ImmobilienDeutsche Immobilien - Europas sicherer Hafen

Als im Herbst vergangenen Jahres der geplante 3,3 Mrd. Euro-Börsengang eines deutschen Bürogebäude-Unternehmens wegen der schwachen Nachfrage zurückgezogen wurde, rechneten Marktbeobachter damit, dass der Private-Equity-Riese Blackstone auf den Plan treten würde, um sich die Beute zu sichern. Blackstone hatte schon zuvor Interesse an der Office First Immobilien AG bekundet, die rund 100 Immobilien in Frankfurt, Berlin und anderen deutschen Städten in ihrem Portfolio hat. Als der Börsengang abgeblasen wurde, „erwartete ich, dass Blackstone tief in ihre Augen schauen und sagen würde: ‚Wie hoch ist der Rabatt?’“, sagt Peter Papadakos, ein Analytiker der Immobilienforschungsfirma Green Street Advisors, der den Deal genau verfolgt hat.

Stattdessen schloss Blackstone vergangene Woche den Kauf von Office First ab in einem Deal, der das Unternehmen mit etwa 3,3 Mrd. Euro bewertet – also in etwa der Preis, der IPO-Investoren zurückschrecken ließ. Blackstone halte den Preis dagegen wegen der Mietpreis- und Vermietungstrends in Deutschland für fair, sagen mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Blackstone und einige andere Investoren sehen Deutschland zunehmend als sicheren Hafen in einem turbulenten Europa, wo Risiken auch einen Zerfall des Euro beinhalten. „Wenn der Euro bleibt, wird Deutschland in der gleichen starken Position bleiben, die es jetzt hat“, sagt Lars Huber, Europa-Chef des Immobilienriesen Hines. „Falls der Euro zerbricht und sich der Rauch verzogen hat, wird Deutschland wahrscheinlich noch stärker sein.“

Preise für Top-Immobilien auf Rekordniveau

Im vergangenen Jahr lag Deutschland zum ersten Mal bei den Vertriebsumsätzen für Gewerbeimmobilien auf Platz eins und verdrängte Großbritannien, das seit 2007 laut der Datenfirma Real Capital Analytics die Charts angeführt hat. Den Experten zufolge werden die Preise von Bürogebäuden, Einkaufszentren und Lagerhäusern in vielen Märkten weiter steigen. Ausländische Investoren, die neu sind auf den europäischen Immobilienmärkten, haben sich in der Regel London und Paris angeschaut, bevor sie einen Blick auf Deutschland werfen, das als eher wachstumslahm gilt.

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Aber in diesen Tagen scheint Deutschland für viele Investoren attraktiver zu sein, weil in Großbritannien wegen des bevorstehenden Austritts aus der Europäischen Union und in Frankreich wegen der Wahlen Unsicherheit herrscht. „Langweilig ist sexy in einer Welt mit großer Volatilität und politische Risiken “, sagt Marcus Lemli, Leiter des Europageschäfts von Savills.

Deutschland gewinnt relativ an Stärke, weil Investoren rund um den Erdball nach Jahren des stetigen Preiswachstums in den meisten Märkten mit Herausforderungen bei Investitionen in Gewerbeimmobilien zu kämpfen haben. Insgesamt schrumpft das Investitionsvolumen in Europa und den USA, vor allem weil die Preise für Top-Immobilien in vielen Städten auf oder nahe am Rekordniveau liegen.