Meine erste MillionFälscher-Ehepaar Beltracchi: „Wir hatten kein schlechtes Gewissen“

Das wohl bekannteste Kunstfälscherpaar der Geschichte: Wolfgang und Helene BeltracchiIMAGO / STAR-MEDIA

Heinrich Campendonk, Max Ernst, Max Pechstein – sie alle haben eines gemeinsam: Sie fielen dem Talent von Wolfgang Beltracchi zum Opfer. Er malte Bilder, wie die Künstler sie selbst hätten malen können und fälschte deren Signatur. Gemeinsam mit seiner Frau Helene schleuste er etwa 300 Werke in den Kunstmarkt ein und täuschte Experten, Auktionshäuser und Galerien, bis die beiden 2011 schließlich verurteilt wurden. Damit gehören die Beltracchis zu den wohl berüchtigtsten Kunstfälscherpaaren der Geschichte.

Im Podcast „Meine erste Million“ erzählt das ehemalige Betrügerpaar Moderatorin Ronja von Rönne, wie sie das ganze anstellten: Für die Gemälde der bekannten Künstler kaufte Wolfgang Beltracchi alte Flohmarktbilder, übermalte und bügelte sie, damit sie älter aussahen. Zuletzt habe er noch Staub über die Bilder gelegt, erinnert er sich. Immer das gleiche zu machen gehe für ihn nicht, sagt Beltracchi. Das langweile ihn. Bei den neuen „alten“ Bildern hingegen müsse man genau wissen, wie die Farbe unter dem Mikroskop aussehe. „Du musst immer einen Schritt voraus sein“, sagt Beltracchi.

Malen könne er alles, was er sich vorstelle: „Ich habe es gelernt.“ Beltracchi kommt aus einer Künstlerfamilie. Bereits im Teenager-Alter half er bei seinem Vater, einem Kirchenmaler und Restaurator, aus. Seine Frau Helene studierte BWL. Später holte sie für die Gemälde ihres Mannes die Gutachten ein. Ein guter Freund der beiden, Otto Schulte-Kellinghaus, verkaufte sie anschließend an Auktionshäuser und Galerien.

Endlose Nachfrage

Die verkauften Bilder stammten alle aus der vermeintlichen Familiensammlung von Helenes Großvater. Dabei hätten sich die beiden kunstgeschichtliche Lücken zunutze gemacht. „Du hast eine Nachfrage für ein Produkt, das nur du herstellen kannst. Und die Nachfrage ist endlos“, erzählt Helene Beltracchi im Podcast. Eine erste Million hätte es so immer mal wieder gegeben. „Das hat man so gar nicht wahrgenommen“, erinnert sich Wolfgang Beltracchi. „Geld ist für mich ein notwendiges Übel.“

Die erste Fälschung fertigte er 1972 an – 20 Jahre, bevor er seine Frau kennenlernte. Sie erinnert sich an den Moment, in dem sie erfuhr, womit ihr Mann sein Geld verdiente: „Die Idee fand ich unglaublich faszinierend. Ich konnte zuerst auch nicht glauben, dass das funktioniert.“ Schließlich würde man mit solchen Kunstwerken zu den besten Spezialisten gehen, um ihre Echtheit zu bestätigen.

Die Wut dieser Experten über die gelungene Täuschung könne Wolfgang Beltracchi „gut verstehen“, sagt er. „Aber das liegt nicht an mir.“ Stattdessen hätten einige sich selbst überschätzt. Ob sie beim Handel mit den Fälschungen ein schlechtes Gewissen hatten? „Das hatten wir nicht“, sagt das Paar fast aus einem Mund. Denn sie hätten nicht an Privatpersonen, sondern an Auktionshäuser und Gesellschaften verkauft, die ohnehin Milliardenumsätze gemacht hätten.

20 Mio. Euro Schulden

Tatsächlich könne man nicht von Fälschungen sprechen, denn die Gemälde an sich seien keine Kopien von Originalen. Jahrelang habe Beltracchi keines seiner Bilder signiert, dann erst handle es sich nämlich um Urkundenfälschung. „Irgendwann machst du doch eine Unterschrift. Dafür bin ich verurteilt worden: nicht für die Bilder, sondern für die Unterschrift.“

Schlussendlich landete das Paar 14 Monate lang in Untersuchungshaft. Helene wurde für vier und Wolfgang Beltracchi für sechs Jahre im offenen Vollzug verurteilt. In der Zeit konnten die beiden zumindest noch im Atelier arbeiten. Beiläufig erwähnt Wolfgang Beltracchi die 20 Mio. Euro Schulden, die sie zu der Zeit hatten: „Ach so, ja, das habe ich vergessen.“

Wie sich die Beltracchis mit knapp 15 Euro in der Tasche ihr Leben nach der Gefängnisstrafe aufbauten, was für die beiden der größte Luxus ist und warum Wolfgang Beltracchi mit dem Imitieren anderer Künstler überhaupt begann, erzählt das Paar in der fünften Folge von „Meine erste Million“.


Die legendäre Capital-Interviewserie „Meine erste Million“ gibt es mittlerweile auch als Podcast. Die zweite Staffel erscheint seit dem 20. April wöchentlich am Dienstag. Die gesamte Staffel mit 12 Folgen kostet 9,95 Euro. Für Audible-Abonnenten ist sie kostenlos. Auf Capital+ können Sie sich die einzelnen Folgen ebenfalls kostenlos anhören. Gäste der neuen Staffel sind unter anderem Harald Christ, Claudia Obert, Hamid Djadda, die Beltracchis, Madame Moneypenny und Benjamin von Stuckrad-Barre.

Hören Sie hier den Trailer zum Podcast: