LadestationenE-Auto: Wo Wohneigentümer künftig mehr zu sagen haben

Ein E-Auto wird aufgeladen
Ein E-Auto wird aufgeladenBild von Hans Rohmann auf Pixabay

Der Umstieg von Diesel und Benzin auf Elektromobilität gilt als ein Schlüsselfaktor des Klimaschutzes. Doch allen Prämien, Förder- und Bonusprogrammen zum Trotz werden die Deutschen mit E-Autos einfach nicht warm. Hierzulande wurden im vergangenen Jahr gerade einmal rund 63.000 E-Autos neu zugelassen. Das entspricht einem Marktanteil von 1,8 Prozent. Zum Vergleich: Allein vom Autohersteller Kia wurden im vergangenen Jahr mehr herkömmliche Autos zugelassen als alle deutschen Elektroautos zusammengenommen.

Marktbeobachter erklären sich die Zurückhaltung der Deutschen in Sachen Elektromobilität vor allem mit der mangelhaften Ladeinfrastruktur. Zwar stieg die Zahl der Ladesäulen 2019 im Vergleich zum Vorjahr um rund 50 Prozent, zeigt eine Analyse des Energieverbands BDEW. Doch vor allem auf dem Land gebe es noch viele weiße Flecken, schreiben die Autoren. Das betrifft nicht nur das öffentliche Netz, sondern auch private Ladestationen. Dem ADAC zufolge laden die meisten Besitzer ihr E-Auto daheim auf. Eigenheimbesitzer haben es vergleichsweise leicht, auf ihrem Grundstück eine Ladestation zu errichten – Elektriker bestellen, Kabel verlegen, fertig. Anders sieht es dagegen bei Mietern oder Eigentümern von Wohnungen in Mehrparteienhäusern aus.

Der Automobilclub hat mehr als 300 Verwaltungen von Mietshäusern mit mehr als zehn Stellplätzen gefragt, ob es dort möglich ist, ein Elektro- oder Hybridfahrzeug aufzuladen. Ergebnis: Nur bei vier Prozent der Tiefgaragen und Stellplätze gibt es bislang eine solche Lademöglichkeit. In 96 Prozent der Fälle müssen E-Auto-Besitzer ihr Fahrzeug anderweitig laden. Nach dem Willen der Bundesregierung soll sich das ändern: In Zukunft sollen Mieter und Eigentümer einen Rechtsanspruch darauf haben, ihr E-Auto vor der eigenen Haustür zu laden. Das sieht das neue Gesetz zur Förderung der Elektromobilität und zur Modernisierung des Wohnungseigentumsgesetzes (Wohnungseigentumsmodernisierungsgesetz – WEModG) vor.

Die Kosten trägt der Antragsteller

Laut dem Eigentümerverband Haus und Grund gibt es deutschlandweit rund 800.000 Wohnungseigentümergemeinschaften, die knapp neun Millionen Wohnungen umfassen. Bislang war es nicht möglich, dass ein einzelner Wohnungseigentümer einfach so eine Ladestation an seinem Pkw-Stellplatz errichtet. Denn laut Wohnungseigentumsgesetz (WEG) braucht es für bauliche Veränderungen des gemeinschaftlichen Eigentums die Zustimmung aller betroffenen Eigentümer. Installationen in der Tiefgarage betreffen in der Regel alle Eigentümer – und scheitern deshalb häufig daran, dass sich die beteiligten Parteien nicht einigen können.

Die Reform soll die Rechte der Eigentümer gegenüber der Gemeinschaft stärken und so unter anderem den Bau von Ladestationen auf gemeinschaftlichem Grund und Boden erleichtern. Die Eigentümergemeinschaft darf solche Baumaßnahmen künftig nicht mehr pauschal ablehnen, sondern nur noch mit einem einfachen Mehrheitsbeschluss über die Art der Ausführung bestimmen.

Der Haken an der Sache: In Zukunft trägt derjenige, der die Ladestation beantragt hat, allein die Kosten – und nicht die Gemeinschaft. Das gilt nicht nur für Eigentümer, sondern auch für Mieter. Diese haben künftig ebenfalls einen Rechtsanspruch auf den Einbau einer privaten Ladestation. Auch sie müssen in diesem Fall aber selbst für den Umbau zahlen. Je nach Aufwand kann die Installation bis zu 2000 Euro kosten. Basismodelle beginnen bei rund 500 Euro.

 


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