Immobilien-KompassImmobilien – die Letzten ihrer Art

Blick auf Berlin mit dem Fernsehturm
Wohnraum in Berlin ist teuer geworden
© Picture Press

Zwei Jahre lang haben Michael Schulten (Name v.d. Red. geändert) und seine Frau mit sich gekämpft. Als das dritte Kind unterwegs war, wurde dem Werbefachmann jedoch klar: Die Wohnung in Berlin-Mitte ist eindeutig zu klein für fünf und die Familienkatze. Etwas Größeres sollte her, am besten mit Garten – und etwas Eigenes.

Ein Umzug aufs Land, wo die Grundstücke groß und die Häuser billig sind, kam für die Familie nicht infrage. „Wir wollten in der Nähe bleiben, aber uns war klar, dass das nicht einfach würde“, sagt Schulten. „Es gibt zu viele Konkurrenten. Und die meisten können ungefähr so viel ausgeben wie wir.“ Zwischen 200.000 und 250.000 Euro waren die Schultens zu zahlen bereit.

Viele Wochenenden verbrachte die Familie mit der Besichtigung von Neubauten – und war wenig begeistert. „Alles Schuhschachteln, teils in der Pampa und dafür zu teuer“, erinnert sich Schulten. Am Ende fiel die Wahl auf ein Haus aus den 30er-Jahren in Mariendorf im Süden Berlins. Dass der Kaufpreis von 290.000 Euro über dem veranschlagten Budget lag, sieht Schulten nicht als Problem: „Die monatliche Belastung ist mit 1200 Euro geringer als die Nettokaltmiete für eine Vier-Zimmer-Wohnung in Berlin-Mitte“, so der 37-Jährige. „Und bis zur Rente sind wir schuldenfrei.“

Im Jahr sechs des Immobilienbooms wird es für Selbstnutzer und Kapitalanleger immer schwieriger, ein passendes Objekt zu finden, mit dem sie langfristig glücklich werden. Für einen Hypothekenkredit zahlen sie zwar weniger als die Hälfte dessen, was noch 2009 fällig ­wurde; Zinsen von kaum mehr als einem Prozent für zehn Jahre ermöglichen zudem eine hohe Tilgung. Die gestiegenen Kaufpreise machen – zumindest in beliebten Gegenden von Großstädten – diesen Vorteil jedoch größtenteils wett. Und wer seine frisch erworbene Immobilie vermieten will, merkt schnell, dass das Mietniveau längst nicht überall mit den Kaufpreisen gleichgezogen hat.

Der neue Capital-Immobilien-Kompass: Hier finden Sie detaillierte Informationen zu rund 11.000 Orten in ganz Deutschland, die laufend aktualisert werden.

Aktuelle Immobilienpreise und detaillierte Karten für alle Wohnviertel Deutschlands finden Sie im Capital Immobilien-Kompass:

immobilien-kompass.capital.de

Wo lohnt sich unter diesen Vorzeichen der Kauf einer Immobilie noch? In welchen Lagen ist langfristig mit stabilen oder steigenden Preisen zu rechnen? Und mit welchen Objekten lassen sich in den kommenden 15 Jahren Mietrenditen erzielen, die Erträge sicherer Zinsanlagen schlagen?

2014 sind die Preise – zumindest in den sogenannten Schwarmstädten – wieder auf breiter Front gestiegen. Wo die Einwohnerzahlen stetig wachsen, haben sie über alle Wohnimmobilienarten hinweg um bis zu acht Prozent zugelegt. In den vergangenen sechs Jahren summierte sich der Anstieg auf mehr als 50 Prozent. 

Dies zeigen Daten des iib Dr. Hettenbach Instituts (iib-Institut), das für Capital sämtliche Daten für die Tabellen und Lagekarten in diesem Immobilien-Kompass erhoben hat. Hierfür wurden die Angebote aller relevanten Immobilienportale im Internet ausgewertet und nach wissenschaftlichen Methoden auf­bereitet, sodass die Werte Trans­aktionsdaten nahekommen.

Besonders Neubauten sind im vergangenen Jahr laut iib-Institut noch einmal deutlich teurer geworden, im Mittel um etwa zehn Prozent. Das liegt nicht nur am lebhaften Interesse an Objekten in begehrten Lagen. „Neben der hohen Nachfrage treiben auch höhere Preise für Bauland, strengere Regulierung und immer schärfere Vorgaben bei der Energieeffizienz die Kaufpreise“, sagt Andreas Mattner, Präsident des Zen­tralen Immobilien Ausschusses (ZIA). Zu dem Verband gehören neben Unternehmen aus der Bauwirtschaft auch Fondsgesellschaften und Immobiliendienstleister.