LeserfrageVerzug am Bau: Muss der Träger Extrakosten erstatten? 

Baustelle eines Hauses
Symboldbild Baufinanzierungdpa

Grundsätzlich besteht Anspruch auf Entschädigung, wenn ein Bauträger vereinbarte Leistungen nicht termingerecht erbringt. Nachteile in der Baufinanzierung sind davon nicht ausgenommen. Sie sind ärgerlich, entstehen aber schnell, wenn der mit der Bank vereinbarte Zeitrahmen für die Auszahlung eines Darlehens überschritten wird. Finanzierer halten die Summe meist nur für einen begrenzten Zeitraum kostenlos parat, während der Kunde je nach Fortschritt des Neubaus oder der Modernisierung die Auszahlung von Teilraten an den Träger anweist. Ist die Frist einmal abgelaufen, fallen für die Bereitstellung der Restsumme Zinsen an – und zwar zusätzlich zu den laufenden Sollzinsen für das beanspruchte Geld. Bei langem Bauverzug kann sich das zu einem finanziellen Risiko auswachsen.

Die neue Capital ist am 18. Oktober erschienen
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Ansprüche auf Schadensersatz hängen im Detail von der Ausgestaltung der Verträge ab. Eindeutige Richtersprüche gibt es nur für den Fall, dass der Umzug in die Traumwohnung nicht nach Plan verläuft. Dann steht dem Käufer für den Verzugszeitraum eine Nutzungsentschädigung zu, wenn die neue Wohnung deutlich höhere Qualität hat als die alte – eine größere Fläche etwa (Az. VII ZR 172/13). Bei vergleichbarem Wohnraum können Kosten für Makler, Miete, Möbellager oder Hotel verlangt werden.

Ein wenig zwiespältig wird es, wenn die sanierte Wohnung bezogen ist, die Anweisung der Schlussrate eines Darlehens aber an die Fertigstellung des Eigentums der Hausgemeinschaft gekoppelt ist. Ist der Bauträger mit dem Vestibül zum Treppenhaus in Verzug? Hinkt er mit der Fassade hinterher? Ist der Gemeinschaftsgarten noch Kraut und Rüben? Einerseits ist das Herauszögern der letzten Zahlung richtig – denn die Zahlung erst nach Endabnahme ist das beste Druckmittel, damit eventuelle Mängel vom Bauträger tatsächlich behoben werden. Selbst der Aufwand für einen Gutachter kann sich dabei auszahlen. Andererseits schlägt jeder weitere Monat mit Extrazinsen von meist 0,25 Prozent (drei Prozent/Jahr) zu Buche.


5 Prozent der Vertragssumme sollte die Schlusszahlungsrate nach Empfehlung des Bauherrenschutzbundes mindestens umfassen und erst gezahlt werden, wenn das Bauobjekt endgültig fertig und mängelfrei ist.


Hat der Bauträger eine selbst genannte Frist versäumt, ist es also legitim, einen Ausgleich einzufordern. „Bei solchen Verzögerungen ist der Wunsch nach Entschädigung für Finanzierungskosten nicht aus der Luft gegriffen“, sagt Alexander Krolzik von der Verbraucherzentrale Hamburg. Solange die Endrate aber nur niedrig fünfstellig sei, lohne sich der Aufwand nicht. Dann rät der Berater schlicht, mit der Bank zu verhandeln. „Einige halten sich strikt an den Baufortschritt, andere zahlen auch mal auf das private Konto.“ Verlangt die Bank eine Zweckbindung, kann die Baugesellschaft eine Bürgschaft stellen. Auf einen Ausgleich dafür, dass durch die Verzögerung auch der Tilgungszeitraum schrumpfen kann, würde der Verbraucherschützer dagegen nicht wetten.