Schwimmendes HeimWorauf Hausboot-Käufer achten müssen

Ein Hausboot auf der Ruhr bei Essen
Ein Hausboot auf der Ruhr bei Essen

Das Wasser reflektiert die ersten Sonnenstrahlen, eine Brise sorgt für ein leichtes Schaukeln. Wer will, kann den ersten Kaffee des Tages mit Blick aufs Wasser trinken – oder für ein morgendliches Bad in die Fluten springen. Angesichts solch idyllischer Bilder ist es kaum verwunderlich, dass Hausboote in Deutschland immer beliebter werden. Wie eine Studie des Immobilienkreditvermittlers Interhyp zeigt, können sich immerhin 29 Prozent der Deutschen vorstellen, dauerhaft auf einem Hausboot zu leben. In Zeiten steigender Mieten und Immobilienpreise wünschen sich immer mehr Menschen ein autarkes Leben mit einem Hauch von Huckleberry Finn.

Allzu sehr romantisieren sollten Interessenten das Leben auf dem Wasser allerdings nicht. Wer ernsthaft über ein Hausboot nachdenkt, sollte dieses Projekt mit klarem Verstand angehen. Zum einen ist die Bandbreite an Booten auf dem Markt enorm und stellt potenzielle Käufer vor schwere Entscheidungen, sagt Claus-Ehlert Meyer, Geschäftsführer des Deutschen Boots- und Schiffbauer-Verbandes. Zum anderen sind Liegeplätze rar. Wer Kapitän seiner eigenen vier Wände werden will, sollte mit realistischen Preiserwartungen an den Hausboot-Kauf herangehen, Modelle vergleichen und vor allem: einen langen Atem bei der Suche nach einem Liegeplatz mitbringen.

Hausboote können sehr teuer sein

Das Leben auf einem Hausboot hat viele Vorzüge: Wer will, kann ständig woanders hin schippern. Außerdem lebt es sich am Wasser besonders naturnah – viele Menschen mögen das. Wer allerdings glaubt, ein Hausboot sei deutlich günstiger als eine Immobilie an Land, wird wahrscheinlich enttäuscht. Die Anschaffungskosten für ein schwimmendes Eigenheim hängen grundsätzlich von dessen Art, Größe und Ausstattung ab. Ein Hausboot kann acht oder 24 Meter lang sein, der Preis variiert entsprechend. Gerade für größere Objekten werden aber schnell ähnliche Preise fällig wie für ein Einfamilienhaus. Wer bescheiden ist, kann immerhin auch Schnäppchen finden: So ist zum Beispiel das kleinste Modell des Herstellers Nautilus Hausboote, Nautino Mini mit einer Länge von 9,40 Meter, einer Breite von 3,60 Meter und einer Wohnfläche von 12,5 Quadratmetern, bereits ab 129.000 Euro erhältlich.

Wichtig ist, dass Käufer neben den Anschaffungskosten auch die laufenden Kosten einkalkulieren. Wie bei Immobilien an Land fallen bei Häusern auf dem Wasser Ausgaben für Strom, Heizung, Wasser, Abwasser und Haftpflichtversicherung an, außerdem für Reparaturen und Instandhaltung. Gerade letztere kann bei Hausbooten teuer werden: So ein Wohnschiff liegt permanent im Wasser und ist je nach Lage Wind und Wetter schutzlos ausgesetzt. Vor allem jene Teile, die ständig im Wasser liegen, etwa der Rumpf, beim Hausboot auch Ponton genannt, sollten regelmäßig gewartet werden. Experten schätzen, dass Hausbootbesitzer im Jahr durchschnittlich bis zu 2000 Euro für Reparaturen ausgeben. Zum Vergleich: Der Immobiliendienstleister Dr. Klein veranschlagt im Schnitt 1065 Euro für laufende Reparaturen und Instandhaltungen bei Häusern an Land.

Liegeplätze sind rar

Hausbootbesitzern bleibt zwar der Kauf eines Grundstücks erspart, sie benötigen aber einen Ort zum Anlegen. Hausboote brauchen per Gesetz einen Liegeplatz, sofern sie als dauerhafter Wohnsitz dienen sollen. Je nach Lage und Größe kann ein solcher zwischen 2000 Euro und 8000 Euro pro Jahr kosten. Im Hausboothafen Hamburg zum Beispiel beträgt die Liegeplatz-Gebühr 19,50 je Meter im Monat. Für das Nautino Mini mit einer Länge von 8,90 Metern fallen dort somit knapp 2100 Euro Liegeplatz-Gebühren pro Jahr an. Bei der Liegeplatzsuche sollten sich Interessenten Fragen stellen wie: Soll mein Hausboot in einem See oder einem Kanal liegen? Ist mir die Aussicht wichtig? Wo ist die Sonnenseite? Wie entsorge ich Abwasser? Wie ist die Wasserqualität?

Einen Liegeplatz zu finden ist nicht einfach, denn dieser muss von den Behörden genehmigt sein – und nicht überall sind Hausboote gerngesehen. „Besonders Großstädte sind kritisch, was die Liegeplätze angeht”, sagt Marie Gest, Marketingleiterin des Hausbootunternehmens Floating House. In Berlin zum Beispiel vergibt das Berliner Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA), das für die Genehmigung neuer Liegeplätze zuständig ist, auf Binnenwasserstraßen „keine Nutzungsmöglichkeit als Dauerwohnsitz“ mehr, wie der Berliner Mieterverein schreibt. Hamburg ist für den Hausboot-Trend zwar grundsätzlich offener, doch auch hier lässt die Nachfrage die Plätze rar werden. Ein kleiner Geheimtipp ist hingegen die Mecklenburgische Seenplatte. Rund um die Müritz lassen sich noch freie Liegeplätze ergattern.

 


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