Vorsorge Was Verbraucher von einer nachhaltigen Versicherung erwarten

Symbolbild Versicherung
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© Nuthawut Somsuk / Getty Images
Nachhaltige Finanzprodukte werden immer beliebter – so auch Versicherungen, die strengen sozialen und ökologischen Kriterien entsprechen. Eine solche Police zu finden, ist aber nicht ganz einfach

Wer den eigenen Lebensstil sozial und ökologisch nachhaltiger gestalten möchte, muss sich nicht mehr damit begnügen, im Bioladen einzukaufen oder auf Ökostrom umzusteigen. Grün und nachhaltig, das geht heute auch bei der eigenen Finanzanlage. Und das scheint der Mehrzahl der Verbraucher durchaus bewusst zu sein: Rund 60 Prozent aller Konsumenten in Deutschland kann sich vorstellen, in Zukunft gezielt nachhaltige Sachversicherungen und Vorsorgeprodukte abzuschließen.

Das zeigt eine aktuelle Studie des Kölner Marktforschungsinstituts „Heute und Morgen“. Bei den unter 30-Jährigen sind es sogar mehr als 80 Prozent. Besonders großes Interesse haben Versicherungsnehmer an nachhaltigen Sachversicherungen, aber auch Vorsorgeprodukte und andere Sparten sind gefragt.

Die Studie zeigt aber auch: Es bereitet nachhaltigkeitsaffinen Verbrauchern noch Schwierigkeiten, die für sie richtigen Öko-Versicherungen auch tatsächlich zu finden. Sie vermissen bei den allermeisten Versicherungsprodukten transparente und verbindliche Nachhaltigkeitskriterien. Daher wünschen sich die Konsumenten von Versicherern und Maklern einerseits mehr Informationen darüber, welche nachhaltigen Produkte am Markt existieren und andererseits nachvollziehbare Argumente, was diese eigentlich nachhaltig macht.

Davon profitieren auch die Versicherer – denn je mehr Verbraucher über die Nachhaltigkeitsaspekte der Versicherungsprodukte wissen, desto höher ist laut Studie ihre Abschluss- und Wechselbereitschaft. Liefern Versicherer diese Informationen hingegen nicht, so droht ihnen schnell der Vorwurf des Greenwashings.

Einschluss- und Ausschlusskriterien

Bei der Produktauswahl bevorzugen Versicherungsnehmer sogenannte Einschlusskriterien gegenüber Ausschlusskriterien, erklären die Studienautoren. Das heißt, sie wollen mit ihrem Geld lieber aktiv natürliche Ressourcen schützen und in erneuerbare Energien investieren – und geben sich nicht damit zufrieden, dass Versicherer lediglich auf bestimmte Investments wie etwa in Geschäfte mit Rüstungsgütern verzichten.

Mittlerweile haben sich einige Maklerunternehmen darauf spezialisiert, nachhaltige Versicherungen zu vermitteln. Ein Beispiel: das Unternehmen „grün versichert“. Das Unternehmen zertifiziert grüne Versicherungsprodukte nach bestimmten Kriterien und vergibt ihr „grün versichert”-Label an Produkte, die zwei Mindestanforderungen erfüllen: Erstens muss das Sicherungsvermögen des Kunden nach ESG-Kriterien (Umwelt, Soziales und Geschäftsführung) ausgerichtet werden.

Das bedeutet konkret: Das Versicherungsprodukt muss Leistungen im Sinne der sozial-ökologischen Nachhaltigkeit erbringen. Nicht erlaubt sind Investitionen in Tabakkonzerne, Ölfirmen, Kern- und Kohlekraftwerke. Hier fehlt es an den genannten Einschlusskriterien, die sich die Studienteilnehmer eigentlich wünschen. Zweitens müssen sie pro abgeschlossenem Versicherungsvertrag einen Baum pflanzen.

Hinter den bereits zertifizierten Produkten stehen indes keine großen Versicherungsgesellschaften, sondern zumeist kleine, regionale Anbieter. Ein Partner von „grün versichert“ ist etwa die „Ostangler Versicherung“. Sie bietet eine grüne Privat-Haftpflicht für 64 Euro pro Jahr an, die Personen- und Sachschäden bis 10 Mio. Euro absichert. Von Versicherern wie „die Bayrische“, „Waldenburger Versicherung“ und „Proneo“ gibt es grüne Hausratversicherungen, bei der „vigo“ nachhaltige Krankenversicherungen. Auch Hunde- oder Pferdehalterversicherungen vermittelt „grün versichert”, genau wie Unfall- und Auslandskrankenversicherungen.

Besonders hoch im Kurs stehen laut der Studie übrigens all jene grünen Versicherungsleistungen, bei denen Versicherte quasi dafür belohnt werden, wenn sie selbst nachhaltig handeln. Konkret wünschen sie Verbraucher zum Beispiel, dass Versicherungen Mehrkosten übernehmen, wenn sie bei der Schadensregulierung auf Nachhaltigkeit achtet. In der Praxis kann das bedeuten: Wird der Fernseher durch einen Blitzschlag defekt, gibt es zusätzliches Geld für ein energieeffizientes Ersatzprodukt. Auch grüne Rabatte sind gefragt, die die Versicherer ihren Kunden als Dank für einen besonders sozialen und ökologischen Lebensstil ausstellen.

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