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Zinsentscheid Weitere Schmerzen: Fünf Kern-Erkenntnisse des Fed-Zinsentscheids

Fed-Präsident Jerome Powell spricht zur Presse
Notenbankchef Jerome Powell erläuterte die Entscheidung der Fed und kündigte weitere Zinsschritte an
© IMAGO / Xinhua
Die Fed hat erneut die Zinsen angehoben und kündigt weitere schmerzhafte Zinsschritte an. Das sind die Hintergründe der Entscheidung der Notenbank

Die US-Notenbank hat die Zinsen zum dritten Mal in Folge um 75 Basispunkte angehoben und zur Eindämmung der Inflation noch aggressivere Erhöhungen signalisiert als von den Anlegern erwartet. „Wir müssen die Inflation hinter uns bringen”, sagte Fed-Chef Jerome Powell am Mittwoch auf der Pressekonferenz in Washington, nachdem die Fed die Zielspanne für den Leitzins auf 3 bis 3,25 Prozent angehoben hatte. „Ich wünschte, es gäbe einen schmerzlosen Weg, das zu tun. Den gibt es aber nicht.”

„Höhere Zinsen, langsameres Wachstum und ein nachlassender Arbeitsmarkt sind allesamt schmerzhaft für die Öffentlichkeit, der wir dienen”, so Powell. „Aber sie sind nicht so schmerzhaft wie ein Scheitern bei der Rückkehr zur Preisstabilität und die damit verbundene Notwendigkeit, dies später noch einmal zu wiederholen.”

Im Folgenden fünf Kern-Erkenntnisse zur Zinsentscheidung der Fed:

  • Die Fed hat zum dritten Mal in Folge die Leitzinsen um 75 Basispunkte angehoben und ein deutlich aggressiveres Dotplot veröffentlicht, das weitere 125 Basispunkte an Zinserhöhungen in diesem Jahr (also eine mögliche vierte Anhebung um 75 Basispunkte im November) vorsieht und für den Zinszyklus ein Endniveau von 4,6 Prozent. Die geldpolitischen Entscheidungsträger verzichteten auf dieser Sitzung auf eine Anhebung der Zinsen um einen vollen Prozentpunkt, wobei Powell darauf hinwies, dass die Inflationsdaten in diesem Sommer eher gemischt waren.
  • Die geldpolitischen Entscheidungsträger revidierten die Konjunkturprognosen erheblich und gehen nun von einem Wachstum von nur 0,2 Prozent in diesem Jahr aus, während sie im Juni noch 1,7 Prozent prognostiziert hatten. Sie sehen die Arbeitslosenquote im nächsten Jahr auf 4,4 Prozent steigen und die Inflation erst 2025 auf 2 Prozent sinken.
  • Powell sagte zu Beginn der Pressekonferenz, dass sich seine Hauptbotschaft seit seiner prägnanten und starken Botschaft in Jackson Hole nicht geändert habe. Er betonte wiederholt, dass die Hauptaufgabe der Fed darin besteht, die Preisstabilität wiederherzustellen, und dass die Zentralbanker dies als Voraussetzung für die Erholung der übrigen Wirtschaft betrachten.
  • Sowohl in den Wirtschaftsprognosen als auch in der Pressekonferenz von Powell ließ die Fed nicht erkennen, dass eine Rezession unmittelbar bevorsteht. Powell sagte, dass das Wachstum eine Zeitlang unter dem Trend liegen werde und die Arbeitsmärkte sich abschwächen müssten. Er verzichtete aber darauf, das Thema wirtschaftliche Schmerzen zu stark zu betonen. Verzögerungen bei der Wiederherstellung der Preisstabilität könnten „mehr Schmerzen” mit sich bringen, sagte er.
  • Die Wall Street schloss sehr schwach. Der S&P 500 fiel 1,7 Prozent. Die Rendite zweijähriger US-Treasuries kletterte erstmals seit 2007 über die Marke von vier Prozent. Der Bloomberg Dollar Spot Index kletterte auf ein Rekordhoch.

© 2022 Bloomberg L.P.


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