ExklusivBausparkassen leeren Notfallfonds um die Hälfte

Symbolbild Bausparkassen
Symbolbild Bausparkassen Maximilian Virgili

Die Bausparkassen haben ihren einst milliardenschweren Notfallfonds im vergangenen Jahr um gut die Hälfte geleert. Das hat Capital (Ausgabe 10/2018, EVT. 20. September) auf der Basis der Geschäftsberichte errechnet. Demnach sanken die Finanzpolster in den Fonds zur „bauspartechnischen Absicherung“ im Jahr 2017 von anfangs 1,34 Mrd. Euro auf 637 Mio. Euro. Sollte sich die Entwicklung fortsetzen, wären die meisten Reserven Ende dieses Jahres aufgebraucht.

Cover der Oktober-Ausgabe von Capital
Cover der Oktober-Ausgabe von Capital, die am 20. September erscheint

Die Kapital-Erosion zeigt die Probleme vieler Bausparkassen, die unter den niedrigen Zinsen leiden, zugleich aber hohe Zinszusagen aus alten Verträgen erfüllen müssen. Die Notfall-Fonds waren Anfang der 90er-Jahre eingerichtet worden, damit die Kunden ihre Darlehen stets schnell ausgezahlt bekommen. Seit 2015 dürfen die Bausparkassen diese Reserven aber auch einsetzen, um Engpässe im laufenden Geschäft abzufedern, die die Niedrigzinsen verursacht haben. Der Verband der privaten Bausparkassen bezeichnet die Entnahmen als Beitrag „zur weiteren Stabilisierung“ des Geschäfts.

Laut ‚Capital‘ hat die Bauspar-Tochter des Versicherers Debeka ihren Notfall-Fonds inzwischen komplett geleert. Zudem richtet sich die Debeka darauf ein, ihrer Bausparkasse 2019 Kapital nachzuschießen. Auch bei der Postbank-Tochter BHW Bausparkasse, der Aachener Bausparkasse, der Signal-Iduna Bauspar und der Deutscher Ring Bausparkasse sind diese Reserven ganz bzw. fast aufgebraucht, teils sind mit den Notfonds die Erträge aufgebessert worden. Viele Kassen nutzten die Fonds aber auch dafür, ihr Eigenkapital aufzustocken. So buchte etwa Schwäbisch Hall 425 Mio. Euro aus der Reserve um.

Das zeigt den grundsätzlichen Wandel der Branche, denn: Mit höherem Eigenkapital können die Kassen mehr Geld über gewöhnliche Immobilien-Kredite vergeben, um halbwegs Geschäft zu machen, während klassische Bauspar-Darlehen derzeit teuer und unbeliebt sind. Wüstenrot etwa hat 2 Mrd. Euro über Bauspar-Darlehen verliehen, aber 17 Mrd. Euro über sogenannte außerkollektive Darlehen. Jedoch sind die gewöhnlichen Immobilien-Kredite riskanter: Sie haben oft ein größeres Volumen als Bauspar-Darlehen, bei denen es häufig nur um einige zehntausend Euro geht.

Die Entnahmen haben also mittlerweile einen großen Einfluss auf die Bilanzen der Bausparkassen, wie auch die Bundesbank in ihrem neuen Monatsbericht für September feststellt. Demnach konnten die Institute 2017 zwar ihre Eigenkapitalrentabilität um 0,3 Prozentpunkte auf 9,2 Prozent steigern und so fast das Niveau des langfristigen Durchschnitts erreichen. Doch hätten die Kassen kein Geld aus den Fonds entnommen, läge die Eigenkapitalrentabilität nur bei weniger als drei Prozent.