Gründerinnen Anja Schweimer: „Man braucht ein breites Kreuz“

Anja Schweimer im Summer Camp Johannes Erb

Anja Schweimer, 31 Jahre, ist Wirtschaftsingenieurin. Nach dem Studium hat sie sechs Jahre lang bei der Unternehmensberatung Deloitte an Digitalprojekten gearbeitet. Vor gut einem Jahr ist die Münchnerin zum LKW- und Bus-Hersteller MAN gewechselt und arbeitet dort als Product Owner Sales. Derzeit gründet sie zusammen mit ihrem Partner ein Start-up, das an einer Online-Plattform für Mieter arbeitet. Anja ist eine von 20 Kandidatinnen, die für das Grace – Accelerate Female Entrepreneurship ausgewählt wurde. In diesem neuen Förderprogramm, das die Berliner Strategieagentur Ignore Gravity initiiert hat, bekommen Gründerinnen, die ein digitales Start-up gründen wollen zwei Wochen lang ein intensives Coachingprogramm mit zahlreichen Mentoren.

Anja, was ist das für ein Job, den Du als Product Owner Sales bei MAN machst?

Ich gehöre zum House of Digital, dem Innovationsteam bei MAN. Für jedes Produkt, das wir entwickeln, gibt es eine Person, die dafür die Verantwortung trägt, den ganzen Prozess begleitet, das Produkt vorantreibt und gegen alle Widrigkeiten verteidigt. Dafür braucht man ein extrem breites Kreuz.

Für welches Produkt machst Du Dich stark?

Ich bin für ein neues Angebotstool für den MAN-Vertrieb zuständig. Ich muss verstehen, was die Verkaufsmannschaft braucht, um ihre Modelle in den Markt zu bringen.

Warum feilst Du nun an einem eigenen Start-up?

Die Teilnehmerinnen des Ada Summercamp 2018
Die Teilnehmerinnen des ersten Summer Camps von Grace Accelerate Female Entrepreneurship 2018

Ich habe viele Ideen in meinem Kopf, die immer lauter und lauter werden. Die Arbeit bei einem großen Konzern mit festen Strukturen und Aufstiegschancen gibt mir natürlich auch viele Entwicklungsmöglichkeiten und vor allem Sicherheit. Doch mich reizt die selbstständige Verwirklichung meiner eigenen Ideen und der Gedanke daran, die Welt damit zu verändern. Anfang des Jahres habe ich mit meinem Partner beschlossen, dass wir es wagen und gemeinsam gründen.

Wie haben Deine Vorgesetzten und Kollegen bei MAN darauf reagiert?

Ich habe von vornherein mit offenen Karten gespielt und auch erzählt, dass ich mich für den zweiwöchigen Gründerinnen-Wettbewerb in Berlin bewerbe. Es gab gemischte Reaktionen: Einige haben gesagt, dass sie das cool finden. Andere meinten, dass mein jetziger Job doch auch schön sei und ich meine Schaffenswut doch auch weiter im Konzern ausleben könnte.

Wie hast Du Deine Entscheidung getroffen?

Ich habe gemeinsam mit meinen Chefs nach einer Lösung gesucht. Ich arbeite nun in Teilzeit drei Tage in der Woche weiter für MAN. Der Rest der Zeit ist für unser Start-up.

Was kannst Du über Deine Geschäftsidee schon verraten?

Wir planen ein Linkedin für den Wohnungsmarkt. Bislang gibt es nur Plattformen für die Angebotsseite, wo Vermieter oder Verkäufer ihre Objekte ausstellen. Aber es gibt noch nichts, was sich an der Nachfrage orientiert, nichts was auf die Bedürfnisse der Kunden zentriertet ist. Auf unserer Plattform können Wohnungssuchende ihr Profil erstellen und sich rund um Mietthemen austauschen.

Du wohnst in München, einem der teuersten und heftigsten umkämpften Wohnungsmärkte in Deutschland. Warum sollte ein Mieter Euren Service nutzen?

Wir wollen Wohnungssuchenden helfen, sich auf dem Markt besser darzustellen – auch denen mit dem vermeintlich nicht idealtypischen Profil. Es gibt Besitzer, die sich an der Gentrifizierung stoßen und sich etwa mehr Familien oder Selbstständige in ihrem Haus wünschen. Wir würden zumindest gerne unseren Beitrag zu mehr Diversität im Immobilienmarkt leisten.

 

Anmerkung: Nach dem Auftakt der Gründerinnen-Initiative, die ursprünglich Ada hieß,  wurde das Programm im August 2018 umbenannt und heißt jetzt Grace Accelerate Female Entrepreneurship


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