Meine StadtBerlin: Mischung aus Kindergarten und Kneipe

Der Bestsellerautor Wladimir Kaminer lebt seit knapp 30 Jahren in der BerlinJan Kopetzky

Wladimir Kaminer, in Moskau geboren, kam 1990 nach Berlin. Anfangs wohnte er in einem besetzten Haus in Prenzlauer Berg. Heute lebt der 50-Jährige nur 500 Meter entfernt. Er bewohnt mit Frau, Kindern, seiner Mutter und zwei Katzen rund 350 Quadratmeter in einem Altbau am Mauerpark. Platz hat er genug, trotzdem schreibt er seine Romane am liebsten im Stehen.

Meine Heimat

Heimat ist wie Mama. Man hat sie zu lieben und zu ehren, aber man muss bei Mama nicht sein Leben lang im Nebenzimmer wohnen. Russland ist meine Heimat, aber Berlin mein Lieblingsort zum Wohnen. Hier lebt es sich besser als in meiner Heimat.

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Meine erste Wohnung

Ich bin fünf oder sechs Mal in Berlin umgezogen. Immer in Prenzlauer Berg. Meine erste Wohnung war eine Hausbesetzung. Nach der Wende sind viele Bewohner in den Westen – und haben alles zurückgelassen. Möbel, Tischdecken und Geschirr. Wir hatten ein tolles Partyleben, die Wohnung leider nur ein Außenklo. Ich wollte aber ein eigenes. Also bin ich umgezogen, in eine teurere Wohnung. Die kostete dann schon 27 Mark Miete im Monat.

Mein Haus

Vor zehn Jahren haben wir, das heißt meine Frau, beschlossen, eine Wohnung zu kaufen. Wir legten mehrere Einheiten in einem Altbau zu einer fantastischen Wohnung auf zwei Etagen zusammen. Darüber wohnt noch meine Mutter. Mein Lieblingsplatz in der Wohnung ist die Küche. Das ist eine alte russische Gewohnheit. Wir sitzen immer in der Küche. Alle. Auch wenn die anderen Räume schöner sind.

Meine Stadt

Berlin ist eine Großstadt, die sich ständig verändert, aber sie ist immer noch solidarisch. Die Menschen hier meinen es gut miteinander. Das gibt es nur noch selten. Berlin ist eine Mischung aus Spinnerei und Bodenständigkeit, aus Kindergarten und Kneipe. Jeder Bezirk ist dabei eine andere, ganz eigene Welt. Die architektonische Entwicklung der Stadt gefällt mir gut. Viel besser als noch vor zehn Jahren.

Meine Lieblingsorte

Zum Entspannen fahren wir in unsere Datsche nach Brandenburg. Zum Glücklichsein brauche ich beides: die Großstadt und ein Haus mit Garten. Wir besuchen oft das Theater oder die Oper und am Sonntag den Flohmarkt im Mauerpark. Da trifft sich die ganze Welt, trinkt Bier und singt Karaoke.

Mein Gastro-Tipp

Ich liebe die versteckten Restaurants in alten Clubs. Man muss sie erst finden und klingeln, um Einlass zu bekommen. Ich mag aber auch moderne Läden wie das Crackers in Mitte oder Restaurants mit Tradition wie das Sale e Tabacchi am Checkpoint Charlie. Da kann man nichts falsch machen.

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In dieser Reihe erzählen Udo Walz (Berlin), Wolfgang Niedecken (Köln), Sönke Wortmann (Düsseldorf), Hans Rudolf Wöhrl (Nürnberg), Sebastian Krumbiegel (Leipzig), Charles Schumann (München), Corny Littmann und Lotto King Karl (beide Hamburg) sowie Tobias Rehberger und Friedrich von Metzler (Frankfurt) was sie mit ihrer Stadt verbindet. Bisher erscheinen: Andreas Rieke von den Fantastischen Vier (Stuttgart)