WochenrückblickKonsum heizt Konjunktur an

Konjunktur: Deutsche Wirtschaft wächst stark

Eröffnung eines Outlet-Centers in Leipzig
Gute Geschäfte: Das Geld sitzt locker bei den Verbrauchern – Foto: dpa

Die deutsche Wirtschaft hat einen guten Jahresstart hingelegt. Im ersten Quartal stieg das Bruttoinlandsprodukt laut einer vorläufigen Schätzung des Statistischen Bundesamtes um 0,7 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Das ist das stärkste Wachstum seit zwei Jahren – und das in einem lahmen weltwirtschaftlichen Umfeld.

Die Impulse für die deutsche Wirtschaft kamen daher auch nicht vom Außenhandel, sondern aus dem Inland. „Die privaten Haushalte und der Staat erhöhten ihre Konsumausgaben zum Jahresbeginn“, schreiben die Statistiker. Bei den staatlichen Ausgaben spielen auch die Flüchtlinge eine Rolle, weil für ihre Unterbringung und Versorgung Geld aufgebracht werden muss.

Auch bei den Investitionen verzeichnen die Statistiker einen Aufwärtstrend. „Bedingt durch die erneut milde Witterung wurde sowohl in Bauten als auch in Ausrüstungen deutlich mehr investiert als im vierten Quartal 2015“, heißt es. Nach Einschätzung von Ökonomen wird sich das Wachstum aber verlangsamen. „Im zweiten Quartal dürfte die Wirtschaft allein schon deshalb weniger stark wachsen, weil die Bauinvestitionen wegen der witterungsbedingt vorgezogenen Baubeginne dann schwächer ausfallen dürften“, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.

Momentan läuft die Konjunktur in Deutschland aber noch besser als in anderen großen Volkswirtschaften der EU. In Frankreich legte das BIP um 0,5 Prozent zu, in Großbritannien um 0,4 Prozent und in Italien um 0,3 Prozent. Nur die spanische Wirtschaft wuchs mit 0,8 Prozent etwas stärker als die deutsche.

Großbritannien könnte sich noch als großes Risiko für die Konjunktur hierzulande erweisen. Sollten sich die Briten gegen den Verbleib in der EU entscheiden, steht laut einer Studie der DZ Bank nicht nur für die Wirtschaft des Vereinigte Königreichs viel auf dem Spiel. Auch der Bundesrepublik drohten Einbußen bis 2017 von bis zu 45 Mrd. Euro. Mit hohen Wachstumsraten wäre es dann vorbei. Die DZ Bank hält sogar eine Rezession um den Jahreswechsel 2016/2017 für möglich. So schnell kann es gehen.

Deutsche Post: Krise überwunden

Deutsche-Post-Chef Frank Appel
Post-Chef Appel konnte gute Zahlen verkünden – Foto: Deutsche Post DHL Group

Post-Chef Frank Appel war am Mittwoch sichtlich zufrieden. „Wir hatten einen guten Start in das laufende Jahr“, sagte er zu den Quartalszahlen seines Konzerns. Mit einem Vorsteuerergebnis von 873 Mio. Euro sei es das beste erste Vierteljahr in der Unternehmensgeschichte gewesen. Vor allem im Expressgeschäft konnte sich die Post über Zuwächse freuen. Aber auch bei der Sanierung der kriselnden Frachtsparte machte das Unternehmen Fortschritte.

Noch vor einem halben Jahr sah es gar nicht rosig bei der Post aus. Ende Oktober musste der Konzern eine Gewinnwarnung herausgegeben. Wegen der misslungenen Einführung einer neuen Software in der Frachtsparte schrieb Appel damals knapp 500 Mio. Euro ab.

Nun sieht der Post-Chef seinen Konzern „voll auf Kurs“, die angepeilten Jahresziele zu erreichen. Die Post will die Erträge in diesem Jahr um mindestens 1 Mrd. Euro steigern. Der operative Gewinn soll sich in einem Korridor von 3,4 bis 3,7 Mrd. Euro bewegen. Auch das wäre mindestens 1 Mrd. Euro mehr als im Vorjahr.

Die Post-Aktie machte einen Satz nach oben. Dank des guten Quartals konnte sie den Einbruch zum Jahresbeginn wieder wettmachen. Der Dax hat das bisher noch nicht geschafft.

Deutsche Post Aktie

Deutsche Post Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Thyssenkrupp: Prognose revidiert

Stahlabstich bei Thyssenkrupp
Die Stahlsparte wird zum Sorgenkind bei Thyssenkrupp – Foto: dpa

Die Krise in der Stahlindustrie macht dem deutschen Industriekonzern Thyssenkrupp zu schaffen. Wegen chinesischer Billigimporte, Überkapazitäten und dem anhaltenden Druck auf die Werkstoffpreise nahm das Unternehmen seine Gewinnprognose zurück. Thyssenkrupp rechnet für das Ende September zu Ende gehende Geschäftsjahr jetzt nur noch mit einem operativen Gewinn von 1,4 Mrd. Euro. Zuvor hatte die Spanne bei 1,6 bis 1,9 Mrd. Euro gelegen.

Zwar geht es Thyssenkrupp damit nicht anders als anderen Stahlunternehmen, trotzdem zeigten sich die Investoren überrascht vom Ausmaß der Prognosesenkung. Die Aktie rutschte am Dienstag zeitweise um mehr als fünf Prozent, bevor sie sich wieder ein wenig berappelte.

Vorstandschef Heinrich Hiesinger erwartet, dass sich die Werkstoffpreise erholen werden. „Diese Erholung kommt aber später als ursprünglich erwartet, von einem niedrigeren Niveau und wird sich zusätzlich erst zeitversetzt in unseren Kennzahlen widerspiegeln“, sagte er. Bis zu einem halben Jahr kann das dauern.

Apple: Beteiligung an Uber-Konkurrent Didi

App des Fahrdienstes Didi
Das Geschäftsmodell des Fahrdienstes Didi Chuxing funktioniert genauso wie das von Uber – Foto: Getty Images

Apple will dem Fahrdienst Uber Konkurrenz machen. Mit 1 Mrd. Dollar steigt der iPhone-Hersteller bei Didi Chuxing ein, der chinesischen Uber-Variante. Die Investition gebe Apple die Möglichkeit, mehr über bestimmte Bereiche des chinesischen Marktes zu erfahren, sagte Konzernchef Tim Cook. „Wir sehen eine Menge Möglichkeiten für eine engere Kooperation zwischen beiden Firmen.“

Das chinesische Start-up wird nach der letzten Finanzierungsrunde mit 20 Mrd. Dollar bewertet. Geld hat es aber noch nicht verdient. Didi Chuxing und Uber liefern sich in China einen harten Konkurrenzkampf um den Markt für Fahrdienste. Das einheimische Unternehmen hat dabei die Nase vorn. Genau wie Uber kann man auch bei Didi Chuxing über eine App ein Auto mit Fahrer bestellen.

Für Apple markiert die Investition einen Strategiewechsel. Anders als etwa Alphabet (vormals Google) hatte der IT-Konzern bislang eine Aversion gegen Investitionen in Start-ups. Analysten sehen in dem Schritt auch einen weiteren Hinweis auf Apples Pläne mit Autos und dem vernetzten Verkehr.