung werden uns die Kosten ab 2020 um die Ohren fliegen“, sagte Ferdinand Fichtner vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Es sei an der Zeit, den Anstieg der Abgabenbelastung zu bremsen und in den Bildungssektor zu investieren.

Auch gebe es angesichts der guten Lage auf dem Arbeitsmarkt Spielraum, um den Beitrag zur Arbeitslosenversicherung zu senken.