ImmobilienWie Verkäufer alte Häuser aufmöbeln

Eine Inneneinrichterin Madeleine von Beckerath steht am 24.10.2013 in Hamburg mit einem Farbfächer in einer Wohnung, die sie zur Verkaufsfförderung im Rahmen von Home Staging vorübergehend mit Möbeln und Accessoires ausstattet
Home Staging: Eine Inneneinrichterin putzt eine Wohnung heraus, damit sie sich besser verkaufen lässtdpa

Der erste Eindruck zählt. Das gilt auch bei Immobilien. Obwohl die Nachfrage nach Wohnungen und Häusern ohnehin schon brummt, investieren Makler und Verkäufer zunehmend Zeit und Geld in das Aufhübschen: Sie stellen Pflanzen ins Zimmer, dekorieren den Tisch mit einer Obstschale und schütteln die Kissen auf. Alles mit dem Ziel, dass sich die Kaufinteressenten auf dem ersten Blick heimisch fühlen. Das sogenannte Home Staging kommt ursprünglich aus den USA, wird aber auch hierzulande immer beliebter. Laut Daten der Deutschen Gesellschaft für Home Staging (DGHR) werden mittlerweile fast 65 Prozent aller Häuser und Wohnungen optisch für den Verkauf oder die Vermietung vorbereitet, bevor sie auf den Markt kommen. Das Kalkül dahinter: Gekonnt in Szene gesetzte Immobilien lassen sich besser an den Mann bringen als leere Räume.

Tatsächlich scheint Home Staging bei einigen Immobilien recht erfolgreich zu funktionieren. Einer aktuellen DGHR-Studie zufolge erzielten Verkäufer, die ihre Häuser oder Wohnungen vor Besichtigungsterminen in Szene setzten, durchschnittlich um 15 Prozent höhere Preise, als solche, die auf das optische Plus verzichten. Die Immobilien fanden zudem schneller einen Käufer: In vier Wochen waren zwei Drittel der Objekte verkauft, bei 15 Prozent sagte der Käufer gleich am Besichtigungstag zu.

Bei der Besichtigung wirken kleine Ausschmückungen oft Wunder, weiß auch Sandra Queißer vom Verband Privater Bauherren (VBP): „Ein kleines Badezimmer beispielsweise wirkt mit einem großen Spiegel erheblich größer und heller“, sagt die Experten. Werden dann noch mehrere flauschige Handtücher drapiert, lenkt das schnell von der veralteten Badausstattung ab.

Käufer sollten sich nicht täuschen lassen

Die Bauexpertin steht dem optischen Aufhübschen von Immobilien zwiegespalten gegenüber. „Nichts spricht dagegen, die Fenster zu putzen und die Zimmer aufzuräumen“, sagt Queißer. Problematisch wird es aber immer dann, wenn die Verkäufer die optischen Tricks nutzen, um gezielt vor Mängeln abzulenken. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn die Handtücher nicht mehr allein Deko-Zwecken dienen, sondern geplatzte Fliesen verdecken sollen. Ein absolutes No-Go für die Bauexpertin ist das Überpinseln von Feuchtigkeitsschäden oder Schimmel. „Sobald eine Wohnung frisch geweißt ist, schrillen bei uns alle Alarmglocken“, sagt Queißer. Ähnliches gilt für Bodenvasen in Zimmerecken. Hier sollten Kaufinteressenten genau hinschauen, ob damit nicht ein Feuchtigkeitsfleck kaschiert werden soll.

Gegen solche Irreführungen können sich Käufer jedoch im Nachhinein wehren. „Wer echte und erhebliche Schäden vorsätzlich verdeckt und bewusst verschweigt, der handelt arglistig“, sagt Holger Freitag, Vertrauensanwalt des VBP. Kommt der Mangel ans Licht, muss der Verkäufer die Beseitigung der tatsächlichen Schäden bezahlen. Im Extremfall kann der Käufer sogar vom Kaufvertrag zurücktreten. Solche Manöver können ein gerichtliches Nachspiel haben, der den Verkauf in die Länge zieht.

Kaufinteressenten rät der VPB-Experte, sich nicht von einer schön arrangierten Wohnung einlullen zu lassen. Sie sollten immer hinter die glänzende Fassade schauen und vor der endgültigen Kaufentscheidung auf jeden Fall noch einmal mit einem unabhängigen Sachverständigen durch die Räume gehen. Dieser beschränkt sich bei der Besichtigung auf das Wesentliche: auf Feuchtigkeitsschäden, den Zustand der Fenster und Türen, die Art des Heizkörpers oder Wasser- und Elektroinstallationen und lässt sich nicht von Schnickschnack beeindrucken.