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Frauennetzwerk „Wir bringen verschiedene Netzwerke zusammen“

Frederike Probert, Gründerin und Geschäftsführerin des Frauennetzwerks Mission Female
Frederike Probert, Gründerin und Geschäftsführerin des Frauennetzwerks Mission Female
© PR
Wer jetzt noch kein Netzwerk hat, der baue sich eins. Frederike Probert hat erst vor drei Jahren das Frauennetzwerk Mission Female gegründet: mit 100 Teilnehmerinnen, die 5000 Euro Jahresgebühr zahlen. Sie sucht den Anschluss an andere Netzwerke, um den Austausch zu verbessern – auch mit Männern

Capital: Frau Probert, Sie haben 2019 das Frauen-Netzwerk Mission Female gegründet. Warum braucht es das noch neben den zahlreichen bestehenden Netzwerken wie Generation CEO oder Fidar?

FREDERIKE PROBERT: Wir brauchen jede Initiative, die für mehr Sichtbarkeit nach außen und für mehr Veränderung sorgt. Alle Netzwerke sollten ihre Themen und Ziele gut herausarbeiten. So konzentriert sich beispielsweise Fidar darauf, mehr Frauen in Aufsichtsräte zu bringen und arbeitet gezielt und intensiv daran, die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen entsprechend zu verändern. Generation CEO wiederum hat seine Stärke darin, seine Mitglieder für entsprechende Mandate zu vermitteln. Bei uns stehen Aufsichtsratsbesetzungen zwar auch weit oben auf der Agenda. Aber wir bieten unseren Mitgliedern eher die praktische Unterstützung, um sich für solche Mandate durch Erfahrungsaustausch mit Experten, durch Seminare und Zertifizierungsangebote zu positionieren. Das ist aber nur eins von vielen Themen, zu denen wir jährlich rund 100 Workshops anbieten. So hat jedes Netzwerk seinen Fokus. Es ist nur wichtig, dass wir uns untereinander gut abgrenzen, absprechen und idealerweise ergänzen.

Gibt es denn solche Absprachen zwischen den Netzwerken?

Wir kennen uns untereinander sehr gut. Und mir ist es ein besonderes Anliegen, herauszufinden, wo wir uns überschneiden und ergänzen. Wir sehen uns bei Mission Female als Hauptinitiator, um Veranstaltungen verschiedener Netzwerke zusammenbringen.

Ist diese Kooperation auf Frauen-Netzwerke beschränkt?

Unser Motto ist „stronger together“. Deshalb binden wir auch Männer bei uns ein. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir Gleichberechtigung nur gemeinsam voranbringen. Bei Veranstaltungen wie unserer großen X-Change-Konferenz, die Ende Juni in Hamburg stattgefunden hat, haben wir die zahlreichen Podien zu 50 Prozent mit Männern besetzt. Und wir holen sie auch als Experten in die zahlreichen Workshops, die wir regelmäßig anbieten. Wir wollen ihre Tipps und Tricks erfahren, um weiter zu kommen. Wenn wir nicht gegeneinander arbeiten, sondern miteinander, kommen wir deutlich schneller voran.

Was lernen Sie von den Männern?

Ich schaue mir die Organisationsstrukturen sehr genau an: wie sind Aufnahmekriterien, wie sind die Teilnahmeregeln, welche Treffen und Kontakte finden statt. Ich halte auch in tradierten Männer-Netzwerken wie Rotary oder Lions Club Vorträge und sage: „Hallo, hier sind hochkarätige, großartige, engagierte Frauen. Was können wir zusammen machen?“ Das kommt sehr gut an. Denn die meisten Männer-Netzwerke, wollen nicht mehr hermetisch abgeschlossen sein. Viele wissen aber gar nicht, wie sie an Frauen rankommen können.

Mission Female ist ein kommerzielles Netzwerk mit zahlreichen Sponsoren. Warum verlangen Sie zusätzlich von jedem Mitglied einen Jahresbeitrag von 5000 Euro?

Wir bieten unseren 100 Teilnehmerinnen ein umfangreiches Programm mit vielfältigen Workshops von den genannten Aufsichtsrats-Seminaren bis zum professionellen Medien-Training, mit prominent besetzten Dinner-Veranstaltungen und mehrtägigen Offsite-Programmen. Das organisiere ich mit einem Team von 15 Mitarbeitern. Diese Art von Female Empowerment ist keine Charity Veranstaltung.

Und was erwarten Sie von Ihren Mitgliedern außer den jährlichen Beiträgen? Wie viel Zeit und Engagement sollte jede Frau einbringen?

Die Bereitschaft, Zeit zu investieren hat oberste Priorität. Ich habe nichts davon, nur eine Liste von Topmanagerinnen zu pflegen, die sich aber nicht persönlich einbringen. Ich brauche aktive Mitglieder, die bereit sind, ihr Wissen und ihre Erfahrungen persönlich, verbindlich und vertraulich in Gesprächen und Vorträgen weiterzugeben. Davon lebt unser Netzwerk. Ich weiß, dass alle Terminkalender bereits randvoll sind. Aber ich brauche die verbindliche Zusage von jedem Mitglied, Zeit zu investieren. Das gehört zu unseren Aufnahmebedingungen. Ansonsten macht Netzwerken keinen Sinn.

Können Sie das konkretisieren? Wie viel Einsatz verlangen Sie?

Da gibt es keine pauschale Vorgabe. Das Engagement kann sehr unterschiedlich ausfallen: von der Teilnahme an Veranstaltungen, bis zur Organisation oder Präsentation eigener Themen, von der Gremienarbeit im Netzwerk bis zum Mentorship für jüngere Mitglieder. Als Faustformel gilt, das jede Frau im Schnitt mindestens drei bis fünf Stunden Zeit im Monat für Mission Female investieren sollte. Ausnahmen gibt es immer, wenn gerade heiße Projektphasen im Job anstehen oder persönliche Veränderungen. Aber innerhalb eines Jahres sollten man schon sichtbar engagiert sein.

Warum nehmen Sie nur 100 Frauen in Ihrem Netzwerk auf?

Drei Jahre nach der Gründung sind wir nun bereits bei 100 Mitgliedern. 80 Prozent der Frauen haben ihren Vertrag verlängert. Es gibt eine Reihe weiterer potentieller Kandidatinnen. Aber wir wollen ganz bewusst nicht größer werden, um weiterhin diesen persönlichen, loyalen und verbindlichen Austausch garantieren zu können. Wir ergänzen uns alle untereinander sehr gut auf der fachlichen wie auf der persönlichen Ebene. Das ist ein stabiles Netzwerk, so wie ich es mir wünsche.


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