Wochenrückblick Machtwechsel in Saudi-Arabien

Nach König Abdullahs Tod steht Saudi-Arabien vor unsicheren Zeiten. Außerdem: Googles Weltraumpläne und eine düstere IWF-Prognose
König Abdullah gelangte im Jahr 2005 auf den Thron
König Abdullah gelangte im Jahr 2005 auf den Thron
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Nach dem Tod des saudischen Königs Abdullah übernimmt dessen Halbbruder Prinz Salman bin Abdulaziz die Macht in dem ölreichen Wüstenstaat. Der 90- oder 91-jährige Abdullah bin Abdulaziz Al-Saud war am Freitagmorgen an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben. Auch der neue König ist gesundheitlich angeschlagen: Seit einem Schlaganfall kann der 79- Jährige einen Arm nicht mehr bewegen. Mit dem 69-jährigen Prinz Muqrin steht der Thronerbe für Salman bereits fest.

Prinz Salman, der neue Herrscher
Prinz Salman, der neue Herrscher
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Der Machtwechsel trifft Saudi-Arabien in einer kritischen Situation. Sowohl die politischen Ereignisse im Nahen Osten als auch der Verfall des Ölpreises machen dem sittenstrengen Königreich zu schaffen. International steht das Land wegen der Prügelstrafe für einen islamkritischen Blogger am Pranger. Raif Badawi wurde zu 1000 Stockschlägen verurteilt, weil er den Islam beleidigt haben soll.

Trotz solcher Praktiken ist Saudi-Arabien aber ein treuer Verbündeter des Westens in der Region, auch wenn das Verhältnis zuletzt gelitten hat. Die Saudis verübeln es den USA, dass sie sich nicht den Sturz des syrischen Machthabers Baschar al Assad zum Ziel gesetzt haben. Assad ist mit dem saudischen Todfeind Iran verbündet. Auch die Bemühungen, den Atomstreit mit Teheran beizulegen, beobachten die Herrscher in Riad mit Argwohn. Und dann ist da noch die Terrorgruppe Islamischer Staat, die in Syrien und dem Irak operiert. Um zu verhindern, dass die radikalen Islamisten auf saudisches Gebiet vordringen, wird die Grenze zum Irak mit einer Zaunanlage befestigt.

Kurzfristig stellt sich die Frage, ob der neue König etwas gegen die niedrigen Ölpreise unternimmt. Die Preis je Barrel zog am Freitag ein wenig an, obwohl Analysten eher keine Kehrtwende erwarten. Saudi-Arabien ist bisher nicht bereit, seine Förderung zu drosseln. Das würde zwar zu höheren Preisen führen, doch die Saudis sind mehr daran interessiert mit niedrigen Preisen ihren Marktanteil zu sichern. Das billige Öl macht das sogenannte Fracking unrentabel, das in den USA für einen Förderboom sorgt.

Düstere Aussichten für die Weltwirtschaft

Baustelle in China: Der Bauboom in der Volksrepublik ebbt ab
Baustelle in China: Der Bauboom in der Volksrepublik ebbt ab
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Der Internationale Währungsfonds hat seine Prognose für die globale Wirtschaft nach unten korrigiert: Die Weltwirtschaft soll nur noch um 3,5 Prozent wachsen, 0,3 Prozentpunkte weniger als zuvor prognostiziert. In China, Russland, Japan und der Eurozone hätten sich die Aussichten verschlechtert. Nur die USA können sich von der Entwicklung abkoppeln. Dank der starken Binnennachfrage erhöhte der IWF seine Vorhersage für die Vereinigten Staaten auf ein Plus von 3,6 Prozent. Das sind 0,5 Prozentpunkte mehr als zuvor erwartet.

In China werde sich dagegen die Entschleunigung der Konjnktur fortsetzen. Das Statistikamt in Peking bezifferte das Wirtschaftswachstum der Volksrepublik im vergangenen Jahr auf 7,4 Prozent. Seit 1990 ist die chinesische Wirtschaft nicht mehr so langsam gewachsen. Und Ökonomen rechnen mit einer weiteren Abschwächung: Der IWF erwartet, dass die chinesische Wirtschaft in diesem Jahr um 6,8 Prozent wachsen wird.

China befindet sich in einem komplizierten Transformationsprozess. „Die Führung in Peking will Chinas Geschäftsmodell ändern - von einer investitionsgetriebenen Exportwirtschaft zu einer Konsum- und Dienstleistungswirtschaft, von Kränen und Schloten zu Hotels und Laboren“, schreibt Bernhard Zand auf Spiegel Online.

Während die Chinesen versuchen, den Wandel zu gestalten, droht Russland der Totalabsturz. Die IWF-Experten rechnen damit, dass die russische Wirtschaft um 3,0 Prozent schrumpft. Das Land leidet unter dem billigen Öl und den Sanktionen des Westens.

Alarmierende Nachrichten kommen auch von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). In diesem Jahr werde weltweit die Zahl der Arbeitslosen um drei Millionen wachsen. Vor allem Jugendliche würden keinen Job finden. Von einem Ende der Krise könne nicht gesprochen werden. Über 61 Millionen Jobs seien seit 2008 – dem Beginn der Krise – verloren gegangen. „Die Jobkrise ist also längst nicht vorbei, es gibt keinerlei Grund für Selbstgefälligkeit“, sagte ILO-Generaldirektor Guy Ryder.

Google strebt ins All

SpaceX schießt bereits Raketen erfolgreich in den Weltraum
SpaceX schießt bereits Raketen erfolgreich in den Weltraum
© SpaceX

Google zieht es in die Stratosphäre. Mit rund 1 Mrd. Dollar steigt der Internetkonzern gemeinsam mit der Investmentgesellschaft Fidelity bei dem Raumfahrtunternehmen SpaceX ein. Sie erwerben damit zehn Prozent an dem Raketenbauer, dessen Chef der Milliardär Elon Musk ist.

Aber was bezweckt Google mit dieser Beteiligung? SpaceX will mit Satelliten in einer Höhe von 1200 Kilometern für eine weitere Verbreitung des Internets sorgen. Mit der Technik könnte man in noch nicht erschlossene Gegenden auf dem Planeten vordringen. Viele Menschen kommen bisher nicht in den Genuss der Möglichkeiten des Netzes. Und Google hat natürlich ein Interesse, dass diese Menschen, wenn sie denn über einen Zugang verfügen, die Dienste des Internetkonzerns nutzen.

Auch Google-Konkurrent Facebook hat große Höhen im Visier. Mit Satelliten und Drohnen will das Soziale Netzwerk die Entwicklungsländer ans Netz anschließen. Und am besten wäre es natürlich, wenn sich die Menschen dann gleich ein Facebook-Profil einrichteten.



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