ImmobilienIst Ihre Wohngebäudeversicherung wasserdicht?

Eine Wohngebäudeversicherung soll unter anderem gegen Flutschäden schützenIMAGO / Panthermedia

Der Klimawandel bringt Extremwetter auch nach Deutschland – das steht inzwischen fest. Phasen mit massivem Niederschlag dürften in vielen Regionen zur Gewohnheit werden. Als Hausbesitzer sollte man sich finanziell mit einer Wohngebäudeversicherung absichern – die meisten Eigentümer tun das, auch wenn es keine Pflicht ist. Die Versicherung leistet üblicherweise bei Schäden, die durch Feuer, Hagel, Sturm oder Leitungswasser am Gebäude und am festen Inventar wie Einbauküchen oder Parkettböden entstehen. Wer aber über eine ältere Police verfügt, sollte seinen Versicherungsschutz dringend überprüfen.

Viele Verträge haben nämlich gravierende Lücken, wie eine Auswertung der Stiftung Warentest aus dem März dieses Jahres zeigt. Von 178 untersuchten Tarifen bewerteten die Tester 79, also beinahe die Hälfte, als „mangelhaft“. Geprüft wurde, wie umfangreich die Anbieter vor den genannten Risiken aber auch weiteren Naturgefahren wie Hochwasser oder Starkregen schützen. Was viele Hausbesitzer nicht wissen: Vor allem ältere Verträge decken Letztere in der Regel nicht ab. Stattdessen muss man sich über zusätzliche Bausteine oder Policen mit „Elementarschutz“ absichern.

Als mangelhaft stuft die Stiftung Warentest Tarife ein, bei denen grobe Fahrlässigkeit nicht vollständig gedeckt ist. Das heißt: Entsteht zum Beispiel ein Brand durch eine unbeaufsichtigte Kerze, kann der Versicherer seine Leistung streichen oder kürzen – und das kann für den Eigentümer mitunter existenzbedrohend werden. Auf die volle Deckung bis zur Versicherungssumme ist also zu achten.

Daran erkennen Sie eine gute Wohngebäudeversicherung

Aber nicht nur am umfänglichen Schutz bei grober Fahrlässigkeit gehört in eine empfehlenswerte Police. Ein guter Tarif sollte zudem bis zur Höhe der Versicherungssumme für Abbruch- und Aufräumkosten aufkommen. Gleiches gilt für Kosten, die entstehen, wenn der Boden dekontaminiert werden muss, beispielsweise nachdem Heizöl ausgetreten ist. Auch entstehen oft Mehrkosten für den Wiederaufbau eines Hauses, weil behördliche Auflagen heute strenger sind als zum damaligen Bauzeitpunkt, so der Hinweis der Verbraucherschützer. Auch diese sollten im Tarif inbegriffen sein.

Ebenfalls wichtig ist ein Schutz gegen Überspannungsschäden, etwa an der Heizungselektronik. Der greift nämlich auch dann, wenn ein Blitz nicht direkt ins Haus, sondern in eine Überlandleitung eingeschlagen ist. Darüber hinaus beinhaltet guter Vertrag eine Klausel zu sogenannten Bewegungs- und Schutzkosten. Das heißt: Müssen nach einem Wasserschaden zum Beispiel die Möbel ausgeräumt und eingelagert werden, um das Parkett zu erneuern, übernimmt der Versicherer die Kosten dafür.

Auch eine Kostenfrage

Laut Zahlen des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft ist zurzeit nicht einmal jedes zweite Gebäude in Deutschland vor Naturgefahren wie Hochwasser geschützt. Wer also vor vielen Jahren ein Haus gekauft hat und seiner Versicherung seitdem kein Upgrade verpasst hat, sollte das also nachholen – auch wenn das die Beträge in die Höhe treibt.

Die Stiftung Warentest hat in ihrem Test nur die Leistungen in den Blick genommen – bei den Prämien gibt es allerdings gewaltige Unterschiede. Wie teuer es wird, hängt meist von Bauart, Standort und Wohnfläche der Immobilie ab. Wem das Nachversichern bei seinem Anbieter zu teuer erscheint, der sollte sich – bestenfalls unabhängige – Beratung suchen. Der bestehende Vertrag lässt sich in der Regel mit Dreimonatsfrist kündigen.

 


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