ImmobilienWarum immer weniger junge Menschen ein Haus kaufen

Mann und Frau vor Maklerbüro
Symbolbild: ImmobilienkaufGettyimages

Zeit ist bei der Geldanlage eine der wichtigsten Komponenten. Diese Weisheit aus der Investmentwelt gilt auch bei Immobilien: Je früher Eigentümer das Darlehen für die eigenen vier Wände tilgen, desto eher können sie mietfrei wohnen – und umso mehr Geld bleibt am Ende des Monats für andere Dinge übrig. Ein abbezahltes Zuhause gilt außerdem als wichtige Säule für die Altersvorsorge. Experten raten daher dazu, die Tilgungsrate möglichst hoch anzusetzen, um das Baudarlehen spätestens bis zur Rente zurückzuzahlen. Eine andere Möglichkeit, den Prozess zu beschleunigen, lautet: jung kaufen. „Wohneigentum bietet gerade für junge Menschen eine nahezu ideale Vorsorgestrategie“, wirbt Rüdiger Kamp, Vorstandsvorsitzender der LBS Nord.

Tatsächlich wollen viele junge Erwachsene gern von der Mietwohnung ins Eigenheim ziehen, zeigen Studien immer wieder. In einer Umfrage von Union Investment aus dem vergangenen Jahr beispielsweise gaben rund 70 Prozent der 18- bis 40-Jährigen an, dass sie gern eine eigene Immobilie besäßen. In der Praxis bleibt das Eigenheim für junge Menschen allerdings oft unerreichbar, zeigt eine Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln.

Das Problem ist das Eigenkapital

Der Anteil der jungen Menschen, die in ihren eigenen vier Wänden leben, ist in den vergangenen Jahren sogar gesunken. Im Jahr 2017 besaßen gerade einmal zwölf Prozent der 25- bis 35-Jährigen eine Immobilie, in der Gruppe der 35- bis 44-Jährigen waren es 38 Prozent. Das waren jeweils fünf Prozentpunkte weniger als im Jahr 2010. Das Durchschnittsalter für den Immobilienkauf liegt dem IW zufolge bei 48 Jahren. „Faktisch finden junge Haushalte, die dann auch entsprechend mehr Zeit für die Rückzahlung ihrer Kredite hätten, kaum noch Zugang zum Wohneigentumsmarkt“, heißt es in dem Bericht.

Hohe Kaufpreise sind nur ein Teil des Problems, zeigt die IW-Studie. Zwar sind die Immobilienpreise vor allem in den Metropolen in den vergangenen Jahren massiv gestiegen. Zugleich ist aber auch die Zinsbelastung gesunken. Für ein Darlehen mit zehn Jahren Laufzeit zahlen Käufer laut Interhyp-Trendbarometer derzeit im Schnitt gerade einmal 0,85 Prozent Zinsen. Unterm Strich müssen Eigentümer heute weniger Nettohaushaltsgehälter aufwenden, um einen Kredit komplett zu tilgen, als noch vor zehn Jahren.

Das Problem sind nicht die Preise an sich, sondern vielmehr das Eigenkapital, das Käufer für einen Baukredit mitbringen müssen. Viele Banken fordern, dass Eigentümer in spe mindestens zehn Prozent Eigenkapital plus Nebenkosten aus eigener Tasche stemmen können. Bei einem Kaufpreis von 400.000 Euro ergibt das die stolze Summe von 88.000 Euro. Im Schnitt verfügen 25- bis 34-Jährige in Deutschland aber laut Statistik über kaum mehr als 20.000 Euro.

Akademiker kaufen Wohneigentum später

Nicht-Akademiker schaffen es bis zum Alter von 40 Jahren öfter ins Eigenheim als Gleichaltrige mit Hochschulabschluss, zeigt die IW-Studie. Erst dann schließen die Akademiker auf. Der Grund: Akademiker starten später in den Beruf, auch die Familienplanung verschiebt sich durch das Studium nach hinten. Junge Erwachsene ohne Hochschulabschluss können dagegen früher mit dem Sparen beginnen und haben das nötige Startkapital so meist schneller beisammen. Die IW-Experten sehen deshalb in der zunehmenden Akademisierung einen der Haupttreiber für die rückläufige Zahl der Eigenheimbe­sitzer unter 44 Jahren.

Immerhin: Viele der Akademiker kaufen in späteren Jahren eine Immobilie. Den Zeitvorteil haben sie dann zwar nicht mehr auf ihrer Seite – mit der richtigen Finanzierungsstrategie können aber auch Spätzünder im Alter vom mietfreien Wohnen profitieren.

 

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