GastkommentarKeine Angst vor neuen Nachbarn

Protest gegen Gentrifizierung in Berlin
Protest gegen Gentrifizierung in Berlin
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Christoph Gröner ist Vorstandsvorsitzender der CG Gruppe AGChristoph Gröner ist Vorstandsvorsitzender des Immobilien-Projektentwicklers CG Gruppe AG

 


Skrupellose Miethaie und gierige Spekulanten zerstören gewachsene Milieus: So klingt es, wenn über Neubauten in Großstädten gesprochen wird. Gentrifizierung ist das Schimpfwort, mit dem jede Projektentwicklung verteufelt wird. Doch Altbauten verfallen zu lassen, um die Mieten zu drücken, darf keine Lösung sein, zumal die Wohnungsnot in den Ballungszentren immer größer wird. Was wir brauchen, ist eine vernünftige Stadtentwicklung mit Augenmaß.

Eine soziale Durchmischung über verschiedene Alters-, Einkommens- und Bildungsschichten hinweg macht ein Viertel für alle attraktiver und erhöht die Lebensqualität. Die Verwahrlosung, die man in vielen sozial benachteiligten Stadtteilen antrifft, geht zurück, die Kriminalität sinkt, Schulen werden besser, kulturelle Initiativen entstehen, es gibt mehr Bildungsangebote und bürgerschaftliches Engagement – von all diesen Entwicklungen profitiert die gesamte Einwohnerschaft.

Aufwertung gereicht der ganzen Stadt zum Vorteil

Die zusätzliche Kaufkraft, die durch die neuen Nachbarn ins Viertel kommt, erhöht den Umsatz des lokalen Einzelhandels und der Gastronomie. Auch das Steueraufkommen wächst dank höherer Einkommen der Bürger, dank Grunderwerbssteuern und Gewerbeneugründungen. Das gereicht der ganzen Stadt zum Vorteil und ermöglicht der Verwaltung wiederum, die Infrastruktur und Lebensqualität zu verbessern. So ziehen einzelne aufgewertete Viertel die ganze Kommune nach oben. Wer das blockieren will, ist nicht für die Armen, sondern gegen den Fortschritt.

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Neuer Wohnraum wird zudem dringend benötigt, besonders in den Ballungsgebieten. Ein Grund für die steigenden Mieten ist ja die hohe Nachfrage nach Großstadtwohnungen. Deshalb muss mehr gebaut werden, um den Markt zu entspannen. Mithilfe klug geschnittener Wohnungen, die dafür eine kleinere Gesamtfläche haben, und hoher Energiestandards, die die Nebenkosten senken, kann man die Miete im Neubau außerdem selbst bei steigenden Quadratmeterpreisen erschwinglich halten. Und durch den Einsatz von Fertigteilen lassen sich die Baukosten begrenzen. So muss niemand aus seinem angestammten Viertel vertrieben werden – stattdessen entsteht eine gesunde, lebendige Mischung.

Sozial ausgewogene Aufwertung ist also das Gegenteil von Gentrifizierung. Statt die Stadtentwicklung mit immer neuen Vorschriften und Milieuschutzgebieten zu blockieren und gedankenlos gegen jede Veränderung zu protestieren, sollten wir ihr Raum geben – zum Vorteil aller.