ThemaFalling Walls – Durchblick für immer

Mikael Tottermann
Mikael Tottermann
© Clerio Vision

Wenn aus Wissenschaft Wirtschaft wird: Am 8. November treten in Berlin Science-Start-ups aus der ganzen Welt gegeneinander an. Im Rahmen der Falling Walls Konferenz wird das beste von über 20 nominierten Wissenschafts-Start-ups ausgewählt – und könnte mit seiner Idee neue Märkte erobern. Capital stellt einige der Kandidaten im Vorfeld der Veranstaltung Falling Walls Venture vor. Heute: Mikael Totterman vom amerikanischen Start-up Clerio Vision.

1. Bitte beschreiben Sie Ihren Durchbruch in einem Satz. 

Unsere Laser-gestützte Technik ermöglicht es, die Sehstärke der Augenhornhaut aber auch der Materialien, die für Kontaktlinsen genutzt werden, zu korrigieren – und das ganz ohne Einschnitte oder Abtragungen.

2. Wie kamen Sie darauf?

Die Technik, die wir LIRIC nennen – eine Abkürzung für Laser-Induced Refractive Index Change – wurde an der Universität Rochester im US-Bundesstaat New York entwickelt. Acht Jahre Forschungsarbeit wurden durch den Kontaktlinsenhersteller Bausch & Lomb gefördert. Die ursprüngliche Idee hatten Dr. Knox, Dr. Huxlin und Dr. MacRae, die von zwei unterschiedlichen Instituten der Augenforschung kamen. Sie gingen von der Annahme aus, dass man mit einem Laser die Eigenschaften der menschlichen Augenhornhaut und anderer optischer Materialien verändern kann.

3. Welcher Wirtschaftszweig wird durch Ihre Idee aufgebrochen?

Sie hat das Potenzial, mehrere Teilmärkte der Augenheilkunde aufzumischen. Im Gegensatz zu Kontaktlinsen oder Brillen können wir mit LIRIC ohne physischen Eingriff das Sehvermögen jederzeit korrigieren. Wir vermeiden dabei medizinische Einschnitte, die Schmerzen, Entzündungen oder eine längere Wundheilung zur Folge haben können. Das ist auch deshalb von Vorteil, weil sich die Sehstärke einzelner Patienten im Laufe des Lebens verändern kann. Mit unserer Technik können wir mehrmals korrigierend eingreifen, ohne dass dies unangenehme Folgen hätte.

4. Inwieweit macht Ihre Idee die Welt besser?

Sehprobleme sind kein rein medizinisches Problem, sie haben Folgen für die Wirtschaft, das Bildungssystem und die Gesellschaft im Allgemeinen. Es wird geschätzt, dass weltweit ein Drittel der arbeitsfähigen Bevölkerung Sehschwächen hat, die nicht erkannt oder behandelt werden – was einen Produktivitätsverlust von 269 Mrd. Dollar zur Folge hat.  Sehprobleme wirken sich darauf aus, wie gut Schulkinder und Studenten lernen und sie spielen bei fast 60 Prozent der Verkehrsunfälle eine Rolle. Bisherige Lösungen wie Brillen, Kontaktlinsen oder Laser-Operationen haben alle ihre Nachteile. Unser Verfahren kann durch seine nicht-invasive Methode den Markt revolutionieren.

5. Welche Schritte stehen Ihrem Start-up jetzt noch bevor?

Wir durchlaufen derzeit eine Reihe von Tests, bei denen es um Sicherheit und mögliche toxische Effekte geht. Insgesamt muss die Technik noch optimiert werden. Bisher konnten wir in Tierversuchen und Ex-Vivo-Testreihen an menschlicher Augenhornhaut zeigen, dass das Verfahren sichere und stabile Ergebnisse liefert. Mit den ersten Testreihen unter Beteiligung von Versuchspersonen beginnen wir im Jahr 2016.