Interview„Wir möchten Nachhaltigkeit und gutes Wirtschaften belohnen“

DJE-Fondsmanager Richard Schmidt will Unternehmen wie Apple oder BASF „grüner“ machen
DJE-Fondsmanager Richard Schmidt will Unternehmen wie Apple oder BASF „grüner“ machenPR

Capital: Unter Nachhaltigkeit versteht jeder etwas anderes. Was bekomme ich als Anleger, wenn ich bei DJE nachhaltig anlege?

RICHARD SCHMIDT: DJE Invest gehört zu den Unterzeichnern der „Prinzipien für verantwortungsvolles Investieren“ der Vereinten Nationen (UNPRI). Wir möchten uns anvertraute Gelder in die Unternehmen investieren, die mit ihren Produkten und ihrer Unternehmensführung unseren moralischen Werten am ehesten entsprechen. Das gesamte Fondsangebot sowie die Vermögensverwaltung sind deshalb seit 2018 auf die Einhaltung übergreifender Nachhaltigkeitskriterien wie Umweltschutz und die Einhaltung von Menschenrechten sowie Arbeitsstandards ausgerichtet.

Was heißt das im Detail?

Wir haben in einem Scoring-Modells die Nachhaltigkeit zu einem von sechs Bausteinen gemacht. Daraus ergibt sich auf Einzeltitel-Ebene ein Gesamt-Score für die Allokationsentscheidung. Wir setzen auf einen kombinierten Prozess aus der Zusammenarbeit mit MSCI ESG auf quantitativer Seite und 600 bis 900 Unternehmensgesprächen pro Jahr auf qualitativer Seite. Das Anlageuniversum wird über Ausschlusskriterien reduziert. Schlussendlich bilden rund hundert Titel das Kerninvestment.

Nachhaltigkeit galt lange Zeit als Renditekiller, heute stellen Investoren die bessere Performance von ESG-Anlagen gegenüber konventionellen Fonds heraus. Warum entwickeln sich die nachhaltigen Anlageprodukte besser?

Performance und Nachhaltigkeit gehen oft Hand in Hand. Als Investor kaufen Sie mit nachhaltigen Firmen in der Regel Unternehmen mit einem überdurchschnittlich erfolgreichen und proaktiven Management. Zudem werden in den nächsten Jahren mit großer Wahrscheinlichkeit nur noch die Firmen am Markt erfolgreich sein, die ein glaubwürdiges und nachvollziehbares Nachhaltigkeitskonzept präsentieren können. Und dabei geht es nicht nur um die Produkte selbst, sondern auch um die Zulieferer, um die Art und Weise der Produktion und um die Unternehmenskultur.

Ist das bei Anlegern, ob privat oder institutionell, auch schon angekommen?

Wir sehen besonders im Moment eine große Präferenz für solche Produkte, die man mit gutem Gewissen kaufen kann.

Und was verlangen die Kunden bei nachhaltigen Anlagen von Ihnen?

Unsere Kunden verlangen von uns eine tiefgreifende Analyse der Unternehmen, an denen wir uns beteiligen. Hierzu gehört auch eine ESG-Analyse. Bei vielen Anfragen liegt der Fokus auf dem Pfeiler E wie Environment und hier insbesondere auf dem Kohlendioxid-Ausstoß. Wir prüfen aber auch die Bereiche Soziales und Governance. Also wie gehen Unternehmen mit ihren Mitarbeitern um, und wie ist es um die internen Kontrollmechanismen des Unternehmens und die Kompetenz von Vorstand und Aufsichtsrat bestellt? Erst wenn diese umfassende Prüfung und das persönliche Gespräch zu einem guten und stimmigen Ergebnis führen, darf investiert werden.

Gibt es Branchen, auf die Sie komplett verzichten?

Wir schließen DJE-weit Unternehmen aus bestimmten Branchen aus. Dazu gehören etwa Waffenhersteller. Zudem investieren wir nicht in Unternehmen, die sich nicht an die von den Vereinten Nationen vorgegebenen Prinzipien für nachhaltiges Investieren halten.

Und wie ist es mit dem Maschinenbauer, der einen Waffenhersteller beliefert?

Es gelten bei uns strenge Vorgaben, was die Ausschlüsse von Waffenherstellern betrifft. Auch Zulieferer wie beispielsweise Maschinenbauer, die über 5 Prozent ihres Umsatzes mit der Belieferung von Waffenherstellern erzielen, werden ausgeschlossen. Nur durch diesen umfassenden Ansatz können wir mit gutem Gewissen investieren.

Wie handhaben Sie es in ihrem Nachhaltigkeitsfonds DWS Concept DJE Responsible Invest?

