ImmobilienDie Pro-Kopf-Wohnfläche wird sinken

Wohnhäuser in Berlin
Wohnhäuser in Berlin: Wegen der steigenden Preise müssen sich die Deutschen mit weniger Wohnfläche zufriedengeben – Foto: Caro Fotoagentur

Andreas Fohrenkamm ist Geschäftsführer beim Immobilienunternehmen NCC Deutschland. Das Unternehmen ist als Projektentwickler im Haus- und Wohnungsbau tätig. Andreas Fohrenkamm ist Geschäftsführer beim Immobilienunternehmen NCC Deutschland. Das Unternehmen ist als Projektentwickler im Haus- und Wohnungsbau tätig.

 


134 Quadratmeter, moderne Einbauküche, Gäste-WC – das sind der jüngsten Wohntraumstudie von Interhyp zufolge nur einige wichtige Wunschvorstellungen der Deutschen an ihr Einfamilienhaus. Aufgrund der niedrigen Zinsen ist so mancher Traum tatsächlich realisierbar. Perspektivisch werden die Deutschen speziell bei der Wohnfläche Kompromisse machen müssen. Das zeigt auch der internationale Vergleich. In Ländern mit hoher Eigentumsquote ist die durchschnittliche Wohnfläche pro Person eher niedrig. In Italien ist die Quote bei 73 Prozent und die Fläche bei 31 Quadratmetern. In Großbritannien sind es 65 Prozent und 33 Quadratmeter. Ähnlich verhält es sich in Spanien, Schweden oder Frankreich.

In Deutschland ist die Eigentumsquote zuletzt auf etwa 53 Prozent gestiegen. Die durchschnittliche Wohnfläche liegt bei 49 Quadratmetern pro Person, wird aber meiner Erwartung nach sinken oder zumindest stagnieren. Damit wird ein Trend gebrochen. Bislang ist der Pro-Kopf-Verbrauch an Wohnfläche in Deutschland beständig gestiegen. In der Nachkriegszeit waren es rund 20 Quadratmeter, die jeder Bürger beanspruchte. Prognosen zufolge sollen es im Jahr 2025 sogar über 50 Quadratmeter sein. Ich denke, dass es einige Signale gibt, dass diese Prognosen zu hoch gegriffen sein könnten.

Die Preise werden weiter steigen

Einen der Hauptgründe sehe ich in den steigenden Kaufpreisen und Mieten. Dies ist nicht nur in den großen Metropolen, sondern auch in den Landkreisen zu beobachten. Je stärker die Preisanstiege, desto häufiger wird es Haushalten schlicht und ergreifend nicht mehr möglich sein, sich eine zu große Wohnung zu leisten. Und einiges spricht dafür, dass die Preise weiter steigen – beispielsweise die energetischen Vorschriften beim Bau. Es ist davon auszugehen, dass es künftig weitere Verschärfungen bei der Energieeinsparverordnung geben wird. Dass die Vorgaben aus gesamtgesellschaftlicher Sicht wichtig sind, steht außer Frage – es steht allerdings auch außer Frage, dass sie sich auf die Preise auswirken.

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Insgesamt erwarte ich für die Zukunft, dass Wohnimmobilien häufiger auch wieder kleinere, effiziente Grundrisse aufweisen werden. Dabei ist kleiner nicht automatisch gleichbedeutend mit schlechter. Vielmehr erlaubt ein klug durchdachter Grundriss, die Wohnwünsche der Bürger auch auf kleinerem Raum zu verwirklichen. Allgemein- und Verkehrsflächen wie Flure können reduziert oder Funktionstrennungen aufgebrochen werden – eine Wohnküche beispielsweise vereint zwei Bereiche, die nicht notwendigerweise getrennt sein müssen, und spart dabei Fläche. Auf rund 15 Prozent schätze ich die Einsparpotenziale, ohne dass eine Wohnung an Qualität und Nutzwert einbüßen muss. Hieraus folgt: Die 100-Quadratmeter-Wohnung von heute ist die 85-Quadratmeter-Wohnung von morgen.

Die Nachfrage nach 85-Quadratmeter-Wohnungen wird spätestens beim Anstieg der Zinsen zunehmen. Denn die Deutschen werden beim Bau der eigenen vier Wände Kompromisse bei der Wohnfläche machen, um den Traum vom Eigentum verwirklichen zu können. Projektentwickler müssen ihre Produkte an diesen Trend anpassen.