GastbeitragFrohes Schaffen heute: Hohn oder Haltung?

Für erfolgreiches Management nach der Corona-Krise bedarf es neuer Perspektiven für Manager
Für erfolgreiches Management nach der Corona-Krise bedarf es neuer Perspektivenimago images / Shotshop

„Frohes Schaffen!“, so hat sich mein Opa gewöhnlich verabschiedet. Nicht mit „Tschüss!“, wie es in meiner niedersächsischen Heimat üblich ist. Sondern mit „Frohes Schaffen!“ Und er meinte das nicht ironisch, sondern fröhlich und ernst zugleich.

Vielleicht geht es Ihnen auch so wie vielen Unternehmern heute: Denen klingt der Gruß eher wie ein Hohn angesichts der schwierigen Lage, in der sie sich befinden. Aber ich will Ihnen sagen, warum darin vielmehr eine Haltung steckt. Eine Haltung, die Unternehmen erfolgreich, Unternehmer zufrieden und unsere Gesellschaft großartig macht.

Unternehmer: Tut euren Job!

Was ist der Job eines Unternehmers? Sich seiner Unternehmer-Rolle bewusst zu sein und diese zu leben. Aber das tun viele Unternehmer nicht. Stattdessen arbeiten sie als Manager und Fachkraft in ihrem Betrieb, machen also oft den Job eines Angestellten. Nur eben in einer Firma, die ihnen gehört, und mit extrem viel mehr Verantwortung und Risiko.

Den meisten ist das nicht bewusst. Viele Unternehmer spüren das nur indirekt, weil sie in ihrem Job einfach nicht glücklich sind. Und was macht sie unglücklich? Dass sie nicht den Job machen, den sie ursprünglich machen wollten. Das ist nicht nur schlecht für sie selbst, sondern auch für ihre Mitarbeiter, am Ende auch für die Kunden und für das ganze Unternehmen.

Jeder Unternehmer läuft Gefahr, sein eigenes Unternehmer kaputt zu machen, wenn es ihm nicht gelingt, sich aus dem Hamsterrad des operativen Geschäfts zu befreien: Und das zu leben, für das er als Unternehmer angetreten ist.

Deswegen sollten Unternehmer ihren Job tun und sich um ihr ureigenes Produkt kümmern…

Was ist Ihr Produkt?

Wir Unternehmer haben nur ein Produkt: unser eigenes Unternehmen. Dieses Unternehmen gilt es zu gestalten. Das ist der Kern der Unternehmer-Rolle: die Zukunft des Unternehmens formen, sich strategische Fragen stellen und versuchen, diese zu beantworten.

Wo soll die Reise hingehen? Das ist eine Frage, die Sie für Ihr Unternehmen nicht beantworten können, solange Sie nur die operative Brille aufhaben. Versuchen Sie, Zukunftsfragen rein aus dieser Sicht zu beantworten, können Sie vielleicht dafür sorgen, dass Sie für eine gewisse Zeit halbwegs auf sicherem Kurs unterwegs sind. Aber wohin dieser Kurs führen soll, das Ziel der Reise Ihres Unternehmens, werden Sie so nicht sehen.

 


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Dafür brauchen Sie eine Vision für Ihr Unternehmen. Zu Ihrer Unternehmer-Rolle gehört also das Leben eines Vordenkers. Ohne diese Vision werden Sie Ihrer Verantwortung für sich selbst, für Ihre Familie, Ihr Unternehmen, Ihre Mitarbeiter nicht gerecht werden können. Es wird Ihnen nicht gelingen, ein Unternehmen zu gestalten, dass Ihnen persönlich Freude bringt und langfristig erfolgreich ist. Dann wird der Gruß „Frohes Schaffen“ wirklich zum Hohn.

Mehr als Wohlstand

Klar: Ohne Moos nichts los, aber was im Kern unseres gemeinsamen Wirtschaftens und Zusammenlebens steckt, ist der Wunsch nach Lebensqualität.

Deswegen macht ein Unternehmer dann seinen Job, wenn er ihn mit Freude macht. Er hat erkannt, dass seine Firma nicht nur dafür da ist, den Kundennutzen zu befriedigen, sondern auch für den eigenen Nutzen. Er ist kein Sklave seines eigenen Unternehmens, sondern gestaltet es aus freien Stücken. Sein Leben macht Sinn. Sein Unternehmen ermöglicht ihm Lebensqualität. Und diese ist mehr als Wohlstand.