Gastbeitrag5 Tipps, wie man im Job mit Ärger umgeht

Eine Frau und ein Mann streiten
Streit unter Kollegendpa

Es gibt günstigen Ärger und ungünstigen Ärger. Günstiger Ärger ist jene Widerstandsenergie, die wie ein notwendiger Katalysator zur Selbstbehauptung wirkt. Er hilft uns, gegen gefühlte Ungerechtigkeit aufzubegehren. Ungünstiger Ärger hingegen ist die reinste Energie- und Zeitverschwendung, weil er lediglich in uns entsteht, ohne dass wir damit etwas anfangen.

Wie Du von ungünstigem zum günstigen Ärger gelangen kannst, verraten Dir die folgenden fünf Anregungen.

# 1 Ärger gar nicht erst entstehen lassen. Mit Humanismus.

Wenn wir Humanismus als Streben nach Menschlichkeit und Respekt begreifen, dann gilt: Je humanistischer Du Menschen begegnest, desto geringer Dein Konfliktaufkommen. Humanismus meint nicht Nachgeben oder Aufgeben, sondern wohlwollendes, wertschätzendes Selbstbehaupten, und es geht um Partnerschaftlichkeit und nicht um Dominanz.

Der Leitgedanke: „Du und ich, wir sind beide okay, nur gerade anders“. Wer so denkt, sieht im Gegenüber keinen Feind, keinen Konkurrenten und auch kein Instrument, sondern einen Kooperationspartner, dessen Wohl unweigerlich mit dem eigenen verknüpft ist. Und wer in der Gemeinsamkeit und im Mitgefühl ist, der nimmt dem Ärger die Existenzgrundlage.

#2 Ärgerangebote liegen lassen. Mit Erwartungsmanagement.

Buchcover "Was mich ärgert, entscheide ich"
„Was mich ärgert, entscheide ich“ ist bei Business Village erschienen

Von Natur aus gibt es keine Konflikte, nur Konfliktangebote. Das Besondere daran: Ein Angebot musst Du nie annehmen, Du hast eine Wahl.

Der Zusammenhang: Erwartungen erzeugen Abhängigkeiten und Abhängigkeiten erzeugen Enttäuschungen. Wenn Du die Wahrscheinlichkeit für Enttäuschungen minimieren willst, minimiere Deine Abhängigkeiten. Und wenn Du Abhängigkeiten minimieren willst, minimiere Deine Erwartungen.

Einfach ist das nicht. Denn viele wollen zwar keine Abhängigkeiten oder Enttäuschungen erleben, doch an den meisten Erwartungen festhalten. Erkenne diesen Widerspruch und löse ihn auf. Trenne Dich von allen Erwartungen, die nicht Deine Integrität betreffen. Löse hierdurch sämtliche Nice-To-Have-Erwartungen radikal auf und halte nur an wenigen Must-Have-Erwartungen fest.

#3 Ärgerangeboten ausweichen. Mit Quick-and-Dirty-Strategien.

Nehmen wir an, Dein Kollege Stefan verdreht im Gespräch empört die Augen. Dich stört dieser nonverbale Angriff und Du willst im Außen aktiv werden. Probiere eine der folgenden Quick-and-Dirty-Strategien:

  • Wegorientieren: Verlasse den Ort. Das Leben ist zu kurz, sich dem auch nur eine Sekunde auszusetzen.
  • Wegpausieren: Gönn Dir eine Auszeit. Teile rechtzeitig mit, dass Du heute leider verhindert bist.
  • Wegvisualisieren: Ignoriere ihn: Wandere mit deinem Blick umher, aber Stefan sparst Du aus. Was Du nicht weißt, macht Dich nicht heiß.
  • Wegrationalisieren: Deute um, was Du gesehen hast. Etwa so: „Bestimmt hat er eine attestierte Nervenkrankheit.“ So verbleibt sein Problem bei ihm.
  • Wegnihilieren: Verzichte auf bestimmte Anliegen. Nur für einen kurzen Moment. Betrachte dies als „selbstgewählten, temporären Bedürfnisverzicht“ und nicht als Unterwerfung.