GastbeitragWarum jetzt der Zeitpunkt für New Work gekommen ist

Viele Beschäftigte arbeiten in der Corona-Krise zum ersten Mal im Homeofficeimago images / Hans Lucas

In vielen Unternehmen sitzen die Mitarbeitenden in diesen Tagen zum ersten Mal im Homeoffice. Und auch die, die das schon kennen, bemerken, dass es doch einen Unterschied macht, ob man gelegentlich mal woanders arbeitet, oder ob das gesamte organisationale Leben plötzlich an 1000 verschiedenen Orten zugleich stattfinden muss. Doch es gibt ein paar Schritte, die Unternehmen jetzt gehen können, um sich das Ankommen in den neuen Strukturen zu erleichtern.

#1 Akzeptiere, dass es eine Reise ist

Die digitale Transformation ist eine Entwicklung, die wir seit mehreren Jahrzehnten beobachten; so gut wie nichts geschah einfach über Nacht. Und dieser Prozess wird auch erst einmal kein Ende haben: Es ist nicht so, dass wir unser Unternehmen, unsere Produkte und Geschäftsmodelle von analog nach digital entwickeln und dann „fertig“ sind. Vielmehr geht es im Moment in den Unternehmen darum, sich flexible Strukturen aufzubauen, denn dass, wo es hingeht, ist ein „moving target“ – wir müssen immer wieder nachjustieren und neu bewerten, wo wir hinwollen und ob wir noch auf dem richtigen Weg sind. Das ist es auch, was Unternehmen manchmal so schwer fällt in dieser Transformation: Es ist keine Entwicklung, wie wir sie kennen von A nach B, sondern der Unterschied ist hier von statisch zu konstant beweglich.

Genau das gleiche gilt auch für die flexiblen und agilen Strukturen, die Unternehmen in diesen Tagen von heute auf morgen aufbauen müssen. Wer sie vorher noch nicht hatte, kann sie jetzt nicht einfach per Dekret einführen – so funktioniert das leider nicht. Das ist ein Reife- und Lernprozess der gesamten Organisation und damit aller Menschen im Unternehmen. Und Menschen lernen unterschiedlich schnell und es fällt ihnen unterschiedlich schwer, Dinge loszulassen oder neue Dinge anzunehmen. Und das ist auch nicht falsch, sondern ganz genau richtig so. Jede Organisation hat ihr eigenes Tempo, und das sollten wir anerkennen.

#2 Transformation ist kein technologisches Thema

Was wir auch gerade bemerken: Technologie ist nur die halbe Miete. Ohne Technologie und eine funktionierende technische Infrastruktur brauchen wir natürlich nicht über flexible Arbeit zu sprechen oder auch konkrete Themen wie das Homeoffice, ohne Frage. Und viele Unternehmen sind in diesen Tagen auch darüber bereits gestolpert: Ich habe von Mitarbeiter/innen gehört, die daheim entweder gar nicht arbeiten konnten oder die am Wochenende in das Bürogebäude fahren mussten, um ihre Standrechner abzubauen und sie dann daheim wiederaufzubauen.


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Doch wenn wir dann daheim am Rechner sitzen, dann merken wir: Jetzt geht die eigentliche Arbeit erst los. Und zwar die Meta-Arbeit: Wie arbeiten wir denn eigentlich miteinander, wenn wir uns nicht jeden Tag sehen? Wie kommunizieren wir? Und über welche Kanäle? Wo legen wir Dokumente ab? Wie genau dokumentieren wir unsere Prozesse? Wie wollen wir als Menschen sichtbar werden, wenn kein persönlicher Kontakt möglich ist?

Und bei diesen Fragen merken wir, dass es um Haltung und Werte geht. Und wo es jetzt knirscht im Homeoffice, sollten wir uns mit diesen Haltungsfragen und unseren Werten auseinandersetzen. Das sind Dinge, die keine Firma einfach so vorgeben kann, sondern Prozesse, durch die jedes Team, jede Abteilung durchgehen muss. Wo es jetzt Reibung gibt, sind das keine „Probleme“ oder „Herausforderungen“, sondern ganz klare Handlungsaufforderungen an uns, gestaltend in den Prozess zu gehen.