GastbeitragHäuser in Serie: Wie das Wohnen auch künftig noch bezahlbar bleibt

Holzwand eines Fertighauses
Holzwand eines Fertighausesdpa

Denn schließlich sind es der Neubau und die Bauunternehmen, die neuen Wohnraum schaffen und sogar dafür sorgen können, dass auch das Angebot an Mietwohnungen schnell zunimmt. Das wiederum würde zwangsläufig zu stagnierenden oder sogar sinkenden Mieten führen. Verbote, Mietpreisbremsen oder Enteignungen bauen aus Erfahrungen jedenfalls keine neuen Wohnungen.

Allerdings erhält heute längst nicht jede und jeder Bauwillige die Möglichkeit, in ein eigenes Haus oder eine Eigentumswohnung zu investieren. Es fehlt an Baugrundstücken ausgerechnet dort, wo viele Menschen zur Arbeit gehen und wo auch im Alter die wichtigsten Anlaufstellen wie Supermärkte und Ärzte zu Fuß erreichbar sind: in der Nähe der Ballungszentren. Kommt ein attraktives Grundstück auf den Markt, ist es meist unbezahlbar – und so dreht sich auch die Preisspirale bei den Mieten  immer weiter. Als Anbieter von Fertighäusern haben wir selbst vor drei Jahren in einem Ballungsraum Grundstücke für 700 je Quadratmeter erworben, die wir bereits heute für den doppelten Preis wieder veräußern könnten. Also warum nicht einfach weiterverkaufen oder halten, ohne die Risiken von Baustellen und steigenden Baukosten zu schultern? Die Baukosten entwickeln sich immer mehr zu Nebenkosten, der eigentliche Preistreiber wird zunehmend das knappe Bauland.

Wohnen in der Stadt ist teuer, Bauen in der Stadt wird so mancherorts nahezu unmöglich. Auch, weil viele Grundstücksbesitzer ihre Bauplätze lieber in Familien- oder Firmenbesitz lassen und auf weiter steigende Preise spekulieren. Oder es werden Grundstücke von Baufirmen zu einem so hohen Preis gekauft, dass sich inklusive der Bebauung keine Käufer mehr finden, die sich diese Preise noch leisten können.

Auch die Baufirmen sind in der Verantwortung

Daher sind aus meiner Sicht für bezahlbaren Wohnraum zwei Stellschrauben elementar:  Erstens, schnell zusätzliches Bauland zu identifizieren und unbürokratisch zu entwickeln. Denn nur ein höheres Angebot kann hier zu sinkenden Baulandpreisen führen. Und zweitens, die allgemeinen Baukostensteigerungen von aktuell rund 5  Prozent jährlich durch effiziente und serielle Bauweisen zumindest zu halbieren. Dies zumindest unser eigener Anspruch.

Denn auch die Baufirmen sind in der Verantwortung. Ohne industrielle und intelligente digitale Lösungen wird der Bedarf an kostengünstigem Wohnraum bei gleichzeitig sinkender Anzahl an qualifizierten Handwerkern nicht zu bewältigen sein.

So reagiert der industrielle Holz-Fertigbau auf die anspruchsvollen Rahmenbedingungen mit seriellen und damit kostensparenden Lösungen. Unsere Branche hat sich in den zurückliegenden drei Dekaden neu erfunden und stetig weiterentwickelt. Über das moderne Ein- und Zweifamilienhaus hinaus haben die Hersteller heute vermehrt auch Lösungen für urbane Zentren – für die Entwicklung ganzer Quartiere, für den mehrgeschossigen Mietwohnungsbau und zur Nachverdichtung, Modernisierung und Aufstockung des Gebäudebestands. Aber auch wer lieber ein kleines Eigenheim auf einem Restgrundstück oder im elterlichen Garten bauen statt eine teure Mietwohnung suchen und beziehen möchte, bekommt ein Haus mit weniger als 100 Quadratmetern Wohnfläche auf den Leib geschneidert. Und selbst wer ein Haus aufstocken oder anbauen möchte, erhält dank des Baumaterials Holz sowie seriell vorgefertigter Bauteile die Garantie für eine ökologische und passgenaue Lösung, die mit geringstmöglichen Einschränkungen am Bestandsgebäude einhergeht.

Serielles Bauen konsequent weiterentwickeln

Natürlich gibt es weitere komplexe Themen: Die Regelungen zur Grundsteuer gehören dringend überarbeitet, die Grunderwerbsteuern müssen gesenkt oder für den Eigenheimbau abgeschafft werden. Und wir brauchen nachhaltige energiesparende Anforderungen an das Bauen sowie sinnvolle staatliche Anreize für klimaneutrale Gebäude.

Aber der erste Schritt wäre jetzt – vor weitreichenden politischen Regulierungen: Entschlossen Bauland bereitstellen und serielles Bauen konsequent weiterentwickeln. Das würde dem Zusammenhalt der Gesellschaft weit mehr dienen als jeder Mietpreisdeckel.

 


Mathias Schäfer ist Geschäftsführer des Holzfertighausherstellers FingerHaus