ImmobilienVorsichtige Bauherren: Kein Risiko beim Eigenheim

Baustelle
Symbolbild: ImmobilienPixabay

Lange Zinsgarantien, wenig Risiko, lieber ein bisschen teurer und dafür umso sicherer: So tickt der typische deutsche Bauherr. Sicherheit ist den Deutschen traditionell sehr wichtig. Neun von zehn Bundesbürgern fühlen sich laut einer Forsa-Umfrage allein beim Gedanken an Schulden unwohl. Dazu passt, dass die Deutschen mehr Geld für Versicherungen ausgegeben als der durchschnittliche Europäer. Auch die deutsche Politik rühmt sich gern der „schwarzen Null“.

Zahlen des Finanzdienstleisters Dr. Klein deuten auf den ersten Blick darauf hin, dass die strikte Anti-Schulden-Haltung zuletzt etwas aufgeweicht ist. Für die Finanzierung von Immobilien nehmen die Deutschen nämlich immer höhere Kredite auf. Im Oktober dieses Jahres erreichte die durchschnittliche Kredithöhe den höchsten Wert seit zwei Jahren. Bauherren und Käufer verschuldeten sich im Schnitt mit stolzen 234.000 Euro. Zum Vergleich: Im Oktober vergangenen Jahres betrug der durchschnittliche Baukredit noch 204.000 Euro und fiel damit rund zwölf Prozent niedriger aus.

Die höhere durchschnittliche Kreditsumme bedeutet indes nicht unbedingt, dass sich Bauherren prozentual höher verschulden, sagt Michael Neumann, Vorstand des Finanzdienstleisters Dr. Klein. „Auch die absolute Summe des Eigenkapitals nimmt zu“, erklärt er. Das heißt: Bauherren und Hauskäufer bringen im Schnitt mehr eigenes Geld in die Finanzierung ein. Die Zunahme des Eigenkapitals lässt sich am sogenannten Beleihungsauslauf ablesen. Dieser zeigt den Anteil des Kaufpreises oder der Baukosten an, der mit Hilfe der Bank finanziert wird. „Er ist mit momentan rund 82 Prozent zwar etwas gestiegen, befindet sich aber immer noch auf konstantem Niveau“, sagt Neumann.

Trotz Bauboom wenig Eigenheimbesitzer

Auch in anderer Hinsicht bleiben sich die Deutschen treu. So besitzen trotz des Bau-Booms der vergangenen Jahre noch immer vergleichsweise wenige Bundesbürger Wohneigentum. Die Quote der Immobilienbesitzer stagniert seit Jahren bei rund 45 Prozent. Im europäischen Vergleich ist das wenig. So wohnen beispielsweise zwei Drittel der Franzosen und drei Viertel der Spanier in den eigenen vier Wänden.

Dass die Deutschen lieber zur Miete wohnen, liegt laut Neumann vor allem daran, dass sich Bauherren in Deutschland mit Bürokratie und hohen Kosten herumschlagen müssen. „Vor allem die Erwerbsnebenkosten wie Maklercourtage und Grunderwerbsteuer sind in Deutschland vergleichsweise hoch“, sagt er. Auch die deutsche Gründlichkeit treibt die Kosten in die Höhe. So haben fast 90 Prozent der Darlehensnehmer von Dr. Klein im vergangenen Jahr in ein Massivhaus investiert. Schweden dagegen bauen ihre Häuser lieber aus Holz – und kommen so deutlich günstiger davon.

Ein bisschen un-deutscher dürfte es bei der Immobilienfinanzierung in der kommenden Zeit aber doch zugehen. Solange die Immobilienpreise weiter steigen, werden angehende Immobilienbesitzer nämlich voraussichtlich noch höhere Kredite aufnehmen, prognostiziert Neumann. „Gerade in den Ballungsgebieten sehe ich keine Trendwende“, sagt er. Bei der Kreditentwicklung spielen nicht nur die steigenden Immobilienpreise eine Rolle, sondern auch die Zinsen, die nach wie vor auf Rekordtief liegen. Ökonomen gehen davon aus, dass der Leitzins in der Eurozone frühestens im kommenden Jahr steigt, und auch dann nur moderat. Fremdfinanzierungen bleiben also bis auf weiteres günstig.


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