ManagerElon Musk hat keine Zeit für Work-Life-Balance

Bis zur totalen Erschöpfung: Tesla-Chef Elon Musk
Bis zur totalen Erschöpfung: Tesla-Chef Elon Muskdpa

Elon Musk braucht dringend Urlaub. Dem würde wohl selbst der Ausnahmeunternehmer nicht widersprechen. Aber für ihn gibt es Wichtigeres als eine schöne Work-Life-Balance. Die Welt mit Unternehmen wie Paypal und Space X verändern, zum Beispiel. Oder gerade auch ziemlich dringend: Tesla retten. Da konnte Musk den guten Rat von Arianna Huffington wirklich nicht gebrauchen.

Die Pionierin des Online-Journalismus und bekehrte Work-Life-Balancerin forderte ihren erschöpften Freund in einem offenen Brief auf, mehr zu schlafen und sich wieder stärker mit sich selbst in Einklang zu bringen – auch zum Wohle von Tesla, seiner Kinder und der ganzen Welt. „Menschen sind keine Maschinen“, mahnte die Gründerin der „Huffington Post“ und zitierte damit ein Credo der Verfechter eines gesunden Gleichgewichts zwischen Arbeit und Privatleben. Musk konnte es nicht mehr hören.

Elon Musk hat keine Zeit für Work-Life-Balance

Ford und Tesla hätten als einzige US-Autobauer bislang den Bankrott verhindert, twitterte er am frühen Morgen seine Antwort an Huffington. „Ich bin gerade von der Fabrik nach Hause gekommen. Du glaubst, es gäbe Alternativen. Gibt es nicht.“

Allerdings weiß auch Musk, dass sein aktueller Arbeitsrhythmus mörderisch ist. Wie er nach dem verhängnisvollen Tweet zur Privatisierung von Tesla der „New York Times“ sagte, hatte er in der vergangenen Zeit bis zu 17 Stunden täglich, sieben Tage die Woche gearbeitet. Musk leidet zudem unter Schlafproblemen und kam selbst in guten Zeiten selten auf mehr als sechs Stunden Bettruhe.

Ist Work-Life-Balance ein Irrglaube?

Doch auch ohne den Stress bei der Produktion des Model 3, mit dem der Elektroautohersteller den Massenmarkt erobern will, dürfte Musk eher wenig von Work-Life-Balance halten. Seine letzte längere Auszeit? 2001, als er wegen Malaria mehr als eine Woche das Bett hüten musste.

Selbst weniger geniale oder von der Arbeit besessene Menschen können häufig wenig mit dem so viel beschworenen Wellbeing-Begriff anfangen. Ein Grund: Er impliziert, dass Job und Privatleben klar voneinander abtrennbare Gegensätze sind, die sorgfältig austariert werden müssen, weil ansonsten alles aus den Fugen gerät.

Jeff Bezos ist ein großer Freund von Ausspannen und Auftanken, aber weniger von Work-Life-Balance. Er verwende lieber den Begriff „Harmonie“, sagte der Amazon-Gründer „Thrive Global“, „denn ‚Balance‘ impliziert einen starren Austausch.“

Work-Life-Harmony bedeutet für Bezos unter anderem ausreichende Nachtruhe. „Acht Stunden Schlaf machen für mich einen großen Unterschied und ich gebe mir große Mühe, das für mich als Priorität zu behandeln“, sagte der laut „Forbes“ aktuell reichste Mensch der Welt. „Wer beim Schlaf mogelt, mag einige extra ‚produktive‘ Stunden bekommen, aber diese Produktivität ist womöglich eine Illusion“, warnte Bezos. Bei Entscheidungen und zwischenmenschlichen Interaktionen sei Qualität meist wichtiger als Quantität.