Bildung6 Erkenntnisse zum Online-Studium in Corona-Zeiten

In Corona-Zeiten wird vorwiegend online studiertimago images / photothek

Ein Forschungsteam der Universität Hildesheim wollte wissen, wie Studierende das erste digitale Sommersemester 2020 bewältigt haben. Für die Untersuchung „Stu.diCo. – Studieren digital in Zeiten von Corona“ haben laut den Autoren im Juli 2020 mehr als 3000 Studierende per Online-Fragebogen ihre Erfahrungen geteilt. Dies sind einige der Haupterkenntnisse.

#1 Kritik am Online-Studium

Die Erfahrungen mit dem ersten Online-Semester waren offenbar nicht gut. Knapp sechs von zehn Befragten gaben an, es sehr schlecht (37 Prozent) oder schlecht (23 Prozent) zu finden, wenn das Wintersemester ebenfalls digital ablaufen würde (dies war zum Zeitpunkt der Umfrage noch keine Gewissheit). Etwas über jeder Fünfte (22 Prozent) fand ein weiteres digitales Semester hingegen gut (zwölf Prozent) oder sehr gut (elf Prozent). 18 Prozent hatten keine Präferenz.

#2 Größte Vorteile digitale Lehre

Dies waren nach Ansicht der Studienteilnehmer die drei größten Vorteile des Studiums von zu Hause aus:

  1. mehr Flexibilität in der Arbeitsgestaltung: 63 Prozent
  2. keine Anreise mehr: 56 Prozent
  3. Kennenlernen neuer digitaler Methoden: 21 Prozent

#3 Größte Nachteile Online-Studium

  1. kein direkter Kontakt zu anderen: 82 Prozent
  2. mehr eigenständiges Lernen: 48 Prozent
  3. schlechtere Vereinbarkeit von familiären Verpflichtungen und Studium: 29 Prozent

#4 WG oder Eltern

Laut der Umfrage sind 21,0 Prozent der Studierenden im digitalen Semester zurück zu ihren Eltern gezogen, um Miete zu sparen und/oder ein soziales Netzwerk zu haben. Daraus ergab sich diese Wohnsituation:

  • Wohnen bei den Familien: 39 Prozent
  • Wohnung mit Partner: 18,8 Prozent
  • Wohngemeinschaft: 15,7 Prozent
  • eigene Wohnung: 12,6 Prozent
  • Wohnheim: 3,4 Prozent

#5 Finanzielle Lage von Studenten

Viele Studierenden haben in der Pandemie ihren Nebenjob verloren. Dafür ergaben sich neue Einsparmöglichkeiten. Das betraf wie eben angesprochen die Miete, Fahrtkosten oder auch Verpflegung auf dem Campus. So schätzten die Befragten im Online-Sommersemester ihre Finanzlage ein:

  • Ich habe genau so viel Geld wie vorher: 52 Prozent
  • Ich habe weniger Geld als vorher: 37 Prozent
  • Ich habe mehr Geld als vorher: elf Prozent

#6 Mehr Beratung für Studierende nötig

Die Studie stellte fest: Der Beratungsbedarf von Studierenden hat sich in der Corona-Krise erhöht. Das reicht von Fragen an die Dozentin über Beratung zum Studienverlauf bis zu psychologischer Hilfe. Insbesondere Studienanfänger würden darunter leiden, dass sie keine sozialen Kontakte knüpfen können. „Aber auch Studierende höherer Semester leiden an der ‚zermürbenden Einsamkeit‘ und wünschen sich Unterstützung“, etwa zur Selbstmotivation oder emotionalen Unterstützung, heißt es in der Studie. Die Autoren forderten deshalb, Beratungsangebote auszubauen.

 


Kennen Sie schon unseren Newsletter „Die Woche“? Jeden Freitag in ihrem Postfach – wenn Sie wollen. Hier können Sie sich anmelden