InterviewMichael Brehm über seine erste Million

Michael Brehm, Ex-StudiVZ-Chef, Investor und Gründer von i2x
Michael Brehm, Ex-StudiVZ-Chef, Investor und Gründer von i2xHahn + Hartung/Business Punk


Michael Brehm, 38, baute als Geschäftsführer das soziale Netzwerk StudiVZ auf und investierte in Kreditech, Brands4friends oder Lieferando. 2017 startete er die Berliner Firma i2x, die Sales- und Service-Mitarbeiter mithilfe künstlicher Intelligenz trainiert.


Capital: Herr Brehm, Sie kommen aus einer Unternehmerfamilie, haben mit 15 Ihre erste Firma gegründet und wollten sich immer selbstständig machen. Trotzdem fingen Sie nach dem BWL-Studium bei einer Investmentbank an. Warum?

MICHAEL BREHM: Unternehmersein ist ja kein Selbstzweck. Ich hatte zwar damals schon eine Liste mit 200 möglichen Geschäftsideen. Aber es war gerade keine darunter, für die ich wirklich gebrannt hätte. Also habe ich mir gesagt: Bei einer Investmentbank kann ich in viele verschiedene Branchen hineinschauen, ich mache erst einmal das.

Im Frühjahr 2006 aber gaben Sie Ihren sicheren Job bei Merrill Lynch auf und heuerten als Geschäftsführer bei einem völlig unbekannten Start-up an: StudiVZ.

Ich habe vier Wochen vor der Bonuszahlung gekündigt. Alle haben mir gesagt: Du bist völlig verrückt. Ich bin da bei zwei Jungs eingestiegen, die ich kaum kannte, die hatten eine rudimentäre Site, kaum Nutzer, keinen Umsatz, keine Ahnung, wie man Umsatz machen könnte. Aber die Idee hat mich überzeugt.

Was war Ihre Rolle?

Die neue Capital erscheint am 22. November
Die neue Capital erscheint am 22. November

Ich habe den kaufmännischen, operativen Teil gemacht. Wir sind ja extrem schnell gewachsen, die Nutzerzahl hat sich teilweise alle drei Wochen verdoppelt. Das musste einer unter Kontrolle haben. Im Rückblick sieht das so geradlinig aus, aber es hat vorn und hinten geknallt. Ständig ist etwas explodiert. Einmal war die Site sechs Tage offline. Es war eine Achterbahnfahrt.

Woher kam der Erfolg?

Wir waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Wir haben die Zielgruppe sehr gut verstanden und das passende Produkt gebaut. Und wir haben extrem hart gearbeitet. Gegen StudiVZ war die Investmentbank fast schon ein Freizeitverein. Samstag und Sonntag waren für uns Kernarbeitszeit.

Was hat ein StudiVZ-Geschäftsführer anfangs verdient?

Stolze 500 Euro. Dazu gab es aber sehr vernünftige Anteile.

Als Holtzbrinck im Januar 2007 die Firma für 85 Mio. Euro kaufte, haben Sie also gut Kasse gemacht.

Da waren die ersten paar Millionen auf dem Konto, ja.

Wie haben Sie das gefeiert?

Am Tag der Vertragsunterzeichnung wollten wir eigentlich neue Pressefotos machen und hatten uns dafür extrem studentisch angezogen: zerschlissene Jeans, alte Turnschuhe. Als wir um elf Uhr nachts endlich beim Notar in München raus waren, war klar, dass wir in dem Aufzug in keinen Club reinkommen würden. Am Ende sind wir in einer Dönerbude gelandet.

Was haben Sie sich geleistet?

Ich habe meine Wohnung eingerichtet. Bis dahin hatte ich auf einer Matratze auf dem Boden geschlafen. Ansonsten habe ich eigentlich den größten Spaß daran, das Geld wieder in andere Start-ups zu stecken.

Nach mehreren Jahren als Investor haben Sie 2017 selbst gegründet: i2x, ein Start-up, das mithilfe künstlicher Intelligenz die Kundenkommunikation verbessern will. Warum tun Sie sich das noch einmal an?

Ich liebe es, immer wieder bei null anzufangen. Und ich will beweisen, dass man aus Deutschland heraus auch heute eine global erfolgreiche Tech-Firma aufbauen kann.