EigenheimWie man sein Haus vor Einbrechern schützen kann

Eine Frau fotografiert die Spuren eines Einbruchs
Eine Frau fotografiert die Spuren eines Einbruchsdpa

Er schaut sich um, drückt mit etwas Kraft gegen das Fenster, und schon springt es auf. Der Mann könnte jetzt ohne Probleme einsteigen. Tut er aber nicht, denn es handelt sich um Kriminalhauptkommissar Andreas Barke. Mit seinem Kollegen Frank Winkens gibt er zwei Mal pro Woche in Köln und Umgebung Einbruchschutz-Seminare. Heute stehen die beiden mit ihrem Polizeibus auf dem Wochenmarkt in Leverkusen. „An manchen Tagen kommen bis zu 30 Besucher“, erzählt Barke.

Die kostenlose Beratung „Riegel vor, sicher ist sicherer!“ ist Teil eines erfolgreichen Präventionsprogramms der Polizei Nordrhein-Westfalen. Erfolgreich deshalb, weil die Strafverfolger zwar immer häufiger zu Wohnungen gerufen werden, bei denen Einbrecher versucht haben, einzusteigen. Die Kriminellen scheitern dabei aber inzwischen oft an den Sicherheitsvorkehrungen. Wie solche Vorkehrungen aussehen sollten, zeigt Barke an zwei Stücken eines Fensterrahmen, die vor ihm auf dem Tisch liegen. Das Fenster ohne Sicherung lässt sich ohne weiteres aufbrechen: „Die einfachen Verriegelungen bewirken lediglich, dass die Fenster winddicht geschlossen sind“, erklärt der Polizist.

Rollläden geöffnet lassen

Einbrecher haben jetzt Hochsaison. Im Sommer sind viele Häuser und Wohnungen vorübergehend verwaist. Ein überfüllter Briefkasten oder eine Urlaubs-Ankündigung auf Facebook sind geradezu Einladungen für Einbrecher. Der Großteil der Kriminellen, rund 80 Prozent, kommt durchs Fenster ins Haus. Braucht ein Einbrecher jedoch länger als fünf Minuten, um sich Zugang zu verschaffen, gibt er laut Polizeistatistik meist auf. „Mechanische Sicherungen, also Schloss und Riegel, sind immer noch der beste Schutz“, sagt Kriminalhauptkommissar Barke. Um Fenster und Türen einbruchssicher zu machen, reichen oft schon einfache Aufrüstungen, etwa eine sogenannte Pilzkopfverriegelung. Damit verhakt sich das Fenster so, dass es sich nicht mehr aufbrechen lässt.

Rollläden bieten dagegen keinen besonderen Schutz. Man sollte sie während des Urlaubs sogar geöffnet lassen, sonst erkennen Einbrecher sofort, dass niemand zu Hause ist. Am besten fragt man zudem die Nachbarn, ob sie während der Urlaubsreise hin und wieder den Briefkasten leeren, und verstaut womöglich sogar seine Wertsachen vorübergehend in einem Bankschließfach oder Safe. Experten raten außerdem dazu, die Heimat-Adresse nicht allzu offensichtlich auf die Koffer zu schreiben. Auch das kann sich nämlich als Einladung für Einbrecher erweisen. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann in ein Smart-Home-System investieren. Damit lassen sich Licht und Rollläden per Smartphone von der Ferne aus steuern. „Das Licht automatisch zu regulieren ist vor allem in der dunklen Jahreszeit sinnvoll, um die Anwesenheit der Bewohner zu simulieren“, sagt Barke.

Kredite von der KfW

Nicht alle Sicherheitsvorkehrungen sind auch praktisch. Gerade Überwachungskameras sind leicht zu hacken. Dann werden sie sogar zum Sicherheitsrisiko. Viele Hilfsmittel sind teuer und nicht unbedingt notwendig, zum Beispiel einbruchssicheres Fensterglas. „Der Prozentsatz der Einbrüche, bei denen eine Fensterscheibe komplett eingeschlagen wird, geht fast gegen Null“, sagt Barke.

Wer Hilfe benötigt, um beim Aufrüsten Sinnvolles von Überflüssigem zu unterscheiden, kann sich in jeder Polizeiwache kostenlos beraten lassen. Darüber hinaus gibt es für sicherheitsbedingte Umbauten staatliche Förderung, etwa in Form zinsgünstiger Kredite. Ein entsprechendes Programm der KfW-Bankengruppe steht sowohl Mietern als auch Immobilienbesitzern offen.

Wenn alle Stricke reißen und sich Einbrecher Zugang zur Wohnung verschafft haben, ist eine Hausratversicherung von Vorteil. Sie übernimmt in der Regel die Kosten für Schäden und Verluste – allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen: Wer das Haus verlassen hat, ohne die Fenster zu schließen und die Türen zu verriegeln, ist selber schuld.