Gehaltsatlas Einkommen: So groß ist das Gehaltsgefälle in Deutschland

Symbolbild Gehaltimago images / Jens Schicke

Durchschnittlich 43.200 Euro verdienen deutsche Arbeitnehmer pro Jahr im Median, das hat das Gehaltssportal Gehalt.de in seinem „Gehaltsatlas 2021“ ermittelt. Branche, Wohnort und Unternehmensgröße sind entscheidende Faktoren dafür, wie viel Mitarbeiter in der gleichen Position verdienen können. Je nach Standort liegen die Jahreseinkommen  um bis zu 19.000 Euro auseinander, bei einem kleinen Betrieb und einem Großkonzern sind die Unterschiede sogar noch höher.

Für den „Gehaltsatlas 2021“ hat Gehalt.de die Daten von 220.502 Arbeitnehmern von Januar bis Dezember 2020 ausgewertet. Bei sieben Prozent handelte es sich um Führungskräfte.

Baden-Württemberg zahlt am meisten

Baden-Württemberg liegt im Gehältervergleich ganz vorn. Mit einem Median-Einkommen von 46.600 Euro im Jahr rangiert das Bundesland fast acht Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Bei den Führungskräften nimmt dagegen Hessen mit einem Median-Einkommen von 100.378 Euro den ersten Platz ein. Das Gehalt von Führungskräften liegt in Hessen von 5,5 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Schlusslicht ist Mecklenburg-Vorpommern. Führungskräfte verdienen hier rund ein Fünftel weniger als der Durchschnittswert, Arbeitnehmer ohne Personalverantwortung sogar 22 Prozent weniger.

obs/Gehalt.de/Quelle: Gehalt.de

In den Landeshauptstädten liegt das Jahreseinkommen in den meisten Fällen etwas höher als im gesamten Bundesland. Auch hier landet Stuttgart mit einem Median-Einkommen von 54.012 Euro pro Jahr an der Spitze. Auf Platz zwei folgt München mit 53.662 Euro. In Schwerin verdienen Arbeitnehmer dagegen 34.500 Euro im Jahr – und damit fast mehr als 19.000 Euro weniger als in den südlichen Landeshauptstädten.

Auch bei Berufseinsteigern bestätigt sich das Gehaltsgefälle: In ihren ersten zwei Berufsjahren verdienen Akademiker in Baden-Württemberg rund 52.100 Euro jährlich. Nach der Lehre sind es 32.700 Euro. In Mecklenburg Vorpommern kommen Akademiker dagegen auf ein Jahreseinkommen, das fast ein Drittel unter dem liegt, was ein Hochschulabsolvent im Südwesten mit nach Hause nehmen kann. Nach einer Lehre verdienen Arbeitnehmer in Mecklenburg-Vorpommern durchschnittlich mehr als ein Viertel weniger.

Lohnt sich deshalb aber in jedem Fall ein Umzug? „Vor einem berufsbedingten Umzug sollten Beschäftigte auch immer die Lebenshaltungskosten einkalkulieren. In Stuttgart sind die Gehälter zwar am lukrativsten, aber auch die Mieten deutlich höher als im Bundesdurchschnitt“, sagt Philip Bierbach, Geschäftsführer von Gehalt.de.

Je größer das Unternehmen, desto höher das Gehalt

Noch stärker als der Firmenstandort beeinflusst die Unternehmensgröße das Gehalt. Unabhängig vom Bundesland verdienen Mitarbeiter mit gleicher Position bei Unternehmen mit 5000 Mitarbeitern fast doppelt so viel wie bei Firmen mit unter 20 Beschäftigten. „Beschäftigte in großen Unternehmen werden oft nach Tarif bezahlt, weshalb das Gehaltsniveau hier höher ist“, sagt Bierbach. „Allerdings geht der Wechsel in einen großen Konzern auch mit erhöhtem Konkurrenzdruck einher. Lange Bewerbungsphasen mit mehreren Tests und Gesprächen sind nicht selten.“

Der Branchenvergleich zeigt: Die höchsten Gehälter winken Chef- und Oberärzten mit einem Jahreseinkommen zwischen 121.700 und 196.300 Euro. Deutlich abgeschlagen kommen auf Platz zwei mit 94.800 Euro im Jahr leitende Positionen im Vertrieb und Verkauf von Investitionsgütern.

Im Branchenvergleich machen sich auch die Corona-Pandemie und ihre Folgen bemerkbar. Zu den Top-Branchen zählte in 2020 die Biotechnologie mit einem Jahresgehalt von 67.500 Euro. Direkt danach folgt die Industrie für Produktionsgüter (Median-Jahreseinkommen von 66.600 Euro) und für Halbleiter (Median-Jahreseinkommen von 65.600 Euro).

Die Branchen, die am stärksten von der Corona-Pandemie betroffen waren, zählten dagegen zu den Schlusslichtern des Rankings. In der Touristik lag das Median-Jahreseinkommen bei 34.600 Euro, bei Hotels- und Gaststätten sogar nur bei knapp 29.000 Euro – der niedrigste Wert im Branchenvergleich. Auch die systemrelevanten Berufe im Lebensmitteleinzelhandel sind nicht gut dotiert. Mit einem Median-Jahreseinkommen von 31.212 Euro haben sie das drittniedrigste Einkommen im Branchenvergleich.

Inwiefern die Gehaltsentwicklung künftig unter dem wirtschaftlichen Tief leiden werde, wird sich 2021 zeigen, erwartet Bierbach. „Wir gehen derzeit davon aus, dass sich der Arbeitsmarkt – vor allem die stark betroffenen Branchen – ab dem Spätsommer 2021 von der Corona-Krise langsam erholen werden.“

 


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