GastkommentarWohnungsfirmen verschlafen Digitalisierung

Frankfurt Europaviertel
Hinweisschild für Neubauten in Frankfurt: Facebook und andere soziale Medien werden für die Käufersuche kaum genutzt – Foto: Johannes Mink

Einar Skjerven ist CEO der Skjerven Group. Das Unternehmen berät Investoren, die am Berliner Wohnimmobilienmarkt interessiert sind. Außerdem bietet es Immobilienfonds an und verkauft auch Wohungen. Einar Skjerven ist CEO der Skjerven Group und Geschäftsführer des Tochterunternehmens Part B. Das Unternehmen berät Investoren, die am Berliner Wohnimmobilienmarkt interessiert sind. Außerdem hat die Gruppe Immobilienfonds im Angebot und verkauft auch Wohungen.


Die Digitalisierung löst die dritte industrielle Revolution aus – so beschreibt es der Zukunftsforscher und US-Ökonom Jeremy Rifkin in seinen Büchern. Dabei spricht er auch vom Internet der Dinge: Schon heute gibt es weltweit etwa 37 Milliarden RFID-Tags in Gegenständen wie Fahrzeugen, Haushaltsgeräten, Kameras, Straßen und Pipelines, die über das Internet miteinander vernetzt sind und zum Internet der Dinge werden.

Dem Megatrend der Digitalisierung in allen Bereichen kann sich auch die Wohnungswirtschaft auf Dauer nicht entziehen. Aber sie vernachlässigt immer noch digitale Vertriebswege wie Facebook. Dabei bietet dieser Kanal große Chancen. Dort gibt es zum Beispiel die Möglichkeit, Anzeigen zu schalten, die nur an eine definierte Zielgruppe ausgespielt werden. Die Werbung ist daher nur für User sichtbar, die bereits Interesse an einer Eigentumswohnung haben. Diese Interessenten werden mittels der Anzeigen auf den Anbieter aufmerksam und auf dessen Webseite mit den entsprechenden Angeboten geleitet. Das ist nicht teuer und das Budget für die Anzeigenschaltung kann selbst bestimmt werden.

Werbung ohne Streuverluste

Durch das zielgenaue Ausspielen der Anzeigen ist Online-Marketing sehr effizient und hat nicht die hohen Streuverluste wie Print- oder TV-Werbung. Bei Facebook kann nach sehr vielen Nutzerdaten gefiltert werden, so zum Beispiel nach Alter, Wohnort oder Beziehungsstatus. Anzeigen lassen sich so etwa nur bei Singles oder Paaren avisieren. Spannend sind auch die Interessen der Facebook-Nutzer, weil Anzeigen zielgerichtet bei Personen platziert werden können, die sich für Kapitalanlage, Immobilien oder Eigentumswohnungen interessieren.

Der neue Capital-Immobilien-Kompass: Hier finden Sie detaillierte Informationen zu rund 11.000 Orten in ganz Deutschland, die laufend aktualisert werden.

Aktuelle Immobilienpreise und detaillierte Karten für alle Wohnviertel Deutschlands finden Sie im Capital Immobilien-Kompass:

immobilien-kompass.capital.de

Wie wichtig das Thema ist, scheint den Verantwortlichen in der Wohnungswirtschaft durchaus bewusst zu sein. Bei einer Studie des FOG-Instituts für Markt- und Sozialforschung, für die bundesweit 113 Wohnungsunternehmen befragt wurden, gaben 92 Prozent der Befragten an, dass die Digitalisierung der Wohnungswirtschaft zwingend notwendig sei. 72 Prozent antworteten, dass sie schon einmal über ein digitales Geschäftsmodell nachgedacht hätten. Denn immerhin 40 Prozent der Befragten sind sich darüber im Klaren, dass jüngere Mieter die Dienstleistungen ihres Wohnungsunternehmens gerne auch mobil per Smartphone nutzen würden.

Digitale Vertriebskanäle werden unterschätzt

Es überrascht daher, dass sich nur ein Drittel der Befragten aktiv damit beschäftigt, digitale Produkte und Services zu entwickeln. Das zeigt: Digitale Vertriebskanäle werden hoffnungslos unterschätzt. Online aktiv zu sein, bedeutet für die meisten Wohnungsunternehmen, eine Internetpräsenz zu haben und Vermietungsanzeigen bei Immobilienscout24 zu schalten.

Der Studie zufolge nutzen nur etwa 25 Prozent der Wohnungsunternehmen soziale Medien für die Kommunikation mit potenziellen Kunden. Nur fünf Prozent der befragten Unternehmen bieten eigene Apps an. Das liegt natürlich auch am Personal: Nicht einmal 50 Prozent aller Befragten ist der Meinung, dass das Qualifikationsniveau der eigenen Mitarbeiter für den Einsatz digitaler Technologien ausreicht. Von den 113 befragten Unternehmen tätigen nur 24 gezielte Investitionen in digitale Angebote wie E-Mail-Newsletter und Mieterportale.

Facebook ist nur ein Beispiel für die große Wertschöpfung, die durch die Digitalisierung in der Immobilienwirtschaft noch erreicht werden kann. Wohnungsunternehmen tun gut daran, diese Entwicklung nicht zu verschlafen.