GastbeitragSechs Wege zu einer echten Fehlerkultur

Fehler sind menschlich, entscheidend ist, wie man mit ihnen umgeht
Fehler sind menschlich, entscheidend ist, wie man mit ihnen umgehtdpa

Der Abteilungsleiter zum CEO: „Du Chef, wir haben einen Fehler von einer halben Million Euro gemacht. Ist es nicht wundervoll, was wir daraus lernen können?“ Der CEO schaut über den Brillenrand: „Ja super, und tausend Dank, dass ihr geschlafen habt! Stell dir vor, wie uns das weiterbringt.“

Ich gebe zu: Diese Geschichte klingt zu romantisch, um wahr zu sein. Sie demonstriert jedoch, wie leicht sich Begriffe verklären lassen. Beim Buzzword-Bingo sitzt die „Fehlerkultur“ längst im Olymp der Worthülsen. Wie sie von dort in die Niederungen der Unternehmenspraxis kommt, ist für viele aber ein Buch mit sieben Siegeln.

Trennung von Verursacher und Sachverhalt

Menschen machen Fehler. Die einzige Möglichkeit, sie zu vermeiden, ist es, jeglichen Handlungen auszuweichen. Das kann natürlich niemand wollen – gleichzeitig sollte es aber möglich sein, aus Fehlern zu lernen. Genau hier wird es tricky: Dann viele Führungskräfte schaffen es nicht, den Verursacher vom Sachverhalt eines Fehlers zu trennen. Zwar lynchen sie nicht mehr wie früher, kleben aber noch immer am alten Täterideal. Dabei ist ihr beharrlicher Versuch, die Ursache im Menschen abzustellen, zum Scheitern verurteilt.

Zwei Erkenntnisse sind es, die eine echte Fehlerkultur von der Meeting-Worthülse unterscheiden: „Menschen sind fehlbar und werden es auf ewig sein“ und „Jeder Missgriff hat äußere Ursachen, die ihn begünstigt haben.“ Nach Murphys Law geht alles schief, was schiefgehen kann. Oder anders: Jeder Fehler, der gemacht werden kann, wird auch gemacht.

Auf die Rahmenbedingungen kommt es an

Wer einen bestimmten Fehlgriff auf Dauer abstellen will, muss zuerst herausfinden, unter welchen Rahmenbedingungen er quasi unausweichlich wurde. Je besser man diese Rahmenbedingungen kennt, umso eher kann man dafür sorgen, dass sie nicht oder zumindest nicht gleichzeitig eintreffen.

Haben Sie einen Kollegen, der regelmäßig sein Diensthandy zu Hause vergisst, das Konzept aus dem Homeoffice oder ganz einfach sein Mittagessen? Achten Sie einfach mal darauf, an welchen Tagen er auf den letzten Drücker ins Büro gehetzt kommt. Mit großer Wahrscheinlichkeit existiert da ein Zusammenhang. Und wie ist das bei Ihnen selbst? In welche Fehler-Fallen tappen Sie?