ImmobilienmarktImmobilienpreise: Kann ich mir das noch leisten?

Symbolbild Hausfinanzierung
Symbolbild Hausfinanzierungdpa

Tausende werden gerade verrückt in deutschen Städten, zwei von ihnen sind Steffen und Annika Gruber aus Hamburg. Sie wohnen in Altona, beide Gutverdiener, zwei Kinder. Sie suchen, wie so viele. Sie wollen kaufen – wie so viele. Und sie haben das Gefühl: Sie bekommen nichts. Wie so viele. „Es ist ein kranker Markt“, sagt Steffen Gruber (Name v. d. Red. geändert), 39. „Alles geht unheimlich schnell – und schnell nach oben.“

Neulich hatten sie wieder ein Haus an der Angel. Nichts Besonderes, denn um Traumhäuser geht es schon lange nicht mehr. Ein Reihenhaus in der Steenkampsiedlung in Bahrenfeld, eher B-Lage in Hamburg, genannt die „Gartenstadt“. Von 1914 bis 1926 errichtet, ein Ensemble aus zweigeschossigen Doppel- und Reihenhäusern mit Satteldach.

Kleiner Vorgarten, großer Hintergarten. Einfache Bausubstanz, feuchte Keller, in denen man nicht aufrecht stehen kann, nichts gedämmt, Leitungen alt, man muss im Grunde komplett sanieren. 200.000 Euro, schätzte der Architekt.

Verkauft wurde vom kommunalen Wohnungskonzern Saga, im verdeckten Bieterverfahren: per Umschlag, Mindestgebot: 360.000 Euro. Steffen und Annika rechneten lange, boten stolze 470.000 Euro. „Irgendjemand hat uns aber überboten“, sagt Steffen. „Einfach krass.“ Wer, wissen sie nicht, die vielen Unterlegenen bekommen nicht mal eine Nachricht.

Es sind solche Geschichten, wie man sie derzeit überall aus deutschen Städten hört, dass man den Eindruck hat, dass sie Orte des kollektiven Wahnsinns geworden sind. Orte der unerfüllten Träume und verpassten Gelegenheiten, in denen nichts mehr geht. Und nahezu jeder kann beim Lunch oder Abendessen eine Handvoll Geschichten aus dieser wahnsinnigen Welt erzählen: Ach ja, in München, diese Dachterrassenwohnung. 915.000 für 93 Quadratmeter! In Düsseldorf, diese Doppelhaushälfte, 650.000 Euro! Und die Wohnung in Prenzlauer Berg, vor drei Jahren für 360.000 Euro gekauft, nun für 525.000 losgeschlagen. Dauerte drei Tage. Wahnsinn eben.

Es sind Geschichten, die einem den Atem verschlagen, weil viele einer ganzen Generation, die an ihrem Nestbau arbeitet, tatsächlich das Gefühl haben: Sie sind raus. Sie schaffen es nicht mehr. Sie schaffen nicht, sich den Traum vom eigenen Heim zu erfüllen. In den Vierteln zu leben wie die Eltern, in Häusern wie ihre Eltern. Die Preise sind ihren Möglichkeiten enteilt. „Ich habe das Gefühl“, bringt ein Kaufinteressent es auf den Punkt, „dass allmählich alle verrückt werden und ich gleich mit.“

Oder trügt der Schein nur? Ist unsere Wahrnehmung verzerrt? Geht wirklich nichts mehr für eine Generation in deutschen Städten? Und wenn doch: Was ist die Ursache?

Capital ist dem Thema Nummer eins auf den Grund gegangen, hat Datenreihen analysiert und mit Dutzenden Experten gesprochen – um dieses hoch emotionale Thema nüchtern zu betrachten. Das Ergebnis klingt ein wenig nach diesem Loriot-Sketch mit dem Ei: Etwas ist mit unserem Gefühl nicht in Ordnung.