In den Fonds nehmen wir beispielsweise keine Zement- oder Aluminiumhersteller auf, da deren Kohlendioxid-Ausstoß um ein Vielfaches höher ist als in anderen Sektoren. Insgesamt hat unser Fonds es mit seinen Investments geschafft, den dadurch finanzierten Kohlendioxid-Ausstoß maßgeblich zu minimieren. Der sogenannte Carbon Footprint des Fonds gehört zu den niedrigsten in der Branche. Im Anleihenbereich setzen wir auf sogenannte Green Bonds. Das sind Anleihen mit einem ganz bestimmten Nachhaltigkeitsprojekt, in welches die Erlöse fließen. Wir haben Green Bonds zur Finanzierung von Solar- und Windparks im Portfolio, zur Erhöhung der Recyclingquote, zur Aufforstung von Brachlandschaften und zur Entwicklung von effektiveren Lithium-Ionen-Batterien.

Wenn alle Investoren sich so verhalten, dann würde der Kohlendioxid-Ausstoß rapide sinken, aber es gäbe weder Zement noch Aluminium, also weder neue Bahnstrecken oder Elektroautos.

Die Finanzierungskosten für Kohlendioxid-intensive Betriebe würden massiv ansteigen und die Produktion unwirtschaftlich machen. Dieses Prinzip steckt auch hinter der geplanten Taxonomie der Europäischen Union: Man möchte die Kohlendioxid-intensiven Betriebe nicht direkt mit Strafen belegen, sondern den Wirkmechanismus indirekt über Investoren und Asset Manager implementieren.

Und wie steht es mit Zement und Aluminium?

Die Zement- und Aluminiumproduktion ist bisher sehr Kohlendioxid-intensiv und damit ein großer Treiber des Klimawandels. Uns geht es nicht darum, diese essenziellen Branchen austrocknen zu lassen, sondern sie dazu zu bringen, moderne und schonendere Produktionsmethoden einzuführen. Sie stehen im Falle von Zement, Aluminium und Wasserstoff längst bereit, sind aber teurer als bisherige Produktionsmethoden. Durch den Druck und die von Nachhaltigkeitsinvestoren ausgelösten Mehrkosten, gleichen sich diese Kostennachteile aus. Sukzessive bekommen wir innovative Hersteller, die wir dann wieder mit gutem Gewissen kaufen. Das funktioniert nicht von heute auf morgen, aber zunehmend erfolgreicher und zügiger.

Umgekehrt, welche Branchen schätzen Sie als besonders nachhaltig ein und investieren deshalb?

Die Brennstoffzelle sehen wir als einen spannenden Zukunftsmarkt. Kleine Hersteller wie Plug Power oder Bloom Energy stehen in den Startlöchern und verzeichnen bereits stark steigende Umsätze. Auch die damit in Verbindung stehenden Produzenten von so genanntem grünem Wasserstoff sehen wir als geeignetes Investment. So genannter grauer Wasserstoff, der aus Strom mit ungünstiger Kohlendioxid-Bilanz erzeugt wurde, ergibt in der Gesamtbetrachtung keinen Sinn. Mittlerweile produzieren die ersten Anbieter in nennenswerten Umfang grünen Wasserstoff, der von Brennstoffzellen zum Antrieb von Fahrzeugen oder in Brennöfen der Industrie genutzt wird.

Die beiden größten Einzelaktien-Positionen in Ihrem Nachhaltigkeitsfonds entfallen auf Apple und Facebook? Was macht die beiden Unternehmen aus ihrer Sicht so nachhaltig?

Beide Unternehmen haben ihre Schwächen in einzelnen Bereichen ihre ESG-Profils. Nichtsdestotrotz erreichen beide Werte bei uns eine ESG-Gesamtnote, die deutlich über unseren Mindestanforderungen liegt. Bei Apple mögen wir auch die sogenannten Green Bonds, mit deren Erlösen Apple die Recyclingquote der iPhones anheben will.

Und was ist mit BASF, einer weiteren großen Position in ihrem Fonds? Bei Chemie denkt doch niemand an „grün“?

Wir möchten Nachhaltigkeit und gutes Wirtschaften belohnen: BASF gehört im Sektor Chemie zu einem der nachhaltigsten Anbieter. Die Firma zeichnet sich nicht nur durch relativ niedrige Kohlendioxid-Emissionen aus, sondern punktet aus unserer Sicht mit hoher Innovationsfreude bei sogenannten Clean-Tech-Produkten, durch die systematische Reduktion und Vermeidung von giftigen Abfällen und im Bereich Governance durch eine hohen Frauenanteil in Führungspositionen sowie einen kompetent und unabhängig besetzten Aufsichtsrat.