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Aktien Windenergie fürs Depot

Blick auf eine Windkraftanlage der Firma Nordex
Windkraftanlage von Nordex: Die Aktie ist abgestürzt
© IMAGO / BildFunkMV
Die Aktienkurse der Windkraftbranche liefen lange Zeit bergab, doch nun könnte das Comeback folgen. Ein neues Gesetz soll den Ausbau von Windenergie vorantreiben. Wie Investoren mitziehen können

Die Zukunft ist grün: Im Jahr 2030 will die Regierung 80 Prozent des deutschen Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energien beziehen. Weil der Anteil im vergangenen Jahr erst bei rund 40 Prozent lag, hat das Kabinett ein Gesetz beschlossen, das den Ausbau der Windkraft vorantreiben soll: Das sogenannte „Wind-an-Land-Gesetz“ sieht vor, dass die Bundesländer künftig zwei Prozent ihrer Fläche für Windräder zur Verfügung stellen müssen. Auch verschiedene baurechtliche Hindernisse sollen fallen. Windkraft gilt seit Jahren als ein wichtiger Wegbereiter für die Energiewende. Die Aktienkurse der Branche könnte diese Novelle beflügeln.

Sie hatten Anfang 2021 einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. „Damals haben viele Investoren auf Klimaschutzaktien gesetzt“, erklärt Stefan Schöppner, Anlagestratege bei der Commerzbank, der den Bereich Windkraft betreut. Seitdem ging es allerdings bergab. Denn die Unternehmen mussten einige Krisen durchmachen. Zuerst kam die Pandemie und mit ihr die Lieferkettenproblematik. Inzwischen leidet die Branche unter der Inflation, so wie die gesamte Wirtschaft. „Die Preise für Vorkosten sind explodiert“, berichtet Schöppner. Bei Herstellern von Windkraftanlagen betrifft das Materialkosten und Lieferkosten – denn die Spritpreise sind ebenfalls angestiegen.

Das stellt die Unternehmen vor große Herausforderungen: Bei bereits abgeschlossenen Verträgen können die Windkrafthersteller zusätzliche Kosten nicht einfach so auf die Käufer überwälzen. Unter diesen Umständen ist es kaum verwunderlich, dass die Aktienkurse der Windkrafttitel seit gut einem Jahr sinken. „Die Lage wird sich erst entspannen, wenn neue Aufträge zu den neuen Preisen reinkommen“, sagt Schöppner. „Derzeit wird eifrig diskutiert, wann das sein könnte.“ Der Börsenexperte warnt außerdem, dass die Branche hierzulande bald weitere Konkurrenz bekommen könnte: „Windkraftanbieter aus China stehen kurz davor, ihr Angebot global auszuweiten“, berichtet er. „Das schafft zusätzlichen Druck auf die Industrie.“

Seitwärts mit Aufwärtspotenzial

Aktuell performen die Aktienkurse von Windkraftunternehmen durchwachsen. Bei Vestas und Nordex beispielsweise, zwei Herstellern von Windkraftanlagen, ging es in den vergangenen zwölf Monaten mit großen Schwankungen abwärts: Vestas fuhr einen Jahresverlust von 25 Prozent ein, der Wert der Nordex-Aktie hat sich sogar fast halbiert. Die globalen Krisen des vergangenen Jahres spiegeln sich auch in den Ebit-Margen der beiden Unternehmen wider. Mit der Ebit-Marge misst man die Rentabilität eines Unternehmens, indem man den operativen Gewinn ins Verhältnis zum Umsatz setzt. Diese Kennzahl lag bei Vestas 2021 bei drei Prozent, verglichen mit rund fünf Prozent ein Jahr zuvor. Bei Nordex betrug die Marge 2021 minus zwei Prozent und damit einen Prozentpunkt weniger als noch im Jahr 2020. Immerhin scheint der generelle Abwärtstrend gebrochen. „Die Kurse von Windkraftunternehmen entwickeln sich aktuell seitwärts – wenn auch mit hohen Schwankungen“, sagt Schöppner.

Der Börsenexperte schätzt die weitere Marktentwicklung positiv ein. „Wir brauchen derzeit alles, was mit sauberer Energie Strom liefert“, erklärt er. Daher ist er überzeugt, dass sich eine Investition in die Branche für langfristig denkende Anleger lohnt. Gleichzeitig mahnt er Investoren bei Betreibern von Windkraftanlagen zur Vorsicht – hier müssten sie sich im Vorfeld gut über die Unternehmen informieren. „Bei Betreibern von Windkraftanlagen muss man genau schauen, wo gebaut wird“, erklärt er. Denn ein Windrad kostet immer ähnlich viel, abgesehen von leichten Rabatten für verschiedene Standorte. Aber der Gewinn hängt am Ende davon ab, in welcher Region die Windkraftanlagen aufgestellt werden. „Es lohnt sich natürlich, dort zu bauen, wo viel Wind weht“, sagt Schöppner. Ende 2021 waren deutschlandweit rund 30.000 Windräder gemeldet. Die meisten davon, nämlich 6400, stehen in Niedersachsen, gefolgt von Brandenburg und Nordrhein-Westfalen.

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