ExklusivGeneration Y goes business

Ein Geschäftsmann steht an einem Fenster und telefoniert
Reichtum ist für die junge Unternehmergeneration nicht mehr die Hauptantriebskraft
© Getty Images

Der eigene Boss sein und viel Geld verdienen – nach landläufiger Meinung beflügeln vor allem diese beiden Motive Menschen, zu Unternehmern zu werden. Doch diese Vorstellung ist zunehmend überholt. Das ist das Ergebnis einer Studie der Bank HSBC, die Capital exklusiv vorliegt. Demzufolge entsteht eine neue Unternehmergeneration, die Einfluss und soziale Wirkung höher bewertet als Autonomie und Reichtum. Die Autoren sprechen von sogenannten „Millennial-Entrepreneuren“: Generation Y goes business.

Für die Studie haben die Forscher der HSBC weltweit mehr als 4000 Unternehmer in elf Nationen befragt, davon 281 in Deutschland. Als Unternehmer gilt, wer einen Mehrheitsanteil an einem Privatunternehmen hält und durch unternehmerische Tätigkeiten ein Vermögen von mindestens einer Viertelmillion Dollar aufgebaut hat. Weil die deutsche Stichprobe relativ klein ist, müssen verallgemeinernde Aussagen mit Vorsicht getroffen werden. Dennoch ergeben sich interessante Einblicke.

Immaterielle Ziele stehen im Vordergrund

Deutsche Unternehmer im Alter bis 30 Jahre verbringen pro Tag durchschnittlich etwa neun Stunden mit beruflichen Aktivitäten, bei ihren über 50-jährigen Kollegen sind es dagegen zehneinhalb Stunden. Für ihr Privatleben wenden die Jungen etwas mehr als acht Stunden auf, die Älteren nur sechseinhalb.

Der Wunsch, reich zu werden, spielt für Unternehmer hierzulande eine vergleichsweise geringe Rolle bei der Entscheidung für die Selbstständigkeit: Nur 23 Prozent nennen diesen Grund. Dabei unterscheiden sich jüngere und ältere Unternehmer in Deutschland kaum. International ist ein fast doppelt so hoher Anteil, nämlich 43 Prozent, von der Aussicht auf Reichtum motiviert.

Die jungen deutschen Unternehmer verfolgen dagegen eher immaterielle Ziele: 18 Prozent der unter 30-Jährigen wollen durch ihr Unternehmertum „mehr Einfluss nehmen“ (Ältere: neun Prozent). 37 Prozent wollen „das Beste für ihre Familie erreichen“ (Ältere: 31 Prozent) und 23 Prozent wollen „ihr Umfeld inspirieren“ (Ältere: 13 Prozent). In der Tendenz zeigt die Studie ähnliche Ergebnisse für Jungunternehmer aus den USA.

Asiatische Unternehmer ticken anders

Die HSBC-Studie spricht von einer neuen Kultur des „working smart, not hard“. Was gut für die Work-Life-Balance sein mag, wirft allerdings eine Frage auf: „Werden die Unternehmen der Millennial-Entrepreneure in der Zukunft eine vergleichbare wirtschaftliche Wirkung entfalten wie jene der Unternehmer in ihren 40ern und 50ern?“, formulieren es die Autoren.

Zumal der Trend nicht auf allen Kontinenten in dieselbe Richtung zeigt: Jungunternehmer aus der Asien-Pazifik-Region zeigen nicht nur eine viel stärkere Orientierung auf die Vermögensbildung (45 Prozent der Befragten), sondern verbringen auch mehr Zeit in ihrem Unternehmen: pro Tag fast anderthalb Stunden mehr als die asiatischen über 50-Jährigen.

Newsletter: „Capital- Die Woche“

Jeden Freitag lassen wir in unserem Newsletter „Capital – Die Woche“ für Sie die letzten sieben Tage aus Capital-Sicht Revue passieren. Sie finden in unserem Newsletter ausgewählte Kolumnen, Geldanlagetipps und Artikel von unserer Webseite, die wir für Sie zusammenstellen. „Capital – Die Woche“ können Sie hier bestellen: