WochenrückblickBlackberry gibt den Blackberry auf

Blackberry: Ende einer Legende

Eine Frau telefoniert mit einem Blackberry
Mit einem Blackberry kann man auch künftig telefonieren, die Marke wird aber lizensiert – Foto: dpa

„Blackberry ist keine Smartphone-Marke mehr.“ Mit diesen Worten verkündete Unternehmenschef John Chen das Ende von Blackberry als Hersteller von Smartphones. Der kanadische Konzern will sich künftig auf Software und Dienstleistungen konzentrieren. Smartphones der Marke Blackberry ausgestattet mit der Software der Kanadier soll es aber weiterhin geben. Entwicklung und Produktion übernimmt die indonesische Firma PT Tiphone Mobile Indonesia.

Mit dem Schritt zieht Blackberry einen Schlussstrich unter eine bewegte Geschichte. Auf dem Höhepunkt 2008 war jedes fünfte verkaufte Smartphone ein Blackberry-Gerät. Die Marke war vor allem bei Führungskräften beliebt und galt ein paar Jahre als beliebtes Statussymbol. Gegen die Konkurrenz von Apple, Samsung und anderen Herstellern war das kanadische Unternehmen dann machtlos. Verkaufszahlen und Marktanteil schrumpften rasant. Laut dem Marktforschungsunternehmen Gartner kommt Blackberry gerade noch auf einen Marktanteil von 0,1 Prozent.

Infografik: Aufstieg und Fall von BlackBerry | Statista
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Alle Rettungsversuche waren vergeblich. Zuletzt stattete das Unternehmen ein Blackberry-Smartphone mit dem Betriebssystem Android von Google aus. Auch das half nichts mehr. Fans fragten sich, warum sie ein Gerät kaufen sollten, das eines seiner Alleinstellungsmerkmale verloren hatte. Die Blackberry-Software gilt als besonders sicher.

Während die verbliebenen Fans nach der Ausstiegsankündigung Trauer trugen, machte die Blackberry-Aktie einen Sprung nach oben. „Wir erreichen mit unserer Strategie einen Wendepunkt“, sagte Chan. Der Software-Umsatz habe sich im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt.

Commerzbank: Neue Strategie kostet Jobs

Commerzbank-Chef Zielke bei der Pressekonferenz am 30.9.2016
Roter Alarm! Commerzbank-Chef Zielke verkündet harte Einschnitte – Foto: Getty Images

Als Martin Blessing im Frühjahr den Chefposten bei der Commerzbank an seinen Nachfolger Martin Zielke übergab, erweckte er den Eindruck, ihm ein gesundes Unternehmen zu hinterlassen. Zum Abschied gab es einen Milliardengewinn und für die Aktionäre nach langer Durststrecke wieder eine Dividende von 20 Cent je Anteilsschein. Capital-Kolumnist Bernd Ziesemer sprach damals von einer Abschiedsfalle: „Auf die grandiosen Abschiedszahlen des einen Chefs folgen deshalb in der Wirtschaft mit schöner Regelmäßigkeit die gruseligen Antrittszahlen des anderen Chefs.“

Er sollte Recht behalten. In dieser Woche präsentierte Zielke seine Strategie „Commerzbank 4.0“. Das klingt nach Aufbruch und Digitalisierung, der Inhalt allerdings weniger. 9600 Stellen will die Bank bis 2020 streichen. Immerhin sollen auf „Wachstumsfeldern“ auch 2300 neue Jobs entstehen. „Der Stellenabbau ist ein tiefer Einschnitt und ein schmerzhafter Prozess für die Bank und jeden Betroffenen. Er ist aber notwendig, um die Bank zukunftsfähig zu machen“, sagte Zielke.

Die Zukunft liegt für den Commerzbak-Chef in den Sparten „Privat- und Unternehmerkunden“ sowie „Firmenkunden“. Trennen will sich das Geldhaus dagegen von Geschäftsfeldern, „in denen wir für uns keine Zukunft sehen“. Betroffen ist vor allem das Investmentbanking. Durch den Umbau will die Commerzbank Kosteneinsparungen von 1,1 Mrd. Euro erzielen. Zunächst verursachen Umstrukturierung und Jobabbau aber Kosten. 2017 und 2018 seien Übergangsjahre, die durch eine niedrige Rentabilität gekennzeichnet seien, sagte Finanzvorstand Stephan Engels. Erst 2019 soll es wieder aufwärts gehen. Für die Aktionäre heißt das: vorerst keine Dividende.

Und „4.0“? Die Bank will bis 2020 in Deutschland zwei Millionen Neukunden gewinnen. „Insbesondere der weitere Ausbau der digitalen Multikanalbank und innovative Produkte wie eine neue digitale Ratenkreditplattform und ein digitales Asset Management inklusive Robo-Advising sollen das Wachstum vorantreiben“, heißt es in einer Mitteilung der Bank. Und auch ihr Filialnetz will das Institut weiter pflegen.

Air Berlin: tiefe Einschnitte

Air Berlin Flugzeug
Air Berlin-Flugzeug: Die Fluglinie verkleinert ihre Flotte drastisch – Foto: Air Berlin

Mit Air Berlin kündigte ein weiteres deutsches Unternehmen einen radikalen Umbau an. Die chronisch kriselnde Fluglinie will mit einem Stellenabbau und einer Verkleinerung der Flotte endlich die Trendwende schaffen. 1200 der 8600 Arbeitsplätze sollen gestrichen werden. Von den 150 Air-Berlin-Maschinen werden 35 ausgelagert und 40 an den Rivalen Lufthansa vermietet. Die Auslagerung betrifft das Touristikgeschäft.

„Als fokussierten Netzwerk-Carrier“ will Unternehmenschef Stefan Pichler Air Berlin neu aufstellen. In der Vergangenheit habe sich Air Berlin auf zu vielen Geschäftsfeldern versucht. „Die neue Air Berlin wird von einer schlankeren Unternehmensstruktur profitieren, sich auf das Langstreckengeschäft  und die ertragsstärkeren Verbindungen ab unseren beiden großen Einzugsgebieten Düsseldorf und Berlin konzentrieren“, sagte Pichler.

Die Rückendeckung des arabischen Großaktionärs Etihad Airways hat Pichler für seine Pläne. Zu finanziellen Details äußerte sich der Fluglinien-Chef nicht. Air Berlin sitzt auf einem Schuldenberg von fast 1 Mrd. Euro und konnte nur durch Finanzspritzen seines Großaktionärs über Wasser gehalten werden. „Wir erwarten, in 2018 operativ schwarze Zahlen zu schreiben“, sagte Pichler lediglich.

Opec: Lebenszeichen aus Algier

Opec-Treffen in Algier
Bei ihrem Treffen in Algier einigte sich die Opec grundsätzlich auf eine Drosselung der Fördermenge – Foto: Getty Images

Damit hatten nur wenige gerechnet. Die chronisch zerstrittene Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) hat sich tatsächlich auf eine Drosselung der Förderung geeinigt. Die Produktion soll auf 32,5 Millionen Barrel pro Tag beschränkt werden – 750.000 Barrel weniger als im August. Als das bekannt wurde, schoss der Ölpreis umgehend nach oben. Ob der Preisanstieg nachhaltig sein wird, muss sich erst noch zeigen.

Brent Crude Rohöl ICE Rolling Rohstoff

Brent Crude Rohöl ICE Rolling Rohstoff Chart

Immerhin markiert der Schritt aber einen Strategiewechsel der Organisation. Bisher war es das Ziel vor allem Saudi-Arabiens die Produktion hochzuhalten, um amerikanische Ölförderer aus dem Markt zu drängen. In den USA wird Öl und Gas vielfach mit der Fracking-Methode gefördert, was teurer ist als herkömmliche Verfahren. Doch die niedrigen Ölpreise hinterließen auch Spuren in den saudischen Staatsfinanzen.

Zunächst wird aber nichts passieren. Erst beim nächsten regulären Treffen der Opec Ende November soll die Drosselung offiziell beschlossen werden. Bis dahin müssen sich die Mitgliedsländer auf Fördermengen verständigen. Erst dann wird klar, ob sich die Erzrivalen Iran und Saudi-Arabien tatsächlich einigen können. Teheran ist nach der Aufhebung der Sanktionen an hohen Förderquoten interessiert.

Und auch Russland könnte einen möglichen Deal durchkreuzen, wenn es seine Förderung nicht drosselt. Das Land ist nicht Mitglied der Opec und hat zuletzt seine Produktion ausgeweitet.