BewerbungWie die Vita zur Story wird

Symbolbild Bewerbungsgespräch
Symbolbild BewerbungsgesprächPixabay

Längst sind es nicht mehr nur Filmemacher oder Schriftsteller, die Geschichten erzählen. Unternehmen nutzen Storytelling zu Werbezwecken: Emotionen statt bloßer Informationen führen dazu, intensiver und nachhaltiger in Erinnerung zu bleiben. Das Lieblingsthema aus dem Marketing lässt sich aber auch für eigene Zwecke nutzen: die Bewerbung. Mit einer individuellen Geschichte – etwa im Anschreiben – kann man aus dem großen Kreis der Kandidaten herausstechen. 4 Tipps, wie aus der Vita eine Story wird.

#1 Lebenslauf auf Tauglichkeit prüfen

Nicht jeder berufliche Werdegang eignet sich. Sie haben nach dem Abitur eine Banklehre gemacht und wollen sich nach 15 Jahren in der Filiale einer niedersächsischen Kleinstadt erstmals verändern? Das ist kein Plot für eine spannende Geschichte – zu wenige Handlungsstränge, Spannungsbögen oder gar Wendepunkte. Haben Sie dagegen Meeresbiologie studiert und als Industrietaucher gejobbt, um dann auf Archäologie und Orientalistik umzusteigen und sich aus rein privatem Interesse forensisch weiterzubilden: Treffer. Aus diesen Stationen lässt sich ein schlüssiges Drehbuch entwickeln, das Zufälligkeiten kaschiert, und das Personaler nicht nach 30 Sekunden in Ablage P schieben.

#2 Branche auf Eignung checken

Ähnliches wie für den Lebenslauf gilt auch für die Branche. Geht es darum, in einem hippen Startup oder einem Unternehmen der sogenannten Kreativwirtschaft anzuheuern – und das möglicherweise auch noch initiativ – kann das Geschichtenerzählen sinnvoll sein. Bewerben Sie sich via Storytelling als Texter in einer Kommunikationsagentur, stellen Sie so direkt unter Beweis, dass Sie das für den Job nötige Handwerk beherrschen. Peilen Sie dagegen den Posten eines Sachbearbeiters in der Stadtverwaltung an, könnte die zuständige Personalabteilung mit Befremden auf ein unkonventionelles Anschreiben reagieren.

#3 Storyboard entwerfen

Eine gute Geschichte braucht eine sympathische Hauptfigur sowie eine interessante bis ungewöhnliche Handlung. Hindernisse und Konflikte sind dabei erlaubt. Eine konkrete Dramaturgie lässt sich nicht pauschal empfehlen, geeignet sind aber generell Konstruktionen, die denen eines Bildungs- oder Initiationsromans ähneln – etwa ein Plot, der sich literarisch gesprochen an Elemente wie Jugendjahre, Wanderjahre, Meisterjahre anlehnt. Lassen Sie in Ihrem Kopf einen Film entstehen, schreiben Sie alles auf, was Ihnen dabei einfällt, suchen Sie Bilder und Beispiele. Und geben Sie dem Ganzen schließlich einen roten Faden.

#4 Authentisch bleiben

Die vielleicht wichtigste Regel dabei ist: bei aller Kreativität bitte nicht über das Ziel hinausschießen. Auch beim Storytelling muss die Heldengeschichte plausibel bleiben und darf nicht konstruiert bis erlogen erscheinen. Ebenso sollte die Sprache nicht zu blumig werden. Versuche, dem Anschreiben einen literarischen Anstrich zu geben, scheitern in der Regel. Wenn Sie sich trauen, zeigen Sie die Bewerbung einem guten Freund. Dieser sollte Sie in der Geschichte noch eindeutig wiedererkennen.